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Stechuhr für alle? So reagiert das Netz auf das umstrittene EuGH-Urteil

Der EuGH verpflichtet zur systematischen Erfassung der Arbeitszeit. (Foto: Shutterstock)

Ein neues EuGH-Urteil verpflichtet Arbeitgeber in der EU zur systematischen Erfassung der Arbeitszeit. Das Netz reagiert gemischt – teils mit Begeisterung, teils mit Fassungslosigkeit.

Kurz vor der Europawahl am 26. Mai 2019 überrascht der Europäische Gerichtshof (EuGH) mit einem ungewöhnlichen Urteil: Arbeitgeber müssen demnach die gesamte Arbeitszeit ihrer Beschäftigten systematisch erfassen. Das entschieden die obersten EU-Richter am Dienstag in Luxemburg. Mit dem Urteil will die EU die zugesicherten Rechte von Arbeitnehmern stärken. Nur so lasse sich überprüfen, ob zulässige Arbeitszeiten überschritten würden, heißt es in der Urteilsbegründung.

Das Urteil könnte große Auswirkungen auf den Arbeitsalltag auch in Deutschland haben. Denn längst werden nicht in allen Branchen Arbeitszeiten systematisch erfasst. Auch Heimarbeit oder Außendienst müssten demnach künftig registriert werden, etwa über Apps oder eine elektronische Erfassung am Laptop. Wird abends von zu Hause noch dienstlich telefoniert oder werden E-Mails geschrieben, könnte auch dies unter die Pflicht zur Erfassung fallen.

Die Reaktionen im Netz fielen dementsprechend gemischt aus. Während manche das Urteil mit Blick auf die enormen Überstunden begrüßen, fürchten andere das Ende von neuen Arbeitsmodellen. Wir haben die wichtigsten Reaktionen gesammelt.

So reagiert das Netz auf das Arbeitszeit-Urteil

Mit Material von dpa

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3 Kommentare
Daniel

Also, was die meisten da von sich geben klingt ja so als wurde vom EUGH die Gleitzeit für Illegal befunden. Es ändert sich doch nichts daran, man hat auch weiterhin flexible Arbeitszeiten, die werden auch per Ein- und Ausstempeln in den meisten Betrieben dokumentiert. Wieder ein Fass und Panikmache für nichts. Und ich sehe das als Arbeitnehmer und nebenbei Selbstständiger.

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Titus von Unhold
Titus von Unhold

Die meisten die so arbeiten, halten sich halt eben nicht an das Arbeitszeitgesetz und das wird jetzt sichtbar und gerichtsfest dokumentiert. Also entweder muss man zukünftig Dinge wie das abendliche Mailschreiben unterlassen, oder eben damit rechnen dass Zoll/Krankenkassen/Rentenversicherung/Berufsgenossenschaft/Gewerbeaufsicht entsprechende Bußgeldverfahren einleiten wenn kontrolliert wird.

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Sunny
Sunny

Also ich finde das beschlossene Arbeitszeitgesetz laecherlich und einen Rueckschritt. Das liegt daran, dass ich mich nicht damit anfreunden kann, dass man in Deutschland fuer Zeit und nicht fuer Leistung bezahlt wird. Ich kann den ganzen Tag auf der Firma sitzen und am Ende trotzdem nichts leisten. In der Schule wird man fuer Leistung benotet. Da bekommt auch nicht derjenige, die beste Note, der eine Stunde laenger fuer Tests braucht. Ich denke, dass neben Digitalisierung, Breitbandausbau, etc. Deutschland auch hier wieder einen Trend verschlafen hat. Alle anderen nicht-EU-Industrie-Laender sind da schon viel weiter. Denn dort haben Firmen verstanden, entsprechende Anreize zu schaffen, um fuer eine ausgewogene Work-Life-Balance zu sorgen und die Mitarbeiter nach Leistung zu bezahlen, nicht nach abgesessener Zeit. Dass ohne Gesetze in Deutschland keine Firmen auf die Idee kommen, ihr Arbeitsumfeld zeitgemaess anzupassen bzw. dass die Arbeitnehmer ihre Firmen nicht mitgestalten und ggf. Aenderungen fordern, bis es Gesetze gibt, die sich darum kuemmern, zeigt, dass nicht nur die deutsche Politik rueckstaendig ist/denkt, sondern das gesamte Land ;)

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