Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Feature

Startups wollen den Fachkräftemangel der Tech-Branche heilen – mit Entwicklern aus Indien

(Foto: Shutterstock / puhhha)

Programmierer sind nicht nur im Silicon Valley knapp und genau daraus wollen einige Startups, die sich auf der Disrupt in San Francisco vorstellen, ein Geschäft machen.

Kostenlose Mittagessen, Süßigkeiten-Bar im Büro und Hunde-Mitbringen für alle: Die Unternehmen im Silicon Valley und San Francisco lassen sich viel einfallen, um Mitarbeiter zu finden, und an sich zu binden. Doch mit dem rasanten Wachstum der Tech-Firmen wird das immer schwieriger.

Ideen sind im Silicon Valley zahlreich, dank milliardenschwerer Investment-Fonds ist auch das Geld kaum ein Problem. Doch die Ressource Entwickler wird mehr und mehr zum Nadelöhr für die Entwicklung von digitalen Unternehmen und Projekten. Nicht nur im Silicon Valley. Auch in anderen Tech-affinen Städten wie Tel Aviv, Berlin und Dublin ist es für Coder und ihre Kollegen ein Seller’s Market. Das Einstiegsgehalt eines Java-Entwicklers in San Jose (Wohnort vieler Silicon Valley Mitarbeiter) liegt bei knapp 120.000 US-Dollar. Die extreme Knappheit an Fachkräften droht mehr und mehr zu einem Bremsklotz für die Entwicklung zu werden.

12.000 Dollar im Jahr für einen Senior-Developer

Auf der Techcrunch zeigt sich, einige Startups machen aus genau diesem Problem ihren Case. Und wollen Arbeitgeber in den Industrienationen mit den günstigen Arbeitskräften in Schwellenländern zusammenbringen.

Talentica beispielsweise ist ein Dienstleister, der Startups die Produktentwicklung mehr oder weniger abnehmen möchte. Sie bieten das Rundum-sorglos-Paket für Gründer. Plötzliche Planänderungen? Kein Problem. Es soll noch ein bisschen schneller Live gegangen werden? Natürlich. Was der Preis dafür ist, bleibt unklar, er dürfte aber niedrig sein. Denn: Talentica sitzt in Pune, in Indien. Dort liegt das Jahresgehalt bei 12.000 Dollar, also einem Zehntel. Für einen Senior-Java-Developer.

Koder präsentiert sich ganz lustig mit Cartoon-Figuren im Hipster-Stil. Und vermittelt, wie der Name schon nahelegt, Entwickler. Die Plattform bietet freiberuflichen Entwicklern einen Raum, um weltweit an Aufträge zu gelangen. Die – im Grundsatz nicht ganz neue Idee – ist einfach: Jedes Unternehmen kann eine Aufgabe beschreiben, die in Code umgesetzt werden soll und eine Summe (Bounty genannt) dafür als Lohn angeben. Dann können sich die Programmierer dafür melden. Das Prinzip ist bekannt, von Upwork and Fiverr. Wobei Fiverr bereits Programmierer vermittelt. Allerdings will Koder ein komplettes Programmierer-Biotop schaffen, in dem auch das Testing, die komplette Kommunikation und die Bezahlung abläuft (ganz angesagt, auch in crypto). Koder hat seine Seite während der Techchrunch aus der geschlossenen in die offene Beta-Phase gebracht. Mehrere Hundert Coder seien bereits aktiv. „Und wir haben ungefähr 5000 weitere, die sich angemeldet haben und darauf warten loszulegen“, sagt Paul Nguyen, CTO bei Koder. Nguyen findet, dass die Plattform eine tolle Sache für Entwickler ist. Auf die Frage, ob die Plattform also das Off-Shoring vorantreibe und für die Programmierer in Westeuropa, USA und anderen hochpreisigen Märkten so zur Bedrohung werden könnte, nickt er dann etwas verlegen. Und wie läuft die Projektsteuerung, wenn mehrere Coder gebraucht werden? Ja, da brauche der Auftraggeber dann gut zugeschnittene Arbeitspakete, die er an die Entwickler vergibt, antwortet Nguyen etwas ausweichend. Also nicht das Rundum-sorglos-Paket. Aber die Stoßrichtung ist die Gleiche.

Brauchen Digitalagenturen ein Tinder?

Top Digital Agency will deshalb auch keine Freelancer-Vermittlung, das führe am Bedarf vorbei. „Wir sind Tinder für Digital-Agenturen und Unternehmen“ sagt Scott Coleman, COO bei TDA. „Es gibt so viele tolle Agenturen auf der Welt, doch sie sind zu wenig bekannt. Und die Unternehmen haben es oft schwer, die richtige Agentur für sich zu finden“. Im Laufe des Gespräches wird deutlich: Es geht hauptsächlich darum, Unternehmen aus Industrienationen in Kontakt mit Digital-Agenturen in günstigeren Ländern wie Kroatien zu bringen. Allerdings hält sich TDA bei den üblichen Kommunikationsproblemen von Near- und Off-Shoring-Projekten heraus. „Auch da sind wir wie eine Dating-Plattform. Wir sitzen nicht beim ersten Date daneben und wir wollen auch nicht wissen, was danach passiert. Wir bringen einfach zwei Seiten zusammen, die voneinander profitieren können“, erklärt Scott Coleman die Grenzen seiner Plattform.

Globalwonks will auch die Arbeitswelt zusammenbringen. Sie richten sich vor allem an Firmen, die die Beratung von Experten brauchen. Schwerpunkte sind Politik und Wirtschaft. „Damit haben wir angefangen, aber wir sind nicht zwingend auf eine Branche fokussiert“, erklärt Rebecca Dailey, Senior Beraterin und zuständig für die Firmenentwicklung bei Globalwonks. Über die Plattform finden auch die Kommunikation und die Bezahlung statt. Der Fokus von Globalwonks liegt auf Entwicklungsländern, weil es dort für ausländische Firmen und Organisationen besonders schwierig und langwierig ist, an Expertenwissen zu kommen. „Stellen Sie sich vor, Sie müssen nächsten Monat über ein Projekt in Nigerias Landwirtschaft entscheiden. Da weiß kaum einer, wie er an verlässliche Informationen kommen kann“, versucht sich Rebecca Dailey an einem Beispiel.

Was Globalwonks von den anderen Startups abhebt: Die Firma hat erkannt, dass es nicht nur darum geht, Experten und Unternehmen zusammenzubringen. Die gelungene Zusammenarbeit in Teams, die nicht an einem Tisch, sondern in verschiedenen Zeitzonen sitzen, ist trotz der fortgeschrittenen Digitalisierung mit Facetime und virtuellen Konferenzräumen ein großes Problem. Deshalb entwickelt Globalwonks eine Plattform für die Zusammenarbeit. Und will diese später auch als eigenes Produkt an Unternehmen verkaufen. Ein schöner Plan und sicher wird es einige Interessenten geben. Mitarbeiter in günstigen Ländern für ein Zehntel des Gehaltes zu beschäftigen, das klingt nach einem verlockenden Plan. Wer darüber nachdenkt, könnte ja erst mal googeln. Wer „Offshoring funktioniert“ eingibt, bekommt gleich ein „nicht“ dazu angeboten.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.