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Talent? Überbewertet! So wichtig ist der Erfolgsfaktor Zufall wirklich

(Foto: Shutterstock)

Erfolg wird häufig als Konsequenz aus Talent und harter Arbeit beschrieben. Wissenschaftliche Studien legen jedoch nahe, dass Glück einen vielen größeren Einfluss auf den Erfolg hat, als wir es uns eingestehen wollen.

Weite Teile der Bevölkerung begreifen beruflichen Erfolg als Folge von harter Arbeit und einem hohen Maß an Talent. Bei genauerer Betrachtung wird dieses Bild allerdings brüchig, denn wären Talentfaktoren wie Intelligenz der ausschlaggebende Faktor, dann müsste auch Erfolg in einem ähnlichen Maße über die gesamte Bevölkerung verteilt sein. Dem ist aber ganz und gar nicht so. Das wiederum wirft die Frage auf, ob es nicht noch andere Faktoren gibt, die einen großen Einfluss auf den Erfolg haben.

Genau dieser Frage ist ein interdisziplinäres Forscherteam bestehend aus Physikern und einem Ökonomen nachgegangen. Dazu haben sie ein mathematisches Modell entworfen, auf dessen Grundlage sie ermittelt haben, in welchem Zusammenhang Erfolg und Talent wirklich stehen. Die Ergebnisse legen nahe, dass die talentiertesten Menschen fast nie die erfolgreichsten sind. Vielmehr rekrutieren sich die erfolgreichsten Personen häufig aus der Gruppe der eher durchschnittlich talentierten Menschen.

Wenn aber kein direkter Zusammenhang zwischen dem Maß an Talent und dem Grad an Erfolg besteht, welcher Faktor ist dann entscheidend? Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass der ausschlaggebende Faktor für Erfolg das Glück – oder um es etwas nüchterner auszudrücken: der Zufall – ist. Die Forscher weisen in ihrem Paper jedoch explizit darauf hin, dass Talent durchaus Einfluss auf den Erfolg hat, nur eben in einem geringeren Maße, als es viele Menschen gerne glauben wollen.

Warum wir Zufälle nur schwer als solche erkennen

Interessanterweise tun sich Menschen sehr schwer damit, Zufallsfaktoren als solche zu erkennen. Vor allem, wenn es um den eigenen Erfolg geht. Der Publizist, Börsenhändler und Risikoanalyst Nassim Nicholas Taleb bezeichnet dieses Problem als narrative Verzerrung und meint damit die nachträgliche Schaffung einer stringenten Erzählung, um im Nachhinein eine plausible Erklärung für ein Ergebnis zu erhalten. In den Sozialwissenschaften wird das Phänomen auch als Rückschaufehler bezeichnet.

Das Problem liegt darin, dass unser Gehirn vor allem darauf trainiert ist, Muster zu erkennen. Nur so können wir uns letztlich in einer Welt aus völlig chaotischen Sinneswahrnehmungen zurechtfinden. Diese Tendenz unseres Denkens macht es allerdings recht schwierig, Zufälle als solche zu erkennen. Ein interessantes Beispiel dafür war die ursprüngliche Shuffle-Funktion des iPods. Die funktionierte nämlich tatsächlich zufällig, was allerdings auch bedeutet, dass derselbe Song gelegentlich mehrfach hintereinander gespielt wird – zufällig eben. Das führte zu Beschwerden einiger Kunden, denen die Shuffle-Funktion ganz und gar nicht zufällig erschien. Daraufhin machte Apple die Song-Auswahl weniger zufällig, damit sie zufälliger wirkte.

Bezogen auf die obigen Forschungsergebnisse ergibt sich allerdings ein Problem aus unserer Mustergläubigkeit: Da Zufallsfaktoren beim Erfolg kaum wahrgenommen werden, werden viele Menschen auch weiterhin glauben, dass er eine direkte Folge von Talent darstellt. Da wir, dem meritokratischen Gedanken folgend, tendenziell natürlich lieber die talentiertesten Menschen mit wichtigen Aufgaben betreuen, stellen wir paradoxerweise sicher, dass talentiertere, aber vom Glück weniger bevorteilte Personen zusätzlich benachteiligt werden.

Zufall als Mittel zur Effizienzsteigerung

Interessanterweise hat das Forscherteam auch eine mögliche Lösung für das Problem parat. In einer weiteren Simulation haben sie überprüft, wie sich Gelder so verteilen lassen, dass sie am effektivsten genutzt werden. Hier haben die Modelle gewonnen, bei denen entweder jeder dieselbe Geldsumme erhielt oder in denen die Geldsumme an zufällig ausgewählte Teilnehmer gegeben wurde. Weit abgeschlagen blieben die Versuche, in denen die Summe ausschließlich an die erfolgreichsten Individuen vergeben wurde.

Da psychologische Faktoren bei der Simulation keine Rolle spielten, geben die Autoren jedoch zu bedenken, dass in der realen Welt unter Umständen ein gemischtes Modell die besten Ergebnisse erzielen könnte, auch wenn es in ihrer Simulation von dem rein egalitären und den rein zufälligen Modellen geschlagen wurde. Bei dem gemischten Ansatz wird ein Teil der Summe an die erfolgreichsten Teilnehmer vergeben, und kleinere Summen an den Rest. Dadurch, so die Forscher, bleibe ein Anreiz für mehr Leistung bestehen, während talentiertere Personen mit weniger Glück trotzdem die Chance bekommen, ihren Beitrag beizusteuern. Das Ergebnis wäre dann nicht nur fairer, sondern würde nicht zuletzt auch zu einer höheren Effizienz führen.

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