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Berliner Tesla-Taxifahrer gibt auf: „Das E-Auto lohnt sich nicht mehr“

Martin Doll vor seinem Tesla-Taxi in Berlin. (Foto: dpa)

Martin Doll war Berlins einziger Taxifahrer mit einem Tesla. Jetzt will er das Elektrofahrzeug wieder abgeben – wegen Problemen mit der Infrastruktur.

Um es als einer von mehr als 8.000 Taxifahrern in Berlin in die Presse zu schaffen, muss schon etwas Außergewöhnliches passieren. Martin Doll hat sich einfach einen Tesla angeschafft. Seit 2016 ist der 57-jährige mit dem Elektrofahrzeug in der Hauptstadt unterwegs – und damit nach eigenen Angaben eine Ausnahmeerscheinung.

Tesla-Taxi scheitert an zugeparkten Ladesäulen

Doch jetzt will Doll seinen geleasten Tesla wieder zurückgeben. „Das E-Auto lohnt sich nicht mehr“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Er klagt über zu wenig Ladesäulen und einen gestiegenen Strompreis. Hinzu kommt der schwierige Zugang zur E-Infrastruktur. „Die vielen Carsharer parken die öffentlichen Ladesäulen zu“, sagte Doll. Da vor kurzem dann auch noch die Ladekosten an öffentlichen Ladepunkten erhöht wurden, rechne sich die Tesla-Taxe unterm Strich nicht mehr für ihn.

Das war nicht immer so. Als sich Doll das Model S ursprünglich 2016 anschaffte, war es in der Preiskalkulation günstiger als ein Hybridfahrzeug. Er mietete das Fahrzeug von einem Vermögensverwalter und führte einen Schnelllade-Adapter mit. In einer Stunde Ladezeit, so berichtete er damals dem Branchenportal taxi-heute.de, könne er so den Strom für eine Schicht von rund 200 Kilometern tanken. Wegen der ständig blockierten Ladeplätze in Berlin sei das zuletzt jedoch schwierig geworden. „Wenn die Batterie alle ist, können private Nutzer zur Not noch in ein Taxi steigen“, so Doll. Er könne das nicht. Laut dem Berliner Senat waren zuletzt 415 Ladeeinrichtungen mit knapp 800 Ladepunkten verfügbar.

Ans Aufhören denkt Doll trotz der Schwierigkeiten übrigens nicht, im Gegenteil: Er will seine Taxi-Karriere in Berlin fortsetzen und dem Elektroantrieb zumindest noch eine Teilchance geben. Doll will jetzt auf ein Hybridfahrzeug umsteigen.

Mit Material von dpa

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4 Kommentare
Nostradamus
Nostradamus

Politiker, die Grüne und viele andere „Retter-der-Welt“-Fanatiker versuchen die E-Autos mit Brechstange in unsere Leben einzuführen. Dabei sie haben vergessen, dass nur die Schreie und Gewalt reichen nicht um die neue Mobilitätsart ins Leben zu bringen. Ich habe ein starker Eindruck, dass für solchen Aktionisten viel wichtiger ist sich selbst in Vorderplan zu setzen als für die Umwelt etwas tatsächlich zu tun. Das Problem zugeparkten Ladesäulen kann man mit einfachen Regeln lösen:
1. Ladesäule sind Energietankstellen und die als solches betrachten werden sollen, also, wie jede andere Tankstelle.
2. Tankstellen sind keine Parkplätze – Aufenthalt an der Tankstelle ist nur während Tanken erlaubt, nach Beendung das Auto muss weg! Für normale Autos Tankzeit ist ca. ein paar Minuten, für E-Autos maximal 30 Minuten.
3. Parkplätze sind keine Tankstellen – Parkplätze sind sowieso Mangelware und einigen wegzunehmen um Ladesäule zu installieren ist nicht zulässig. Das ist reine Gewalt gegen alle Fahrzeugsbesitzer. Wie für alle anderen Tankstellen, die E-Tankstellen müssen außerhalb Verkehrsflächen, wie Fahrbahn und Burgersteig, platziert werden, mit allen Sicherheitsmaßnahmen gegen Feuer und Stromschlägen.

So einfach ist das, kostet ein bisschen Geld, ist aber korrekt in allen Sinnen des Verkehrs.

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Silverbeard
Silverbeard

Ich finde es ziemlich naiv, wenn man als Geschäftsmann davon ausgeht, das der Strom an einer Ladesäule dauerhaft fast verschenkt wird. Darauf kann man keine Geschäftsidee aufbauen.

Ich würde von einem Taxiunternehmen erwarten, das erst einmal ein sicherer Stellplatz mindestens mit Wallbox (16kW) und ein dauerhaft günstiger Stromvertrag vorhanden ist, bevor ein E-Auto angeschafft wird. Da kann man den Wagen während der Pausen oder über Nacht wieder aufladen.

Abgesehen davon schafft ein Teslaakku mehrere 100km am Stück. Soviel fährt ein Taxi doch gar nicht pro Tag, das da ständig überall in der Stadt nachgeladen werden müsste.

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Fahrrad2019
Fahrrad2019

Prof. Dr. Dr. Dr. Dr. Dr. Silverbeard weiß mal wieder alles besser und dreht sich seine E-Autowelt wie Sie ihm am besten gefällt

:-DDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDD

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Silverbeard
Silverbeard

Ich weiss nicht ob ich mir alles zurechtdrehe. Mir ist nur bekannt, das es nicht unüblich ist in Berlin, völlig unüberlegt mit einer Idee selbstständig zu werden. Z.B. soll der eine oder die andere ziemlich überrascht worden sein, dass Steuern auf den Umsatz und Gewinn fällig sind. Oder das Selbstständige den Krankenkassenanteil des Arbeitgebers selbst zahlen müssen.

Das ein Lockpreis unterhalb der Selbstkosten (wie das bei diesen Ladesäulen der Fall war) nicht ewig bestehenbleibt, kann wohl auch nicht jeder verstehen, in Zeiten, wo Geiz geil ist.

Eine Sache hat Herr Doll aber auch gar nicht erwähnt. Einen Tesla mieten ist extrem teuer. Viel teurer als bei einem Mercedes etc.. Wenn ein Projekt so auf der letzten Rille gestrickt ist kann schon eine kleine Änderung der äusseren Umstände das Aus bedeuten.

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