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Kommentar

Theranos: Warum wir auch künftig Investitionen in verrückte Startup-Ideen brauchen

(Screenshot: Tedmed/Youtube)

Investoren haben einst Millionen in das Startup Theranos investiert – jetzt ist das Geld futsch. Trotzdem braucht es auch künftig Menschen, die an verrückte Ideen glauben. Ein Kommentar. 

Es wäre jetzt einfach zu schreiben, dass sich die Investoren eben hätten besser informieren müssen. Dass sie nicht alles hätten glauben dürfen, was Elizabeth Holmes ihnen erzählte. Dass sie die Methode der Bluttests ihres Startups Theranos genauer hätten prüfen müssen. Dass sie die Labore hätten regelmäßig testen müssen. Dass sie sich nicht vom Auftreten und von den Versprechungen der Gründerin hätten blenden lassen sollen.

Natürlich wäre das berechtigt. Bei Theranos ist einiges falsch gelaufen, Elizabeth Holmes hat betrogen, das hat die US-Börsenaufsicht am Donnerstagabend klar formuliert. Bei den Risikokapitalgebern ist einiges falsch gelaufen, sie haben sich von potenziellen Hockeystick-Prognosen blenden lassen, statt die Fakten zu überprüfen. Bei den Medien ist einiges falsch gelaufen, sie haben eine Schwindlerin zur Ikone heraufbeschworen (bis das Wall Street Journal mit der Aufdeckung des Skandals zumindest ein bisschen Ehrenrettung betrieb). Noch lange wird der Fall Theranos als Negativbeispiel für Betrug in der Startup-Szene stehen.

Man könnte jetzt noch anmerken, dass das Silicon Valley, die Risikokapitalgeber, vielleicht auch gleich die gesamte Startup-Szene, hoffentlich aus diesem Fall lernen und sich stärker um Inhalte kümmern werden, als sich von Steve-Jobs-Wannabes blenden lassen. Dass endlich allen ein Licht aufgeht, die blind Geld auf Ideen werfen. Dass die Risikokapitalgeber etwas vorsichtiger mit gehypten Unternehmen umgehen sollten.

Der Fall Theranos darf Investoren nicht hemmen

Wer solche Forderungen äußert, sollte sich allerdings mit dem Begriff Risikokapital auseinandersetzen. Wie das Wort schon beschreibt, geht es explizit um ein Investment, dessen Folgen der Geldgeber nicht absehen kann. Wenn ein Investor an einer Finanzierungsrunde eines jungen Unternehmens teilnimmt, dann kann er nicht wissen, ob die Firma erfolgreich ist. Er kann sich die Idee anhören, er kann die Plausibilität untersuchen, vielleicht – wenn schon Umsätze da sind – den ungefähren Wert einer Firma kalkulieren. Damit lässt sich das Risiko eines Investments berechnen. Die Zukunft kann er damit jedoch nicht vorhersagen.

 Innovationen brauchen immer Risiko.

Nur mit Mut entstehen neue Ideen. Wenn ab jetzt alle Kapitalgeber nur noch vorsichtig investieren, nur noch auf wirklich solide Geschäftsmodelle setzen, dann werden Innovationen auf der Strecke bleiben. Innovationen brauchen immer Risiko. Wenn etwas komplett Neues entstehen soll, dann muss jemand an eine Idee glauben. Er kann sie mit Fakten unterfüttern, indem er Marktanalysen beauftragt, die Zielgruppe befragt, einen Businessplan aufstellt. Aber er wird nie wissen, ob er damit richtig liegt, wenn er es nicht ausprobiert.

Genau dafür braucht es Risikokapitalgeber. Vor dem Börsengang von Facebook – und auch danach – unkten Analysten, dass das soziale Netzwerk ja nicht mal Gewinne abwerfe, dass die Aktien nicht so viel wert seien, wie es der Preis suggeriere. Vor dem Börsengang von Zalando beschwerten sich die deutschen Medien unisono über die roten Zahlen (die Autorin dieses Artikels zählte übrigens auch dazu). Aber über die Zeit sollten die Gründer und die Investoren recht behalten – heute gelten sowohl Facebook als auch Zalando als Vorzeigebeispiele für eine neue Generation von Startups.

Wenn Theranos den Bluttest wirklich hätte vereinfachen können, dann wäre das nicht weniger als eine medizinische Revolution gewesen. Wer also nach dem Fall des Unternehmens die Investoren oder gleich die ganze Startup-Szene verteufelt, der macht es sich zu einfach. Das heißt nicht, dass wir jede Idee abfeiern sollten – eine skeptische Grundhaltung schadet nicht und erweist sich bei vielen Firmen als begründet. Aber Investoren müssen weiter Risiken eingehen. Dazu gehört auch das Risiko eines Totalverlustes.

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