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Tesla und Walmart: Klage wegen brennender Photovoltaik-Anlagen

Solarcity-Mitarbeiter installieren eine Solaranlage in Kalifornien. Walmart wirft Teslas Solar-Tochter schwerwiegende Versäumnisse vor. (Foto: Shutterstock/Jennie Book)

Schlecht gewartete Solaranlagen sollen auf sieben Supermarkt-Dächern Feuer ausgelöst haben. Jetzt bringt Walmart die Angelegenheit vor Gericht.

Walmart verklagt Tesla und deren 2016 übernommene Tochter Solarcity wegen Problemen mit Solaranlagen auf Dächern von Walmart-Filialen. Anlass sind sieben Brände, die durch fehlerhafte Photovoltaik-Anlagen ausgelöst worden sein sollen. Das geht aus Gerichtsunterlagen hervor, die am Dienstag beim Obersten Gerichtshof von New York eingereicht worden sind. In dem 114 Seiten umfassenden Dokument bezichtigt Walmart seinen Geschäftspartner Tesla des Vertragsbruchs und fordert ihn auf, Schadensersatz zu zahlen und sämtliche Solarplatten zu entfernen.

Dem Dokument zufolge hat Tesla Dachfläche auf 244 Walmart-Filialen gemietet, um darauf Photovoltaik-Anlagen zu betreiben. Der Supermarktkette habe Tesla dies als sichere, zuverlässige und umweltfreundliche Methode präsentiert, die eigenen Stromkosten zu reduzieren. Sämtliche Verantwortung für die Wartung und den sicheren Betrieb der Solarplatten habe vertragsgemäß bei Tesla gelegen, doch das Unternehmen habe jahrelang auf grob fahrlässige Weise die Industriestandards nicht eingehalten, heißt es in der Begründung der Klage.

Walmart erhebt schwere Vorwürfe

Das Dokument schildert drei Brände, die zwischen März und Mai 2018 auf den Dächern von Supermärkten ausgebrochen waren und teils zu Schäden am Gebäude und weiteren wirtschaftlichen Schäden im Umfang von mehreren Millionen US-Dollar geführt hatten. Am 31. Mai 2018 habe Walmart von Tesla gefordert, die Solarplatten auf seinen Filialen vom Netz zu nehmen, worauf Tesla eingegangen sein soll. Trotzdem sei im November 2018 ein weiteres Feuer auf dem Dach einer Walmart-Filiale in Yuba City in Kalifornien ausgebrochen. Zusammen mit drei weiteren Bränden, die sich seit August 2012 ereignet haben sollen, seien insgesamt sieben Gebäude betroffen gewesen.

In Folge der Feuer hätten Sachverständige gemeinsam mit Personal von Tesla die Solaranlagen auf verschiedenen Dächern inspiziert und dabei festgestellt, dass es zu „umfassender, systematischer Vernachlässigung“ gekommen sei. So habe es bei verschiedenen Anlagen Mikrorisse, überhitzte Bereiche, verschlissene Kabel und fehlerhafte Kabelverbindungen gegeben. Viele Defekte seien mit dem bloßen Auge sichtbar oder bei sachgemäßer Verwendung der üblichen Ausrüstung zu finden gewesen. „Walmart hat schnell herausgefunden, dass Tesla regelmäßig Individuen für die Inspektionen einsetzte, denen grundlegendes Training und Wissen im Solarbereich fehlte“, heißt es in der Anklageschrift.

Weil die beiden Unternehmen sich in einer langen Korrespondenz über grundlegende Punkte nicht haben einigen können, will Walmart die Angelegenheit nun vor Gericht klären. Walmart fordert, dass Tesla dazu verpflichtet werden soll, alle verbleibenden Solaranlagen auf Walmart-Filialen zu entfernen und dem Unternehmen Schadensersatz zu zahlen.

Tesla will Solargeschäft wiederbeleben

Die Klage kommt für Tesla zu einem ausgesprochen ungünstigen Zeitpunkt. Erst am Sonntag hatte Elon Musk auf Twitter den Relaunch von Tesla Solar bekanntgegeben und ein Mietprogramm für Solarplatten beworben, das in mehreren US-Staaten ab sofort verfügbar ist. Nächstes Jahr solle es nach Europa expandieren. Eigentümer können ab 50 Dollar im Monat und ohne festgelegte Vertragslaufzeit Solarplatten für ihr Haus mieten. Musk verglich das Angebot mit einem „Gelddrucker auf dem Dach“ in Staaten mit hohen Stromkosten.

Der Vorstoß wird von vielen Branchenkennern als Versuch gewertet, Teslas vernachlässigtes Solargeschäft wieder anzukurbeln. Seit der Übernahme von Solarcity war die Anzahl der Neuinstallationen um mehr als 85 Prozent gesunken, außerdem hatte Tesla das Elektro-Auto Model 3 bei der Produktion deutlich gegenüber der Solartechnik priorisiert. Hinzu kamen drastische Sparmaßnahmen beim Marketing für Solarprodukte und Lieferschwierigkeiten bei dem schon 2016 von Musk angekündigten Solarschindel-System Solar Roof.

Die Kontroverse um Tesla und Solarcity

Tesla hatte Solarcity im November 2016 durch einen Aktienkauf in Höhe von 2,6 Milliarden Dollar komplett übernommen. Die Entscheidung war damals schon kontrovers, weil Solarcity hohe Schulden hatte und ausgerechnet Elon Musk mit mehr als 22 Prozent der Aktien größter Anteilseigner war. Hinzu kamen verschiedene Überschneidungen und persönliche Verbindungen zwischen den Leitungsebenen beider Firmen.

Musk versprach sich für Tesla ein Komplettpaket inklusive Photovoltaikanlagen, Speichertechnologie und Elektro-Autos und große Einsparungen durch Synergien. Doch auch in wirtschaftlicher Hinsicht galt die Übernahme wegen der hohen Schulden Solarcitys als Risiko für Tesla.

Auch Walmart äußert harsche Kritik an Teslas Übernahme von Suncity und stellt das wirtschaftliche Modell des Solarunternehmens infrage. Solarcity habe darauf gesetzt, so schnell wie möglich eine große Anzahl an Anlagen zu installieren und dabei die Qualität nicht sicherstellen können, heißt es in der Klage.

Walmart und Tesla haben sich noch nicht öffentlich zum Rechtsstreit geäußert und die Angelegenheit auch noch nicht gegenüber der Presseagentur Reuters und anderen Medienvertretern kommentiert.

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