Kolumne

Teile oder stirb! Warum wir wirklich so viele unserer Daten freiwillig preisgeben

(Foto: © voloshin311 / Shutterstock)

Beinahe sorglos verschenken wir unsere Daten an Google, Facebook und Amazon. Was für viele Menschen heute noch ihrem Mitteilungsdrang dient, könnte uns bald weniger lebendig machen.

Auf Google stellt man schnell fest, dass es Unkenrufe zum Ende des Datenschutzes schon seit Jahrzehnten gibt. Aber die Lage ist heute besonders paradox.

Das Vertrauen in Unternehmen ist generell auf einem Tiefpunkt, wenn man dem 2017-Edelman-Trust-Barometer Glauben schenken darf. Eine Umfrage von KPMG fand zudem heraus, dass sich 56 Prozent  der Befragten „besorgt“ oder „sehr besorgt“ zeigten über die Art und Weise, wie Firmen mit ihren Daten umgehen. Eine jüngste PwC-Studie ergab sogar, dass 79 Prozent der Online-Nutzer weniger bereit sind als noch vor einem Jahr, ihre Daten mit anderen zu teilen.

Jedoch folgen den Worten nur selten Taten. Die freiwillige Bereitstellung von persönlichen Daten hat entgegen aller Absichtserklärungen keinen Abbruch erlitten. Das Geschäft von digitalen Datensammlern- und Auswertern wie Amazon, Google oder Facebook boomt wie nie zuvor. Digitalen Assistenten wie Alexa flüstern wir unsere persönlichsten Daten nun sogar direkt ins Ohr. Warum?

3 Gründe, die auf der Hand liegen

Zum einen ist es unsere pure Ignoranz als Verbraucher. Viele von uns wissen einfach nicht, was mit unseren Daten geschieht, dass wir zum Beispiel Facebook das Recht zur übertragbaren, gebührenfreien und weltweiten Nutzung unserer persönlichen Fotos übertragen, wenn wir sie hochladen.

Zum anderen neigen wir, wie ja auch das Beispiel Klimawandel zeigt, zu kurzfristigem Denken und blenden die langfristigen Konsequenzen unseres Handelns aus. Da uns der Wert der oft als Interaktion getarnten Transaktion nicht unmittelbar bewusst ist, willigen wir wegen des augenblicklichen Nutzens oft allzu schnell ein. Die Folgen unserer impulsiven Online-Entscheidungen bleiben uns lange oder oft auch komplett verborgen.

Schließlich ist der Umgang mit unseren persönlichen Daten natürlich auch von den Werten verschiedener Generationen geprägt. Für Digital Natives wie zum Beispiel die Mitglieder der Millennials-Nachfolger Generation Z (geboren zwischen 1995 und 2015) ist es normal, ihre Daten freiwillig anzubieten. Sie sind damit aufgewachsen und nichts anderes gewohnt. Studien belegen, dass sie deswegen ihre sozialen Profile aber eben auch entsprechend bewusster managen und mit größerer Selbstverständlichkeit zwischen ihren diversen digitalen Identitäten wandeln.

Sehnsucht nach Unsterblichkeit

Unwissenheit, kognitive Muster und verschiedene Werte verschiedener Generationen – all dies sind einleuchtende rationale Erklärungen. Die eigentliche Triebfeder für unseren Datenteilungsdrang ist dennoch eine anderere: der Wunsch, uns durch das Datenteilen mitzuteilen. Dahinter steckt die Sehnsucht, Spuren zu hinterlassen, eine digitale Geschichte unseres Lebens, die uns überdauert und unsere persönlichen Daten unter Umständen sogar zu einem größeren algorithmischen Netz zusammenwebt. Im Grunde geht es dabei um den Evergreen unter den menschlichen Grundbedürfnissen: unseren Wunsch nach Unsterblichkeit.

Ob Quantified-Self-Apps, die unser Verhalten quantifizieren, um es zu optimieren, Life-Logging (also die kontinuierliche digitale Aufzeichnung des eigenen Lebens), oder ein Service wie Ghost Writer, der „algorithmische Autobiographien“ erstellt: Das freiwillige Teilen unserer persönlichen Daten entspringt unserer Sehnsucht danach, einen Feedback-Beweis zu haben für die eigene Existenz. Daten sind unsere Lebenszeichen. Data ergo sum.

Wir ahnen, dass wir wohl keine Wahl haben. Natürlich könnten wir uns entscheiden, ein völlig analoges Leben zu führen und uns der digitalen Gesellschaft zu entziehen. Dies kann allerdings in der sozialen Isolation enden und auch Karrierechancen mindern. Unsere Identitäten sind nunmal inzwischen zu einem Großteil digital.

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Ein Kommentar
ttt
ttt

„Allerdings sind wir nun vernetzter und kommunikativer als je zuvor, und doch einsamer und sozial isolierter. Vielen von uns fehlt echte menschliche Bindung…“ erinnert mich an die Voträge von Prof. Dr. Gerald Hüther, über Ersatzbebfriedigungen weil wir das was wir brauchen nicht bekommen.
(z..B. https://www.youtube.com/watch?v=M6EjBvAlw2U&feature=youtu.be&t=1245)

Antworten

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