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Steuerbetrug im Marketplace: Amazon in der Kritik

(Foto: Claudio Divizia/Shutterstock.com)

Einer gemeinsamen Recherche des WDR und der Süddeutschen Zeitung zufolge soll das Ausmaß an Steuerbetrugsfällen durch chinesische Händler auf Amazon deutlich größer sein als bisher angenommen.

Das Problem beschäftigt seit geraumer Zeit Händler, Steuerexperten und Politiker: Chinesische Händler, die ihre Produkte über Amazon verkaufen, unterlaufen die Umsatzsteuer. Dadurch haben sie einen unfairen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Händlern, die sich an die Gesetze halten. Außerdem entgehen dem Staat die entsprechenden Einnahmen. Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung und des WDR könnte das Problem noch größer sein als bislang angenommen.

Gemeinsam haben die Zeitung und die öffentlich-rechtliche Sendeanstalt 100.000 Händler-Seiten auf Amazon ausgewertet. Insgesamt 24.586 davon seien Händler aus China und Hongkong. Allerdings verschicken 14.300 von ihnen ihre Waren nicht von dort, sondern liefern sie erst in die EU, wo Amazon sie dann in den Logistikzentren des Unternehmens unterbringt und beim Kauf an die Kunden verschickt. Die Händler müssten sich dann eigentlich in der EU steuerlich registrieren und den Gesetzen entsprechend die Umsatzsteuer abführen. Allerdings haben laut dem Bericht der Süddeutschen Zeitung und des WDR 4.220 der chinesischen Händler aus der Stichprobe in ihrem Impressum keine Steuernummer angegeben.

9.900 der Händler haben hingegen eine britische Steuernummer. Allerdings soll es auch hier Betrugsfälle geben: Häufig sollen die Händler angeben, ihre Waren kämen direkt aus Großbritannien. Dann wären in Deutschland keine Steuern fällig. Tatsächlich scheint es in vielen Fällen aber so zu sein, dass die Waren aus Logistikzentren in Deutschland stammen. Dann wiederum müssten sich die Händler auch hier beim Finanzamt anmelden.

Steuerbetrug von Online-Händlern bei Amazon: Der Gesetzgeber muss handeln

Wirklich gelöst werden kann das Problem nur von Seiten des Gesetzgebers. In Großbritannien schreibt der Staat beispielsweise in einem neuen Gesetz vor, dass Amazon nur Händler auf der Plattform zulassen darf, die eine Steuerregistrierung vorweisen können. Auch in Deutschland wird das Problem von der Politik erörtert. Ein konkreter Gesetzentwurf steht aber – nicht zuletzt aufgrund der Verzögerungen bei der Regierungsbildung – noch aus. Immerhin scheinen aber auch die Steuerbehörden zunehmend wachsamer zu sein: Ende 2017 sollen die Behörden Lagerbestände von etwa 100 chinesischen Amazon-Händlern beschlagnahmt und Zahlungen eingefroren haben.

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2 Reaktionen
Jörg Brettscheider

Zu Amazons Geschäftspolitik und der Vorgehensweise der Finanzbehörde verweise ich auf meine Präsentation unter: https://www.slideshare.net/DrJrgBrettschneider

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MartinSD

Dagegen geht das Finanzamt Berlin bereits vor, allerdings insgesamt etwas langsam.
Fakt ist aber, dass auch seitens Amazon ziemlich schnell agiert wird und mittlerweile viele größere Händler-Accounts gelöscht wurden. Auch in unserer Amazon SEO Facebook-Gruppe hat vor ein paar Tagen ein Mitglied erwähnt, dass er so ein paar Mitbewerber innerhalb kurzer Zeit (wenige Wochen) weniger hatte, sprich, wer sich dagegen wehrt, hat offensichtlich Erfolg damit.

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