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Kommentar

Tesla-Visionär: Elon Musk verkauft keine Autos, sondern Träume – das ist das Problem

Tesla-Chef Elon Musk bei der Übergabe der ersten Model 3 im Juli 2017. (Foto: dpa)

Elon Musk hat salopp auf Twitter angekündigt, dass er Tesla gerne privatisieren will. Er ist von den Auf und Abs und den kritischen Fragen der Börse sichtlich genervt. Schließlich will er nur eins: in Ruhe Träume verkaufen. Ein Kommentar.

Am Dienstag hat Elon Musk auf Twitter angekündigt, dass er darüber nachdenkt, Tesla zu privatisieren. „Überlege, Tesla für 420 [US-Dollar pro Aktie] wieder zu privatisieren. Finanzierung steht“, schrieb er. Tesla-Aktien wurden zu dem Zeitpunkt für ungefähr 340 Dollar am Nasdaq gehandelt. CEO Musk stellte mit dem Tweet also einen starken Kursgewinn in Aussicht – und schickte die Aktie damit auf eine so heftige Achterbahnfahrt, dass Nasdaq den Handel mit der Aktie TSLA zeitweise aussetzen musste. Erst gegen Abend wurde die Aktie wieder zum Handel freigegeben und schloss am Dienstag mit elf Prozent im Plus. Elon Musks Tweet wirft eine Menge Fragen auf. Weniger zur Firma Tesla selbst als zu ihm, als CEO: Ist er jetzt völlig verrückt geworden? Kann jemand mit so einem Temperament eine Firma leiten? Was würde das für den Autoproduzenten bedeuten? Und kann ein CEO so eine Nachricht einfach so mir nichts, dir nichts raustwittern? Bevor man sich ein Urteil über Musk bildet, sollte man sich bewusst machen, dass Tesla nicht wirklich ein Autokonzern ist. CEO Elon Musk verkauft mit Tesla Träume, keine Autos.

Musk verkauft keine Autos, er verkauft Träume

Zwar sind Teslas in der Startup-Szene so etwas wie das ultimative Status-Symbol. Aber nicht nur, weil sie von null auf 100 in drei Sekunden beschleunigen. Sondern vor allem, weil sie so schwer zu bekommen sind. Denn Tesla kriegt die Produktion nicht auf die Reihe. Geschweige denn ein sinnvolles Geschäftsmodell. Seit der Gründung der Firma im Jahr 2003 hat sie eigentlich noch keinen Gewinn abgeworfen. Ironischerweise ist Tesla über den Aktienhandel an der Börse mit einer Bewertung über 60 Milliarden Dollar trotzdem zu Amerikas wertvollstem Autobauer geworden. Und das muss man sich mal auf der Motorhaube zergehen lassen: Ein Autohersteller, der noch nicht ganz raus hat, wie man eigentlich Autos herstellt, und die Produktion seines neuen Modells in ein Zelt auslagern musste, hängt Ford ab. „The power of dreams“ passt als Slogan deutlich besser zu Tesla als zu Honda, finde ich.

Bis jetzt ist es auch das Geld von Gläubigern, das Tesla am Leben hält. Denn Musks Unternehmen hat grob zehn Milliarden Dollar Schulden und nur zwei Milliarden Dollar Reserven, schreibt die Washington Post. Für das Model 3, das gerade in einem Zelt zusammengeschraubt wird, haben übrigens 400.000 Kunden eine Vorauszahlung von jeweils 1.000 Dollar geleistet. Tesla hat also sogar 400.000.000 Dollar schulden bei seinen Kunden.

Die Börse träumt nicht gern

Träume an Investoren und Kunden zu verkaufen ist eine Sache. Träume tatsächlich an der Börse zu handeln, eine andere. Schließlich gibt es beim Aktienhandel an Börsen lauter Mechanismen und Institutionen, die verhindern sollen, dass dort heiße Luft verkauft wird. Die SEC ist so eine Institution, die amerikanische Börsenaufsicht. Oder die Analysten, die den CEO unangenehme Fragen stellen. Er solle nicht so „langweilige Holzkopf-Fragen“ stellen, hatte Elon Musk mal einen dieser Analysten beleidigt, der im Mai von ihm wissen wollte, wie es denn jetzt finanziell mit Tesla weitergehe. „Wir haben kein Interesse, die Wünsche von Day-Tradern zu befriedigen. Es könnte mir nicht egaler sein. Bitte verkauft unsere Aktien und kauft keine neuen.“ Die Händler nahmen ihn beim Wort und verkauften Aktien, der Kurs rutschte 5,6 Prozent ab.

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Elon Musk ist sichtlich genervt davon, wenn Leute ihm kritische Fragen stellen. Träume und kritische Fragen, das geht eben nicht gut zusammen. „Als öffentlich gehandelte Firma sind wir den wilden Schwingungen unseres Aktienpreises ausgesetzt. Das kann eine riesige Ablenkung für alle sein, die bei Tesla arbeiten“, schrieb Elon Musk in einem öffentlichen Statement kurz nach der Twitter-Ankündigung.

Keine Lust mehr auf Kopfschmerzen

„Ich glaube fest daran, das wir am besten sind, wenn wir alle mit der Ausführung beschäftigt sind, wenn wir uns auf unsere langfristige Vision fokussieren und wenn es keine perversen Anreize für Leute gibt, dem zu schaden, was wir hier alle erreichen wollen“, stand auch in der Erklärung. Später schob er auf Twitter hinterher, eine Privatisierung würde Tesla eine Menge Kopfschmerzen ersparen. Das ist sicherlich richtig. Denn genau dafür sind Analysten und die SEC und all das an der Börse ja da: Unternehmen genau auf die Finger schauen, den CEO Kopfschmerzen bereiten.

Wenn man Elon Musks Auftritte als Ganzes betrachtet, mit all den Mars-Kolonialisierungsfantasien, könnte man sagen, der Mann ist ein arroganter Exzentriker. Das ist auch weiterhin nicht schlimm. Aber wenn das zu offensichtlich ist, verträgt es sich nicht gut mit der Rolle als CEO einer börsennotierten Traumfabrik beziehungsweise eines Autobauers. Das hat Musk anscheinend auch gemerkt.

Man hätte daraus zwei Schlüsse ziehen können: 1. Der Autokonzern braucht einen anderen CEO. Einen, der vielleicht Gewinne erwirtschaftet oder dafür sorgt, dass nicht nur Schlagzeilen, sondern auch Autos produziert werden. Oder 2.: Der CEO bleibt, aber der Autokonzern muss sich ändern. Zum Beispiel privatisiert werden. Elon Musk bevorzugt offensichtlich die zweite Variante, der Autokonzern muss sich ändern.

„Tesla ohne Musk wäre wie Oz ohne den Zauberer“

Für Elon Musk selbst ist das ein schlauer Schachzug. Letztendlich hängen CEO von der Gnade der Aktionäre ab. Er hält nur 20 Prozent der Aktien. Es ist unklar, wie lange das so noch gutgehen würde. Und auch, was dann eigentlich mit Tesla passiert. „Tesla ohne Musk wäre wie Oz ohne den Zauberer“, hat ein New-York-Times-Kolumnist mal geschrieben. Wenn die Finanzierung für den Deal schon steht, wie Musk auf Twitter geschrieben hat, dann kann man davon ausgehen, dass die neuen Gläubiger sich gut mit ihm verstehen und wollen, dass Musk im Sattel bleibt.

Ja, eigentlich können mit der Privatisierung alle glücklich werden. Die Gläubiger, die ihm anscheinend helfen wollen Tesla zu privatisieren, sollten wissen, worauf sie sich einlassen. Für die gegenwärtigen Aktionäre sollte es auch ok sein. Sie hätten die Möglichkeit, ihre ohnehin überbewerteten Anteile mit einem saftigen Premium zu verkaufen. Musk kann mit seiner Traumfabrik weiterhin Träume produzieren, bis auch der letzte private Investor irgendwann abgesprungen ist. Die einzigen, die dann angeschmiert sind, wenn Tesla unkontrolliert den Bach runtergeht, sind die ca. 37.000 Angestellten. Wahrscheinlich würden die Angestellten von der Pleite dann auch auf Twitter erfahren. Aber das ist eine andere Geschichte.

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6 Reaktionen
Thomas Eschment

Was ist wohl der Unterschied zwischen Visionen und Beamten-Kommentaren?

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Ralf Bamert

Ich fahre seit einigen Jahren sehr konkret einen Traumwagen von Tesla und lade ihn auch regelmässig an Schnellladestationen auf in ganz Deutschland. Und 5000 Model 3 pro Woche sind einiges mehr als die deutsche Autoindustrie zurzeit an EV's herstellt.

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Leander Wattig

"Die Börse träumt nicht gern" -

Eigentlich nur zu gern. Zeigt ja nicht zuletzt das Beispiel. Träume werden eingepreist.

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Patrice S.

Sehr erstaunlich dieser Artikel, vor allem dass die Modelle X und S sofort und an Lager lieferbar sind. Dass das Model 3 aktuell noch nicht lieferbar ist kann auch auf andere intervenierende zurückzuführen und Industriespionage, nicht nur auf Musk.

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Ulrich Schmitz

Kann es sein, dass der Autor des Beitrags Träume und Visionen verwechselt hat? Musk hat Visionen, und Visionen werden von der Börse honoriert. Träume sind etwas völlig anderes. Was aktuell bei Tesla abläuft, hat meiner Meinung nach andere und weniger esoterische Gründe. Dabei geht es beispielsweise um handfeste Dinge wie die vierteljährliche Berichtspflicht, der sich Musk entledigen möchte.

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Alexander Heuwinkel

Naja, ich gebe dem Autor überhaupt nicht recht. Visionen klappen nur bei Aktienunternehmen, denn die können dem Aktieninhaber Träume und Geschichten als Provit verkaufen!
Ich glaube privat geführte Unternehmen werden weitaus seriöser und wirtschaftlich sicherer geführt als Aktienunternehmen. Hätten letztere nicht das riesige Kapital das Sie durch Storytelling und Fantasie erzeugen, würden die Börsenkurse sich nie so wahnsinnig entwickeln wie sie es seit Einführung dieser Handelsplatform getan haben.
Es gibt Ausnahmen wie Amazon die (aktuell) wirklich wahnwitzige Gewinnmargen machen aber bei vielen börsennotierten Unternehmen ist der "Schein" das einzige aber so lange sie keine Gewinne machen hat ein solches Unternehmen für mich auch nichts erreicht. Geld rausschmeißen kann jeder, Gewinne machen ist eine Kunst!

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