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Analyse

Falsche Rücksicht auf Retailer: Warum es kein deutsches Amazon Go gibt

Wenn der klassische Handel in Zukunft nahezu aussterben sollte, dann aus Mutlosigkeit. (Foto: Lucie Lang/Shutterstock.com)

Amazon Go hat von der ersten Stunde an hohe Wellen geschlagen. Erstaunlicherweise wäre ähnliche Technologie auch für deutsche Handelsunternehmen verfügbar. Einzig das Interesse daran fehlt – ein Symptom des Untergangs.

Ein französisches Unternehmen könnte deutschen Handelsunternehmern jederzeit die Technologie für einen Supermarkt zur Verfügung stellen, welcher mit Amazon Go vergleichbar wäre. Um das festzustellen, reicht ein Rundgang auf der Messe für Handelstechnologie EuroCIS in Düsseldorf und ein kurzes Gespräch am Stand von SES-Imagotag, ein Spezialist für digitale Preisschilder. Das Unternehmen bietet eine Bestandsverwaltungslösung auf Basis computergesteuerter Videoanalyse an, die nach eigener Aussage auch Amazon Go abbilden könnte. Gefragt hat danach allerdings auch am letzten Messetag noch niemand. Geworben wird damit auch nicht. Es interessiert sich schlicht kein Handelsunternehmen dafür, Amazon Go nachzubauen. Auf dieser Messe wird eines klar, nicht fehlende Technologie wird den Handel in den Untergang reißen. Sondern seine eigene Mutlosigkeit.

Das System, das Amazon Go sein könnte

Das „Automatic-Stock-Detection-System“ von SES-Imagotag überwacht mit Hilfe von Überwachungskameras und Computer-Vision-Algorithmen den Bestand beispielsweise in Supermarktregalen. Die entnommenen Produkte werden anhand der digitalen Preisschilder an den Regalen identfiziert, die Entnahme und die entnommene Stückzahl anhand der Videoüberwachung. Ein Checkout-System, das mittels NFC oder QR-Code direkt mit den Preisschildern verbunden ist, existiert ebenfalls. Das reicht noch nicht ganz, um Amazon Go abzubilden, aber die technologische „Lücke“ könnte SES-Imagotag füllen, so das Unternehmen gegenüber t3n auf der Messe. Die Frage nach Amazon Go löst am Stand Überraschung aus, denn trotz der offensichtlichen Verwandtschaft des Systems mit der Technologie aus Seattle, hat bisher kein Handelsunternehmen danach gefragt.

Prototyp bei der Bio-Supermarkt-Kette Bio 'c bon in Paris

In einer Filiale der Supermarktkette Bio 'c bon ist das System, das zusammen mit Panasonic Business entwickelt wurde, flächendeckend auf mehreren Stockwerken im Einsatz. In einem Video demonstriert SES-Imagotag die Funktionsweise des „Automatic-Stock-Detection-Systems“.

„Das können wir Retailern nicht zumuten“

Überhaupt zeigen viele große Aussteller Technologien, die wie Brückenlösungen wirken. Digitale Preisschilder, die mit einem Handscanner abgescannt werden und beim Verlassen des Supermarktes an der Kasse ausgelesen werden, oder Varianten davon für das Smartphone. Direkter Checkout auf dem Smartphone? Fehlanzeige, lediglich ein chinesischer Anbieter ist zu entdecken, der eine solche Lösung bewirbt.

SES-Imagotag ist also kein Einzelfall, auch andere große Anbieter scheinen sich eher etwas zurückzuhalten mit allzu innovativen Lösungen. Ein anonymer Fujitsu-Siemens-Mitarbeiter bringt es schließlich auf den Punkt, als die Frage fällt, wieso denn diese und jene Technik, die so offensichtlich zusammengehört, nicht kombiniert vorgeführt wird: „Das können wir Retailern nicht zumuten!“

Mutlosigkeit ist des Händlers Tod

Kundenzentriertes Marketing ist heute selbstverständlich. Was passiert, wenn der potentielle Kunde ängstlich und mutlos ist, war auf der EuroCIS immer wieder zu sehen: Der Anbieter passt sich an und präsentiert Lösungen die zum „Entwicklungsstand“ seiner Kunden passen. Es ist auf jeden Fall bezeichnend, dass auf dieser Messe die Retailer verhätschelt werden wie Todkranke. Bloß nichts sagen, was den Patienten aufregen könnte.

Ist es nur die reine Mutlosigkeit, dass Handelsunternehmen sich nicht für Amazon Go interessieren – oder trauen sie dem Kunden weniger Innovationsfähigkeit zu, weil sie selbst keine mehr besitzen? Die Eliminierung der Kassenschlange ist seit langen Jahren die erste echte Innovation im Einzelhandel und kommt von einem Onlinehändler. Oder steckt hinter dieser Mutlosigkeit auch der Widerwillen gegen die offensichtliche Entwicklung, dass Handelsunternehmen zum Technologieunternehmen werden müssen?

Vermutlich treffen alle genannten Gründe zu. Wenn der Handel nicht den Mut aufbringt, sich zu wandeln, dann wird er sterben.

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Eine Reaktion
businessunicorns

Genau so sieht es aus, wir hatte selbst vor einigen Jahren den Versuch gestartet einer größeren Baumarkt-Kette eine InStore Navigation anzubieten, mit der, der Kunden direkt die richtigen Produkte finden kann über eine App und zusätzlich dazu noch weitere Informationen ausgespielt werden wie z.B. Cross-Selling Produkte und und und. Es scheiterte am Innovationswillen, da die Investition überschaubar war.

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