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Gadgets & Lifestyle

Todo.txt: Geniales To-Do-Listen-Tool für Kommandozeilenliebhaber

Todo.txt wird über die Kommandozeile gesteuert. (Screenshot: todotxt.com)

Schneller und einfacher geht es nicht: Todo.txt bietet eine To-Do-Listen-Verwaltung über die Kommandozeile. Wir stellen euch das flexible und schier unendlich erweiterbare Tool vor.

Was ist schneller: Maus oder Tastatur?

Bruce Tognazzini, Apple-Mitarbeiter Nummer 66, hat in den 80er-Jahren untersucht, ob Nutzer schneller mit der Maus oder mit der Tastatur arbeiten können. In seinem Buch „Tog on Interface“, das 1989 erschienen ist, erläuterte er die Ergebnisse:

  • Test subjects consistently report that keyboarding is faster than mousing.
  • The stopwatch consistently proves mousing is faster than keyboarding.

Eine Frage der Perspektive also, so scheint es. Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Begegnungen mit Linux-Nutzern, die mir damals von der Arbeit mit der Konsole vorgeschwärmt haben. Schneller, mächtiger, flexibler sollte sie sein. Ich, gewöhnt an die Maus und grafische Benutzeroberflächen, wollte das damals nicht glauben. Bis ich es ausprobiert habe.

Seitdem weiß ich, wie viele Aufgaben sich überhaupt mit der Konsole erledigen lassen. Und ich würde ziemlich sicher zu der Gruppe gehören, von der Tognazzini schreibt: „Test subjects consistently report that keyboarding is faster than mousing.“

Todo.txt verwaltet alle Tasks über eine simple Text-Datei

Als ich vor einiger Zeit meinen Facebook-Account gelöscht und mich intensiv mit dem Thema „Reclaim your data“ beschäftigt habe, habe ich auch nach einer alternativen To-Do-App gesucht, mit der ich auf der einen Seite meine Aufgaben verwalten konnte, die ich aber auch auf meinem Webspace hosten kann. Chandler hatte ich schon mal für den Überblick „To-Do-Software: 10 Tools, um Aufgaben zu verwalten“ unter die Lupe genommen, wusste deshalb aber auch, dass mir hier die Apps für Smartphone und Tablet fehlen würden. Auch das auf RubyOnRails basierende Tracks kannte ich, auch hier aber hätte ich auf die Apps verzichten müssen.

Vor kurzem dann bin ich auf GitHub über eine Lösung gestolpert, deren Grundidee mich von der ersten Sekunde an begeistert hat: Todo.txt, entwickelt von der New-Yorkerin Gina Trapani. Der Name bei diesem Tool ist Programm: Todo.txt verwaltet alle Tasks über eine simple Text-Datei.

Simple und intuitive Befehle

Die Basis von Todo.txt ist dabei ein Shell-Script, das schnell und einfach installiert werden kann. Nach dem Download des Pakets (Mac-Nutzer bekommen das Tool mit brew install todo-txt auch als Homebrew- oder mit port install todotxt als MacPorts-Paket) müsst ihr eigentlich nur die Skript-Datei ausführbar machen:

chmod +x todo.sh

Anschließend ist Todo.txt grundsätzlich einsatzbereit. Das kleine Skript speichert alle Tasks, die ihr anlegt, in einer Text-Datei namens todo.txt, die ihr an einem beliebigen Ort ablegen könnt. Den Pfad dafür legt ihr in der todo.cfg in den folgenden Zeilen fest:

# Your todo.txt directory
export TODO_DIR=/Pfad/zum/Todo/Verzeichnis/
export TODO_DIR=`dirname "$0"`

# Your todo/done/report.txt locations
export TODO_FILE="/Pfad/zur/todo.txt"
export DONE_FILE="/Pfad/zur/done.txt"
export REPORT_FILE="/Pfad/zur/report.txt"

Erledigte Aufgaben werden in die Datei done.txt verschoben. Dafür kann Todo.txt mit simplen und intuitiven Befehlen arbeiten. Erst einmal aber funktioniert das Anlegen einer Aufgabe über:

./todo.sh add "Neue Aufgabe"

Weniger tippen müssen: Kurzbefehle zum Anlegen von Tasks

Damit sich aus einer einfachen Textliste jedoch wirklich ein funktionierendes To-Do-Tool machen lässt, bietet Todo.txt etliche Möglichkeiten der Konfiguration. Eine der vielleicht wichtigsten: von überall auf die todo.sh zugreifen zu können und damit eure To-Do-Liste von jedem Verzeichnis aus zu erreichen. Dazu ergänzt ihr in der Datei .bashrc (beziehungsweise in der ~/.bash_profile) die folgende Zeile:

PATH=$PATH:"/Pfad/zu/deinen/Todo/scripts"

Solltet ihr mit der Z-Shell und nicht mit der Bash arbeiten (was ich dringend empfehle), müsst ihr diese Zeile natürlich in der .zshrc beziehungsweise in der .zsh_profile ergänzen und leicht anpassen:

PATH=$PATH/Pfad/zu/deinen/Todo/scripts

Genauso sinnvoll ist es, einen Kurzbefehl zum Anlegen von Tasks zu erstellen, mit dem ihr euch das lästige Eintippen von ./todo.sh erspart. Dazu tragt ihr in die selben Dateien die folgenden Zeilen ein:

export TODOTXT_DEFAULT_ACTION=ls
alias t='todo.sh -d /Pfad/zu/deiner/todo.sh'

Jetzt könnt ihr von jedem Verzeichnis aus mit der Eingabe t eure To-Do-Liste anzeigen lassen.

Ein simples „t“ in der Konsole spuckt euch eure Tasks aus. (Screenshot: t3n)
Ein simples „t“ in der Konsole spuckt euch eure Tasks aus. (Screenshot: t3n)

Todo.txt: Die wichtigsten Befehle

Für eure Aufgaben bietet Todo.txt jetzt eine ganze Reihe kurzer Befehle, mit denen ihr arbeiten könnt und die ihr jeweils an das t anschließt. Der wichtigste Befehl lautet add, er fügt eine Aufgabe zur todo.txt hinzu. Beispiel:

t add Neue Aufgabe

Aufgaben könnt ihr neben der Beschreibung auch eine Priorisierung sowie einen Kontext und ein Projekt zuweisen. Ein Beispiel:

t add "(A) Neue Aufgabe @office +events"

Dieser Befehl erstellt eine neue Aufgabe mit dem Titel „Neue Aufgabe“, die – ihr ahnt es schon, die Priorität A bekommt und dem Kontext „office“ sowie dem Projekt „events“ zugewiesen wird. Für die Aufgaben arbeitet Todo.txt mit einer Nummerierung, die auf den Zeilen der todo.txt-Datei basiert. Die erste Aufgabe landet in Zeile 1 und bekommt dementsprechend auch die Nummer 1, die zweite Aufgabe bekommt die Nummer 2 und so weiter. Weitere wichtige Befehle sind:

del – Löscht eine Aufgabe mit Angabe der Nummer. Beispiel:

t del 1

depri – Entfernt die Priorisierung einer Aufgabe. Beispiel:

t depri 1

do – Erledigt eine Aufgabe und verschiebt sie in die done.txt. Beispiel:

t do 1

ls – Listet alle Aufgaben eines bestimmten Kontexts oder Projekts auf. Beispiele:

t ls @office
t ls +events

Einen Überblick über alle Befehle bekommt mit ./todo.sh help.

Farben für Prioritäten, Projekte und Kontexte

Um verschiedene Prioritäten besser auseinanderhalten zu können, gibt es mit Hilfe eines Zusatzskripts auch noch die Möglichkeit, Farben für jede Priorität festzulegen, für Terminals, die 256 Farben unterstützen, auch mit High-Color-Support. Diese Farben könnt ihr in der todo.cfg festlegen. Die Standard-Farben werden im Bereich „Color Map“ mit ANSI-Escape-Codes definiert, beispielsweise mit export YELLOW='\\033[1;33m'. Einer Priorität diese Farbe zuzuordnen, funktioniert beispielsweise über export PRI_A=$YELLOW.

Um jetzt noch Projekte und Kontexte in anderen Farben darzustellen, braucht ihr dieses Skript, das ihr als todo_ff.sh im selben Verzeichnis abspeichert. In der todo.cfg fügt ihr dann noch die Zeile

export TODOTXT_FINAL_FILTER='/Vollständiger/Pfad/zur/todo_ff.sh'

hinzu und definiert die Farben in der todo_ff.sh (beispielsweise) folgendermaßen:

export COLOR_CONTEXT=$LIME
export COLOR_PROJECT=$MINTGREEN

Jetzt werden eure Tasks, Projekte und Kontexte in den festgelegten Farben dargestellt.

Ein Beispiel für die Darstellung verschiedener Prioritäten, Kontexte und Projekte mit Todo.txt. (Screenshot: t3n)
Ein Beispiel für die Darstellung verschiedener Prioritäten, Kontexte und Projekte mit Todo.txt. (Screenshot: t3n)

Todo.txt: Arbeiten mit ownCloud, Dropbox und WebDAV

Als wirklich vollwertiges To-Do-Tool erweist sich Todo.txt aber erst, wenn die Dateien dafür auf einem Server liegen, auf den ihr von überall zugreifen könnt. Dafür bietet Gina Trapani Anleitungen für ownCloud und WebDAV, wenn ihr Todo.txt mit eurem Dropbox-Account nutzt, gibt es auch eine iPhone- und eine Android-App, mit der ihr eure Tasks verwalten könnt. Dass diese Apps keine ownCloud-Integration unterstützen, ist bisher der vielleicht einzige, wenn auch gravierende Mangel an Todo.txt.

Die App konnte im App Store nicht gefunden werden. :-(
Die App konnte im App Store nicht gefunden werden. :-(

Wer jetzt noch mehr Funktionen braucht, sollte sich auf GitHub mal die vielen Addons anschauen, die es inzwischen für Todo.txt gibt. Mit ihnen sind beispielsweise das Zuweisen eines Datums zu einem Task oder die Stapelverarbeitung mehrerer Tasks möglich. Und wer das Tool in Aktion sehen will, für den hat Gina Trapani ein kleines Video gedreht:

Übrigens: Wer ein echter Fan der Kommandozeile ist, sollte sich neben Todo.txt auch mal Jrnl anschauen, ein Kommandozeilen-Tagebuch mit 256-Bit-Verschlüsselung.

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7 Reaktionen
Florian Blaschke

Das hab ich auch gedacht, Theo. Bei mir allerdings hat das Highlighting mit Bordmitteln nicht geklappt – bis jetzt hab ich noch nicht rausgekriegt, warum.

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andre.friesen

Ich habe es auch nicht hinbekommen, allerdings lag es daran, dass ich noch die Version 2.9 von der Github Seite hatte.
Hier ist die 2.10 http://blog.todotxt.com/post/69157678311/todo-txt-cli-version-2-10-now-available
Damit habe ich das dann auch hinbekommen.

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Theo

In der neuesten Version von todo.sh braucht es für das Project- und Context-Highlighting das Script todo_ff.sh nicht mehr!

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Florian Blaschke

@Frank: Tatsächlich etwas antiquiert, das Tool. ;-) Und wenn ich das richtige sehe, nur für Windows?

@Janko: Danke für den Tipp, Org mode werd ich mir auf jeden Fall mal angucken, emacs-Syntax hin oder her ... ^^

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Janko

Auch sehr cool für Text-Liebhaber: http://orgmode.org/
Hat so ziemlich alles an Bord was das Herz begehrt. Einziges "Manko" is, dass man sich mit der Syntax des emacs anfreunden muss ;-)

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Ole

Whooaa, das ist genau das, was ich gebraucht habe! Ich weiß gar nicht, wieso dieses Progrämmchen bisher an mir vorbeigegangen ist.
Gleich auf Mac OS und Arch Linux installiert. Sync dann über Wuala, perfekt!
Danke für diesen Artikel!

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Frank Didszuleit

Das genialste Programm das es in diesem Bereich je gab war und ist ERNA von Ellert Schaepmann. Leider war Herr Schaepmann sehr Saurier, weshalb es die Software nie über eine - allerdings doch große - Anzahl von Fans hinaus geschafft hat.
Es gab ein Buch über ERNA, das Programm war auf einer Floppy dabei. Wer sich wirklich für das Thema interessiert, MUSS sich UNBEDINGT mal ERNA anschauen! Die Bücher sind wohl vereinzelt noch erhältlich...
Es gab (oder gibt noch) eine Firma, die sich später nochmal daran versucht hat, aber es weder ihr, noch Schaepmann zuvor, gelungen das Manko (!) Windows gegenüber der ursprünglichen DOS-Version wett zu machen!
Mir ist es absolut unverständlich, dass leider niemand in der Lage ist/war, diesen genialen Ansatz in die Gegenwart zu tragen!

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