News

Stimmungsmache gegen Amazon: Konkurrenten kämpfen unfair

Eine falsche Grassroot-Organisation macht Stimmung gegen Amazon – finanziert von Walmart, Oracle und einem Einkaufscenterbetreiber. (Screenshot: Free and Fair Markets Initiative)

Walmart, Oracle und Mall-Eigner Simon Property Group haben eine vorgeblich unabhängige Nonprofit-Initiative finanziert, um gezielt Amazon zu schaden.

Free and Fair Markets Initiative nennt sich eine gemeinnützige Organisation, die Amazon in den vergangenen 18 Monaten scharf attackiert hat. Nach außen sollte die Initiative als unabhängig dargestellt werden, als eine Grassroot-Bewegung gegen Amazon. Tatsächlich handelt es sich nach Informationen des Wall Street Journal (Paywall) um eine Kampagne, die von Amazons Rivalen Walmart, Oracle und dem weltgrößten Mall-Eigner Simon Property Group finanziert wurde. Die Free and Fair Markets Initiative warf Amazon unter anderem vor, mit Kundendaten nicht sorgfältig umzugehen, Wettbewerb und Innovation zu behindern, mit Lagerarbeitern unfair umzugehen – und sich an staatlichen Subventionen zu bereichern.

Walmart, Oracle und die Simon Property Group finanzieren Kampagne gegen Amazon

Legitime Kritik gegen Amazon gibt es genug, beispielsweise von Amazon-Mitarbeitern am jüngst vorgestellten Klimaschutzplan oder vom Bundeskartellamt am Marktplatz. Die unter dem Begriff „Astroturfing“ bekannt gewordene Methode, Public-Relations- oder kommerzielle Kampagnen als „natürlich entstandene“ Graswurzelbewegung erscheinen zu lassen, ist nicht unbekannt. Das WSJ bemerkt jedoch, dass im Gegensatz zu bekannten Vorgehensweisen, beispielsweise der Bildung einer Allianz, um eine Übernahme zu verhindern, die Vorgehensweise bei der Free and Fair Markets Initiative (FFMI) recht einzigartig scheint: Es sei selten, dass eine komplette Nonprofit-Organisation gegründet würde, deren einziger Daseinszweck es sei, ein einzelnes Unternehmen zu attackieren.

Das Wall Street Journal sieht das als Indikator für die wachsende Bereitschaft, für einen Gegenschlag gegen Amazon immer weiter zu gehen. Das Wachstum und die kombinierte Macht von Amazon bringen konkurrierende Unternehmen wohl dazu, gemeinsam zu agieren.

Walmart sieht sein Einzelhandelsgeschäft angesichts Amazons aktueller Pläne gefährdet und kämpft auch online gegen Amazons Einfluss, Oracle konkurriert mit dem Amazon-Cloud-Computing-Dienst AWS um einen Zehn-Milliarden-US-Dollar-Auftrag vom Pentagon und der Einkaufscenterbetreiber Simon Property Group wird vermutlich Amazon die Schuld an Kundenfrequenzeinbrüchen in seinen Malls geben.

Als einziges Unternehmen bestätigte Oracles Büro in Washington die Finanzierung gegenüber dem Wall Street Journal. Die Simon Property Group verweigerte eine Stellungnahme, Walmart-Sprecher Randy Hargrove dementierte: „Wir sind keine finanziellen Unterstützer von FFMI, aber wir teilen die Besorgnis über Probleme, die FFMI anspricht.“ Walmart ist laut den WSJ-Quellen über einen Mittelsmann als Finanzier tätig; der Sprecher weigerte sich, über das abgegebene Statement hinaus Stellung zu beziehen. FFMI selbst lehnte es gegenüber WSJ ab, seine Finanziers zu enthüllen oder offenzulegen, ob die Initiative über Geschäftsführer oder Manager verfügt.

Free and Fair Markets Initiative täuscht Unterstützung aus der Bevölkerung vor

Die Nonprofit-Organisation stellte sich als Grassroot-Bewegung dar, die aus der Bevölkerung unterstützt wird. Aufgezählt wurden laut WSJ eine Gewerkschaft, ein Professor aus Boston und ein kalifornischer Geschäftsmann. Die Unterstützung stellte sich jedoch als nicht vorhanden heraus: Die Gewerkschaft landete ohne ihr Wissen und ihre Genehmigung auf der Unterstützerliste. Ein Dokument, das die Unterstützung der Gewerkschaft belegen sollte, ist mit einer gefälschten Unterschrift versehen.

Der Professor genehmigte zwar, dass in seinem Namen ein Editorial veröffentlicht wird, war sich aber nicht bewusst dass er auf der Unterstützerliste auf der Website der Initiative aufgeführt wurde.

Der letzte prominent platzierte Unterstützer, der kalifornische Geschäftsmann, war schon Monate tot, bevor sein Name von der Website der Initiative gestrichen wurde.

Passend zum Thema

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung