Interview

Telekom-Geschäftsführer Hagen Rickmann: „Mittlerweile geht es bei uns auch ohne Krawatte“

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t3n.de: Wo müssen Sie besser werden?

Wir haben noch nicht alle Daten von unseren Kunden, wissen noch nicht, wie sie aufgestellt sind, über welche technologischen Gerätschaften sie verfügen. All das zu wissen ist aber der Anspruch, den wir brauchen. Wenn die Telekom mich anruft, dann muss sie wissen: Was mache ich beruflich, welche Verträge habe ich? Vielleicht auch: Was habe ich in den vergangenen Monaten möglicherweise im Shop gekauft? Habe ich ein iPhone oder ein Samsung-Smartphone? Wenn ich als Kundenbetreuer das alles weiß, dann habe ich eine andere Ebene der Kommunikation. In diesem Bereich können wir noch besser werden.

t3n.de: Das klingt einsichtig.

Natürlich könnte ich die rosarote Brille aufziehen und erzählen: „Es ist alles super bei uns, wir sind die Supermen!“ Das ist zwar in vielen Bereichen unseres Unternehmens so. Sonst wäre ich nicht Marktführer im Geschäftskundenbereich. Aber das reicht mir nicht. Und das ist die Botschaft. Außerdem tut ein Stück Demut dem Kunden gegenüber gut. Sonst werden wir behäbig, langsam und bequem. Und das ist dann der Anfang vom Ende, was ich verhindern möchte. Natürlich gibt es genug Erlebnisberichte über die Telekom, in denen wir nicht besonders gut wegkommen. Hier muss mein Anspruch sein, dass es solche Geschichten in Zukunft nicht mehr gibt.

t3n.de: In Ihrem aktuellen Rundschreiben, in dem Sie renitente Kunden auf die überfällige Umstellung auf die IP-Technologie einschwören, wirkt die Telekom sehr milde. Kann man Technologie-Nachzügler überhaupt für sich gewinnen?

Das ist unglaublich schwer. Ich persönlich habe diesen Brief mitformuliert, hin und her, rauf und runter. Man wird es nie allen recht machen. Einige verstehen es nicht oder wollen es nicht. Und sie lassen die Telekom wissen: „Ich mach‘ das nicht mit!“. Ich will jetzt hier nicht sagen, dass mir solche Nachzügler egal sind, auf keinen Fall.

„Ich kann natürlich nicht jeden einzelnen Kunden hinübertragen zum neuen technologischen Standard.“


Aber: Ich betreue knapp vier Millionen Geschäftskunden. Und irgendwann muss ich die IP-Technologie einmal durch die Maschine drücken. Und das probieren wir mit Engelszungen und mit Engelsbriefen. Vielleicht sind das aber auch die falschen Vokabeln. Zumindest versuchen wir es so gut wie möglich. Fakt ist aber: Ich kann natürlich nicht jeden einzelnen Kunden hinübertragen zum neuen technologischen Standard. Dieser Ritt auf der Rasierklinge wird uns noch die nächsten drei, vier Jahre begleiten.

t3n.de: Tatsächlich muss sich Deutschland beeilen, um nicht den Anschluss zu verlieren. Sie sprechen von der „ersten Halbzeit“, die Google, Apple und Konsorten gewonnen hätten, wie sie sagen. Kann man in der nun anstehenden „zweiten Halbzeit“ als Telekom oder auch als Deutschland überhaupt noch etwas reißen?

(Foto: t3n)

Ja. Wir haben hierzulande einen Riesenvorteil. Nämlich den Mittelstand, der 56 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet. Diese 1.700 „Hidden Champions“ weltweit, die da draußen unterwegs sind, haben Marktmacht. Das sind unsere Kunden, wir beliefern sie. Es geht um deutsche Konzerne wie eine Software AG oder eine SAP, aber auch viele kleinere.

Wir als Telekom müssen ihnen gegenüber eine hohe Zuverlässigkeit beweisen, wenn es darum geht, ihnen passende Produkte zu liefern. Gerne nenne ich da die profanen Beispiele Website und Webshop. Da sagen alle, das sei Kinderkram.

Stimmt nicht! Es ist eine Riesenherausforderung, eine Website oder einen solchen Onlineshop richtig gut und kundenfreundlich zu machen. Wenn wir als Telekom diesen deutschen Unternehmen durch digitale Technologien den Markt global erschließen, machen wir einen Riesenunterschied. In diesem Bereich können die Amerikaner nicht aufschließen.

t3n.de: Worum geht es ganz konkret?

Die direkte Kundeninteraktion ist immer noch eine Königsdisziplin. Und wenn man in dieser gut ist, als Mittelständler, aber auch als Lieferant, wie die Telekom einer ist, dann wird es möglich, den Endkunden zu überzeugen. Das meine ich mit „zweiter Halbzeit“. Wir müssen den Kunden so adressieren, dass er ein gutes Produkt als solches erkennt. Außerdem geht es natürlich darum, ein positives digitales Kauferlebnis oder Informationserlebnis zu kreieren.

t3n.de: Was, wenn Sie das nicht schaffen?

Dann entscheidet sich der Kunde für das zweitbeste Produkt, das vermutlich dann besser digital vermarktet, besser erreichbar oder besser erklärt ist. Aber es ist eben auch nur von zweitbester Qualität. Wir müssen es schaffen, mit unseren mittelständischen Kunden auf eine Ebene zu kommen, ihnen wichtige Prozesse zu ermöglichen und es ihnen einfach machen, ihre Produkte zu präsentieren. Denn der Weg, wie man als Kunde etwas kauft, wird immer entscheidender.

t3n.de: Sie als Telekom sind Infrastrukturanbieter. Welche Geschäfte laufen gut?

Das Thema Cloud hat im Bereich des Mittelstands die höchsten Wachstumsraten innerhalb der Telekom Deutschland. Mobilfunk ist auch eine Art von Infrastruktur. Sie zu integrieren wird auch immer wichtiger. Microsoft-Produkte gibt es bei uns jetzt aus der deutschen Cloud, das ist für viele Unternehmer wichtig. Daneben haben wir auch unsere eigene „Open Telekom Cloud“ (OTC).

t3n.de: Definieren Sie die Telekom einmal!

Lösungsanbieter sein ist unser Anspruch, unter Nutzung einer verlässlichen und sicheren Infrastruktur. Diese Kombination soll den Unterschied machen. Wenn wir dieses Projekt gut hinkriegen und es mit einem großen Partnernetzwerk vieler kleiner Unternehmen verbinden, haben wir in der „zweiten Halbzeit“ eine Riesenchance. Und die müssen wir deutsch-europäisch besetzen. Definitiv.

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Dein t3n-Team

Ein Kommentar
Bulls Hit
Bulls Hit

„Start-up Kultur“ jetzt auch bei der Telekom – zumal manchmal (also wenn der Kunde auch keine trägt) ohne Krawatte! Da lässt man das Angebot von Google & Co. doch gerne sausen. Ja, reflektiert denn dort niemand?

Antworten

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