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Tiktok-Nutzerin umgeht China-Zensur per Makeup-Tutorial – und geht viral

Mit der Wimpernzange in der Hand spricht Feroza Aziz über die Gefängnislager der chinesischen Regierung. (Screenshot: t3n)

„Leg die Wimpernzange jetzt wieder hin und schau mit dem Telefon nach, was gerade in China passiert.“ So überlistet eine Tiktok-Nutzerin die Zensur des Netzwerks und geht mit dem Video viral – auf allen Kanälen.

Das Tiktok-Video von Nutzerin Feroza Aziz beginnt wie eines der unzähligen Schmink-Tutorials auf der chinesischen Video-Plattform Tiktok: „Als erstes nimmst du deine Wimpernzange und formst damit – offensichtlich – deine Wimpern.“

Aber während die junge Frau mit der Wimpernzange hantiert, wechselt sie nach ein paar Sekunden abrupt das Thema: „Leg die Wimpernzange jetzt wieder hin und schau mit dem Telefon nach, was gerade in China passiert.“ Dann beschreibt Feroza Aziz – immer noch die Wimpernzange in der Hand –, wie sie die Situation der muslimischen Minderheit der Uiguren in China sieht: Sie spricht von Konzentrationslagern, Menschenrechtsverletzungen und Familien, die entzweigerissen werden.

Tiktoks Zensur: Ausgetrickst

Feroza Aziz’ Video über die kritische Situation der muslimischen Minderheit in China geht anschließend viral – auf einem chinesischen sozialen Netzwerk. Getarnt als Makeup-Tutorial scheint sie die Zensur auf Tiktok ausgetrickst zu haben.

Die Kurzvideo-Platform ist in letzter Zeit enorm gewachsen und vor allem bei Teenagern beliebt. Vor kurzem begannen sogar Jan Hofer und das Team der Tagesschau, Tiktok zu nutzen. Dabei gehört die Plattform dem chinesischen Techriesen Bytedance. In den vergangenen Monaten wurde immer öfter berichtet, Tiktok würde Nutzer zensieren – zum Beispiel wenn es um für China kritische Themen geht, wie das Tiananmen-Massaker oder die Situation der Uiguren in China.

Besonders auffällig war dieser Zensur-Filter beispielsweise bei dem Hashtag „Hongkong“: Auf Twitter führt #Hongkong zu Bildern von Protesten, Polizei und Barrikaden. Auf Tiktok führte #Hongkong zu Fotos von Essen und Menschen, die kleine Tänze aufführten.

Dabei war Zensur auf Tiktok oft nicht so eindeutig wie auf anderen sozialen Netzwerken. Statt einen Post zu löschen oder einen Nutzer zu sperren, behielt sich Tiktok vor, einfach unbemerkt die Reichweite eines kritischen Posts einzuschränken. So wirkt es für den Nutzer, als interessierte der kritische Post schlicht niemanden. Das zumindest ging aus den geleakten Moderationsrichtlinien des Netzwerks hervor.

Gerade jetzt sind neue Dokumente über Internierungslager für Uiguren in China ans Licht gekommen. Xinjiang-Papers heißen sie in der englischen Presse, von einem chinesischen Gulag-System spricht der Spiegel. Vor diesem Hintergrund scheint es Nutzerin Feroza Aziz nicht nur gelungen zu sein, die Zensur auf Tiktok mit dem Schminkvideo-Trick zu umgehen. Sie hat damit auch einen viralen Hit gelandet. Laut einem Post auf Twitter hat Tiktok sie jetzt jedoch für einen Monat gesperrt.

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