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Thomas Bachem im Changerider: „Die Code University als kleines Stanford in Europa“

(Screenshot: t3n)

Mit dem Videoformat Changerider wollen Philipp Depiereux und t3n den Menschen die Angst vor der Digitalisierung nehmen. Der aktuelle Interviewgast: Thomas Bachem.

In der neuen Folge des Video- und Podcastformats von Etventure-Gründer Philipp Depiereux sitzt diesmal Thomas Bachem, Gründer der Code University, der ersten Privat-Hochschule für Software-Entwickler in Deutschland, im Tesla. Auf der Fahrt erzählt er, mit welcher Vision er eine eigene Hochschule gegründet hat, warum es gut ist, seinem Bauchgefühl zu vertrauen und wieso auch er mal Termine verschläft.

Ideen für eigene Gründungen haben viele. Doch um eine eigene Hochschule zu gründen, braucht es schon etwas mehr Mut. Thomas Bachem hat sich gefragt, warum es eigentlich so viele Business-Schools für Betriebswirtschaftslehre gibt, aber nicht für Technologie – keine Tech-Schools. Getreu dem Motto „einfach mal machen“ ist der 33-Jährige heute Kanzler und Gründer der Code University in Berlin. „Ehrlich gesagt hat sich die Entscheidung für mich sehr natürlich angefühlt, weil sie sehr verwoben mit meiner eigenen Lebensgeschichte ist. Ich bin seit früher Jugend Software-Entwickler und habe mir durch die Begeisterung für Computer das Programmieren einfach selbst beigebracht.“ Der Gründer lernte das Programmieren bereits als 12-Jähriger – heute ist er Serial Entrepreneur und Business-Angel.

„Wir ziehen Pioniere an, Menschen, die anders denken, und Bock auf etwas anderes haben“

Wie gründet man also eine Hochschule? Wie jeder Gründer begann Thomas Bachem damit, für sein Uni-Startup Wagniskapital einzusammeln. Er wollte aber nicht nur Geldgeber finden, sondern gleichzeitig die Glaubwürdigkeit des Projekts steigern. Es gelang ihm, 25 namhafte Unternehmer an Bord zu holen, die insgesamt rund fünf Millionen Euro beigesteuert haben: darunter der Gründer von Trivago, Rolf Schrömgens, Florian Heinemann von Project A, Heinrich Blase von Check 24, Verena Pausder, Gründerin der Haba Digitalwerkstatt oder der Initiative Startup Teens, Business-Angel Christian Vollmann und weitere – sie alle glaubten an seine Vision. „Wir wollten von Anfang an ein sehr innovatives Konzept umsetzen. Dafür brauchten wir unsere Business-Angels nicht nur zur Finanzierung, sondern auch, um die Ernsthaftigkeit zu vermitteln.“ Durchhaltevermögen und gute Nerven sind aber auch wichtig. „Die Konzeptprüfung läuft über das Bundesland und den Wissenschaftsrat. Wir haben einen knapp 150-seitigen Antrag in achtfach gedruckter Fassung eingereicht. Der Wissenschaftsrat hat sich dann knapp zehn Monate Zeit genommen und uns zwischendurch noch einmal angehört.“ Am Ende hat alles geklappt. Im Juli 2017 kam die staatliche Anerkennung. Über 2.000 Bewerbungen gingen ein, 88 Bewerber erhielten eine Zusage. „Die Studierenden sind insbesondere deshalb zu uns gekommen, weil wir ein anderes Konzept haben, weil wir glaubhaft darstellen konnten, dass wir das aus aus der Mitte der Startup-Szene tun, was keine andere Hochschule in diesem Umfang bieten kann. Dadurch ziehst du die Pioniere und Andersdenker an“, so Bachem. Auf dem Lehrplan? Software-Engineering, Interaktionsdesign und digitales Produktmanagement. Ziel ist es in zwei bis drei Jahren mindestens 600 bis 700 Studierende zu haben.

„Manchmal hätte ich einfach stärker auf mich selbst hören müssen“

Der Gründer ist aber nicht von der Uni an die Uni gewechselt: Noch während seines Studiums gründete der damals 19-Jährige das Videoportal Sevenload, das er im Jahr 2010 an Hubert Burda Media verkaufte. Anschließend gründet er das Unternehmen United Prototype und entwickelte das Social Game Fliplife, das im Jahr 2012 in Form eines Talent-Exits durch Kaisergames übernommen wurde. Schließlich will er seine Stärke – das Programmieren – wieder als Hobby aufleben lassen und entwickelt einen Online-Editor, Lebenslauf.com, der 2014 an Xing verkauft wird.

Seine Erfahrungen aus dieser Zeit sind ihm heute oft wegweisend. „Manchmal hätte ich einfach stärker auf mich selbst hören müssen. Ich habe oft sehr viel Wert auf die Meinung anderer gelegt und dachte, die werden schon wissen, wie es geht. Am Ende stellte sich raus, dass die auch nicht mehr wissen. Die haben es in dem Moment nur glaubhafter rübergebracht. Das ist auch ein Prinzip von mir geworden: Die anderen kochen auch nur mit Wasser und deswegen mache ich dann auch sowas, wie eine Hochschule zu gründen. Ich habe mir abgewöhnt vor irgendetwas zu viel Respekt oder Angst zu haben. Eine Hochschule zu gründen, klingt erstmal sehr komplex, aber wenn die anderen das irgendwie hinbekommen, dann bekomme ich das selbst auch hin“, so der Gründer, „nothing is too big!“

Scheitergeschichte? „So richtig hart auf die Schnauze gefallen bin ich noch nie in meinem Leben.“ Und passiert Thomas Bachem mal etwas peinliches? „Ich hatte mal ein Live-Interview-Termin bei NTV und dann habe ich verschlafen, selbstverschuldet verschlafen. Ich bin erst kurz vorher aufgewacht und wusste, dass ich es auf keinen Fall schaffen würde. Dann habe ich schnell angerufen und meinte ich stehe im Stau. Tatsächlich habe ich für denselben Tag einen neuen Live-Slot bekommen. Solche Momente habe auch ich immer mal wieder. Man hat als Gründer immer diese ganzen Verpflichtungen, aber am Schluss bin ich eben auch nur ein Mensch.“

Weitere spannende Themen im Changerider-Gespräch mit Thomas Bachem sind Bildung und sein Blick auf das Bildungssystem („Ist das gesamte didaktische Modell in Schulen nicht stark überholungswürdig?“), was Gründer*innen erfolgreich macht („Do things that don’t scale.“) sowie deren Scheitergründe, die Sorge, dass es keine große Digitalunternehmen in Deutschland gibt, und das Momentum von Berlin. Das ausführliche Gespräch findet ihr im Changerider-Podcast.

Für eine weitere Fahrt im Changerider nominiert der Gründer Anne Riechert, Mitgründerin und Geschäftsführerin der Redi School of Digital Integration und seinen alten Freund Rolf Schrömgens von Trivago.

Ihr kennt ebenfalls Querdenker, Gamechanger und unermüdliche Optimisten, die für den digitalen Wandel einstehen? Nominiert sie als Changerider-Mitfahrer!

Diese und alle weiteren Folgen sind als Video oder ausführliches Gespräch im Podcast bei iTunes, Soundcloud und Spotify verfügbar.

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