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Studie: Nicht Anonymität sondern Klarnamen machen Trolle so richtig aggressiv

(Foto: Shutterstock)

Viele Menschen glauben, dass gerade die geschützte Anonymität ein Nährboden für die schlimmsten Internet-Trolle ist. Eine neue Studie kommt jedoch zu einem gänzlich anderen Ergebnis.

Studie untersucht das Verhalten von Social-Media-Trollen

Ob Grexit, Brexit oder syrische Flüchtlinge: Der politische Diskurs in den sozialen Medien fällt selten durch Besonnenheit und gegenseitigen Respekt auf. Eine auch in wissenschaftlichen Kreisen häufig geäußerte Hypothese besagt, dass viele Menschen im Schutz der Anonymität im Netz besonders feindselige und boshafte Kommentare verfassen. Eine aktuelle Studie kommt allerdings zu einem ganz anderen Schluss: Nutzer mit Klarnamen verfassen sogar häufiger aggressive Beiträge im sozialen Web als ihre anonym agierenden Mitmenschen.

Für die soziologische Untersuchung wurden insgesamt 532.197 Kommentare auf der deutschen Petitionsplattform openpetition.de aus einem Zeitraum von 2010 bis 2013 ausgewertet. Die Website wurde unter anderem deswegen gewählt, weil Nutzer hier die Wahl haben, ob sie anonym oder unter ihrem echten Namen Kommentare verfassen wollen. Insgesamt enthielten fast 21 Prozent aller Kommentare aggressive Äußerungen.

In nur elf Prozent der 1.612 untersuchten Petitionen waren die Kommentare frei von Beleidigungen und ähnlichen Äußerungen. Die Autoren der Studie verweisen zum Vergleich auf eine Untersuchung aus der realen Welt, laut der nur vier Prozent der Menschen bei einer vermeintlichen Ungerechtigkeit zu verbaler Aggression neigen. Diese Werte interpretieren sie als Beleg dafür, dass sich Nutzer im sozialen Netz grundsätzlich aggressiver verhalten, als es im echten Leben der Norm entspricht.

Studie: Die Wissenschaftler fanden mehr aggressive Kommentare, die nicht anonym veröffentlicht wurden. (Grafik: Katja Rost)

Internet-Trolle: Die Wissenschaftler fanden mehr aggressive Kommentare, die nicht anonym veröffentlicht wurden. (Grafik: Katja Rost)

Studie: Klarnamen-Trolle überwiegen

Dass Menschen im Internet aggressiver ihre Meinungen vertreten, scheint zunächst einmal keine allzu überraschende Erkenntnis zu sein. Interessanter ist allerdings der Umstand, dass nach der Studie tatsächlich mehr aggressive Kommentare unter einem Klarnamen verfasst wurden, als im Schutz der Anonymität. Dafür könnte es laut den Forschern mehrere Gründe geben.

Zum einen verleiht der Klarname einem Kommentar Glaubwürdigkeit, immerhin sind die meisten von uns daran gewöhnt, anonyme Informationen im Internet mit einer gewissen Skepsis zu betrachten. Zum anderen sehen sich viele Kommentatoren vor allem bei politischen Themen im Recht beziehungsweise als Kämpfer für eine gerechte Sache. Genaue Rückschlüsse auf die Motivation der beteiligten User lassen die Untersuchungsergebnisse allerdings nicht zu.

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