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Reportage

Impact Week Kenia: Startups statt Entwicklungshilfe für Afrika

Foto: Julia Zhu

Afrika ist im Umbruch: Digitale Technologien haben dort leise ihren Weg in den Alltag der Menschen gefunden. Und auch an Unternehmergeist mangelt es nicht, wie ein Startup-Workshop in Nairobi zeigt.

Afrika: Da gibt es Hungersnöte, AIDS und Despoten. Es mag Leute geben, die das glauben, wie eine ehemalige PR-Managerin des Medienkonzerns IAC. Die twittern dann was Lustiges vor dem Urlaub in Südafrika. Einen Anteil an dieser Wahrnehmung haben die Medien, die ihre Berichterstattung meist auf humanitäre Katastrophen, Terror und Wahlbetrug beschränken. Auch Entwicklungshilfeorganisationen, die gerne mal mit Bildern von hungernden Kindern um Spendengelder werben, tragen dazu bei. Aber wer sich die Mühe macht, über solche Stereotypen hinauszuschauen, gewinnt ganz andere Eindrücke.

So prognostiziert zum Beispiel das Weltwirtschaftsforum  eine rosige Zukunft für den schwarzen Kontinent. Eine wachsende Mittelschicht, eine sehr junge Bevölkerung und Fortschritte bei Bildung und Beschäftigung bergen Wachstumspotenzial. Und die Menschen sind technologieaffin. So haben jetzt schon mehr Menschen ein Mobiltelefon als Zugang zu Trinkwasser. Und der mobile Bezahldienst M-Pesa, der Überweisungen auch ohne Bankkonto ermöglicht, hat in Kenia und Tansania über 20 Millionen Nutzer. Noch gibt es zwar Luft nach oben bei der Verbreitung von Internet und Mobiltelefonen, insbesondere von Smartphones, dennoch sieht das Weltwirtschaftsforum Technologie als wichtigen Treiber für die Entwicklung Afrikas.

Hier liegen Chancen, mit digitalen Technologien buchstäblich Weltbewegendes zu erreichen. „Digitalisierung muss, wenn sie mehr als Pizza liefern und Taxis bestellen will, echte Probleme lösen“, sagt Tapio Liller, Gründer und Geschäftsführer der auf Digitalisierungsthemen spezialisierten PR-Agentur Oseon. „Sie muss neue Anwendungsfelder erschließen und das Leben von Nutzern entscheidend verbessern. Und sie muss alle Menschen einbeziehen, nicht nur die „lucky few“ in den Industriestaaten.“

Technologie für nachhaltige Entwicklung

Die Tech-Giganten Google und IBM haben dieses Potenzial erkannt und investieren in Afrika. Besonders das südafrikanische Johannesburg und die kenianische Hauptstadt Nairobi, die auch als „Silicon Savannah“ bekannt ist, sind Hotspots für lokale Startups. Diese suchen im Spannungsfeld von Investoren und Armut, Optimismus und Infrastrukturdefiziten ihre Nische. Zu den Problemen, mit denen sie konfrontiert werden, gehören unzureichende Stromversorgung und Lücken im Internetzugang, Geldknappheit und ein noch immer dürftiger Bildungsstand der Bevölkerung, wie Focus-Autor Christopher Hahn schreibt. Zugleich bieten eben genau diese Probleme Ansatzpunkte für neue Produkte und Services.

In kleinen Gruppen wurden die ersten Ideen weiter ausgearbeitet. (Foto: Julia Zhu)
In kleinen Gruppen wurden die ersten Ideen weiter ausgearbeitet. (Foto: Julia Zhu)

Damit hat sich Anfang Juli der Startup-Workshop Impact Week befasst. Knapp hundert Teilnehmer arbeiteten an der Africa Nazarene University (ANU) in Nairobi an Lösungen für die Probleme Afrikas. Organisiert wurde das Event von einer Gruppe von Freiwilligen aus Deutschland, der Schweiz und Australien. Ziel war es, den Teilnehmern die nötigen Skills zu vermitteln, selbst ein Geschäft aufzubauen. „Die Menschen vor Ort wissen am besten, wo ihnen der Schuh drückt und welche Ansätze am besten funktionieren“, erklärt Liller. „Wenn dann hinter jeder Idee nicht nur ein solider Usecase, sondern auch ein tragfähiges Geschäftsmodell entsteht, legt man die Grundlage für nachhaltiges Wachstum, das wesentlich mehr Impact schafft als Spendengelder. Hilfe zur Selbsthilfe im besten Sinne.“

Dass dieser Ansatz Erfolg verspricht, zeigt die Erfahrung der ersten Impact Week 2015. Die damals Zweitplatzierten, Team CounterFighters, konnten ihren Vorschlag für einen SMS-Dienst gegen Medikamentenfälschung bereits in eine Testphase bringen. Bis Mitte 2017 steht ihr Service Patienten der Universitätsklinik der ANU offen und auch die Zulassung vom Gesundheitsministerium wird bis dahin erwartet. Die CounterFighters wollen ihren Dienst in ganz Kenia und schließlich in allen Ländern, die mit gefälschten Medikamenten zu kämpfen haben, zur Verfügung stellen. Dieses Jahr waren die CounterFighters-Gründer George und Immanuel wieder dabei, um ihre Erfahrungen zu teilen und neue Ideen auszuprobieren.

Lösungen für alle Lebensbereiche gesucht

Da es bei den Geschäftsideen um Nutzer gehen sollte, kam bei der Impact Week die Design-Thinking-Methode zum Einsatz. Zunächst identifizierten die Teilnehmer Probleme aus sieben Bereichen: Healthcare, Finance, Ernährung, Mobility, Bildung, Security sowie Lifestyle & Cosmetics. Mit Hilfe strukturierter Methoden wie Persona-Modellierung und Fast-Forward-Prototyping fühlten sich Teams in potenzielle Anwender ein, entwickelten Vorschläge für die Lösung konkreter Probleme, bauten greifbare Prototypen und testeten diese. Auf diese Weise kamen im Laufe von nur vier Tagen 17 Ideen zustande, die schließlich vor einer Jury präsentiert wurden. Oder besser gesagt, gepitcht. Denn es ging um mehr als Ruhm und Ehre: Die fünf besten Teams wurden in einen Inkubator der ANU aufgenommen, die besten drei bekommen eine Startfinanzierung.

Das Team „Gold Trash“ entwickelte die Idee Restaurantabfälle in der Landwirtschaft weiter zu verwerten. (Foto: Julia Zhu)
Das Team „Gold Trash“ entwickelte die Idee, Restaurantabfälle in der Landwirtschaft weiter zu verwerten. (Foto: Julia Zhu)

Es kam eine Vielzahl an Lösungsvorschlägen zustande, die die ganze Bandbreite der Lebensrealität in Kenia widerspiegeln. Im Finance-Track gab es Ideen zur Vermeidung von Betrug im Mikrofinanzwesen und für bessere Finanzkompetenz. Im Bereich Healthcare erarbeiteten Teams SMS- und webbasierte Dienste für die Gesundheitsversorgung – wichtig besonders für die ländliche Bevölkerung. Die Mobility-Teams befassten sich vor allem mit dem allgegenwärtigen Verkehrsinfarkt in Metropolen wie Nairobi, und der Bildungs-Track mit der mangelnden Qualität der öffentlichen Schulen. Der Bereich Security war besonders weit gefasst, hier gab es neben Vorschlägen für die öffentliche Sicherheit auch eine Lösung für die Sicherung von Daten auf gestohlenen Smartphones. Und weil Kenia ein Land mit einer wachsenden Mittelschicht ist, für die Lebensqualität eine zunehmende Rolle spielt, erfreute sich vor allem der Track Lifestyle & Cosmetics großer Beliebtheit. Ein Team präsentierte eine E-Commerce-Lösung, die den Vertrieb von Kreationen lokaler Mode- und Schmuckdesigner erleichtern soll – in Kenia wie auch weltweit.

Zukunftsfähiges Workshop-Format

Ausgezeichnet wurden am Ende Vorschläge aus den Tracks Security, Mobility und Ernährung, die grundlegende Probleme im Alltag der Menschen thematisieren. Eine digitale Lösung für die Anzeige von Notfall-Rettungswegen kam auf Platz fünf, ein Echtzeit-Verkehrsleitsystem, das Staus vermindern will, auf Platz vier. Bronze ging an ein Team, das flexibel einsetzbare Wasserfilter entwickeln möchte. Schließlich soll nicht nur die Verbreitung von Handys steigen, sondern auch der Zugang zu Trinkwasser. Auf Platz zwei kam eine Plattform namens Gold Trash, die Restaurantabfälle in der Landwirtschaft verwerten will. Wie es ein Team-Mitglied ausdrückte: „One man’s trash is another man’s gold“. Den ersten Platz räumte schließlich eine Idee ab, die die Ernährungssicherheit der Armutsbevölkerung in Städten verbessern will. Mit einer Farm-in-a-box sollen Menschen auch in Hinterhöfen Lebensmittel anbauen können.

Einer der Leitgedanken der Impact Week ist die Nachhaltigkeit von Entwicklungsimpulsen. Ziel der Initiatoren ist es, sich selbst überflüssig zu machen, wie Organisator Michael Hübl sagt, seines Zeichens Gründer des Mitfahr-Startups flinc. Deshalb ging dem eigentlichen Event ein Train-the-Trainer-Workshop voraus, bei dem Mitarbeiter der ANU in die Methoden des Design Thinking eingeführt wurden. Im kommenden Frühjahr will die Uni mit eigenem Personal eine weitere Impact Week durchführen. Man darf gespannt auf die Ergebnisse sein.

Über den Autor

Julia-ZhuJulia Zhu ist Beraterin in der Frankfurter PR-Agentur Oseon. Ihr Thema ist die digitale Transformation im B2B- und B2C-Umfeld. Außerdem beschäftigt sie sich mit Fragen zur Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit.

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Eine Reaktion
Ist es dort besser als hier ?

Und wo darf man das, ohne zum nächsten Austin Meyer oder Aaron Swartz zu werden ?
Apple musste sich an Didi beteiligen. Woanders muss man den Schwager vom Minister einen dickn Boni-Mismanager-Posten geben oder Einheimischen gehören 51%.

Irgendwo stand doch neulich: Man kann das lokale Management oft schwer kontrollieren.
Rocket hatte weltweit überall diverse Startups ausgebaut. Türkei wurde sehr schnell dicht gemacht.

Korruption und Miswirtschaft gibts fast überall. Siehe Vietnam-Auswanderer im TV. Aber das guckt hier wohl keiner ausser mir.
In Brasilien kann man seine Umsatz-Erwartungen dick nach oben korrigieren: Gewinne hingegen kann man sich aus dem Kopf schlagen hiess es bei ich glaube CNBC.
3g oder so musste als Brasilianer nicht auf ein vermeintliches Wachstums-Land setzen sondern zusammen mit Warren Buffet die Heinz-Ketchup-Firma kaufen !

Und das wichtigste ist das Rück-Kehr-Interview von McAffee: Man kann schnell viel Geld machen. Es zu behalten ist das Problem. Cashburner und Gebühren-Verdiener sind an der Macht und werden von der Presse gerne bejubelt. Da braucht man sich nicht wundern wenn die Mietmafia jährlich mehr verdient und die Armut von Jahr zu Jahr steigt.
https://t3n.de/news/deutsche-startup-boerse-hoechste-500567/ Man suche " 20 prozent ".
Kaum arbeiten und auf Kosten der Gemeinschaft leben wie bei Game of Thrones und allen Adels-TV-Serien... und Schulden für die nächsten hundert Generationen aufbauen... Und die Presse macht munter mit.

Kostenlose Schulen (am Tablett natürlich) will ich schon ewig und weil ich schlau bin in allen Sprachen. Es gibt in Afrika wohl Länder mit vier-hundert Sprachen !
Dank Solarzellen können die jetzt auch abends bei Licht Lesen oder Nähen oder sonstwas machen statt wie bisher (unter Helmut Kohl Schwarz-Gelber FDP-CDU-Regierungs-Entwicklungs-Hilfe).
Wie viele Entwicklungs-Hilfe-Minister waren von der FDP ? Na also.
Wie viel Abwrack-Prämie wurde zurückgezahlt ? Wie viel Entwicklungs-Hilfe wurde zurückgezahlt ? Das ist doch wohl klar. Aber wer Cashburner bejubelt und den Mindestlohn ablehnt, gräbt sich seine eigene Armut...

Also wo darf man die trivialen 10 Punkte herunterprogrammieren und die Welt verbessern ? Investment braucht man keine. Man treibt die Mietpreise nicht hoch. Man beschäftigt keine zigtausenden ungelernter Arbeiter aber man bezahlt im Gegensatz zu miet-mafia-mästenden mindestlohn-feindlichen Holding-Ketten-Briefkasten-Cashburner(=oft keine Steuern zahlen)-Startups sogar Steuern.
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Wikipedia-Gruender-Zehn-Dinge-die-frei-sein-muessen-120873.html
Stattdessen gibts hier bald GenFood und AR-15.

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