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Studie: Transformation in der Baubranche stellt Geschäftsmodelle in Frage

Eine Technologie, die alles umkrempelt: Auch in der Baubranche gibt es sie. (Grafik: Shutterstock)

Mit Hilfe des Building-Information-Modeling können Daten entlang des gesamten Lebenszyklus eines Bauprojekts synchronisiert werden. Doch viele Unternehmen drohen den Anschluss zu verpassen.

Die Digitalisierung macht wenig überraschend auch nicht vor der Baubranche Halt: Mit BIM, dem sogenannten Building-Information-Modeling, können und werden heute schon alle relevanten Gebäudedaten mithilfe einer Software digital modelliert und geometrisch visualisiert.

Auch das Beratungsunternehmen Roland Berger kann feststellen, dass sich dadurch Bauprojekte schneller und effizienter steuern lassen. Firmen, heißt es, könnten so Kosten sparen. Doch BIM stelle auch die Geschäftsmodelle vieler Unternehmen infrage, sagen die Experten. Wer bei der neuen Technologie nicht mitmache, riskiere, aus dem Markt verdrängt zu werden.

Das sind die Ergebnisse der Studie „Turning point for the construction industry – The disruptive impact of Building Information Modeling (BIM)”, für die Roland Berger Experten aus der europäischen Bauindustrie befragt hat.

Bauprojekte virtuell begehen

Ein wesentlicher Vorteil von BIM sei es, dass alle Beteiligten das fertige Bauprojekt schon in der Planungsphase virtuell begehen und schnell modifizieren könnten, heißt es. Außerdem könnten Bauunternehmen auf Basis der in BIM eingestellten Informationen und Angebote frühzeitig über Materialien und ausführende Firmen entscheiden.

In einigen Ländern (hier orange eingefärbt) inklusive Deutschland ist oder wurde bereits geplant, bei öffentlichen Bauprojekten BIM verpflichtend einzusetzen. (Grafik: OPIIEC/Roland Berger)
In einigen Ländern (hier orange eingefärbt) inklusive Deutschland ist oder wurde bereits geplant, bei öffentlichen Bauprojekten BIM verpflichtend einzusetzen. (Grafik: OPIIEC/Roland Berger)

„Damit werden Planung, Umsetzung und Verwaltung von Bauprojekten viel schneller und effizienter”, sagt Kai-Stefan Schober, Partner von Roland Berger. Fehler in der Bauplanung ließen sich so früher erkennen. Neue Erkenntnisse würden im System hinterlegt und könnten für die nächsten Projekte wieder genutzt werden.

In der klassischen Bauplanung werden in verschiedenen Schritten Pläne an Behörden überspielt, Kostenkalkulationen erstellt und einzelne Gewerke auf der Baustelle koordiniert. Im Gegensatz dazu verbindet BIM nun alle Beteiligten auf einer Plattform und erspart so viele Koordinationsschritte.

„Jede Änderung wird bei BIM automatisch im gesamten Bauplan umgesetzt”, sagt Schober. „Bauelemente oder Dienstleistungen der einzelnen Firmen können wie in einem Baukasten neu zusammengestellt oder durch neue Anbieter ersetzt werden.”

BIM wird zum Standard der Bauindustrie

Die Vorteile der neuen Technologie würden sich in den Marktzahlen niederschlagen, heißt es: So werde sich der Markt für BIM-Anwendungen zwischen 2014 und 2022 voraussichtlich vervierfachen – von 2,7 auf ungefähr 11,5 Milliarden Dollar. Dies bedeutet aber auch, dass Bauunternehmen, die diese Technologie nicht einsetzen, im Nachteil sein werden.

„Dabei geht es nicht nur um Kosteneinsparungen”, sagt Philipp Hoff von Roland Berger: „BIM entwickelt sich zunehmend zum Standard für die gesamte Bauindustrie. Ohne Zugang zum System werden Unternehmen mittelfristig aus dem Markt gedrängt, da sie auf dieser Plattform nicht sichtbar sind und der Abstimmungsprozess mit ihnen zeit- und kostenaufwändig ist.”

Die starken Veränderungen, die sich durch die Digitalisierung der Baubranche ergeben, würden allerdings alle Marktteilnehmer dazu zwingen, ihre Geschäftsmodelle zu revidieren. Denn durch BIM könnten zum Beispiel Architekten und Planer direkt über Dienstleister und Materialien entscheiden. Außerdem würden etwa Bauprojekte mit niedrigen Margen noch stärker unter Druck stehen. Lukrative Nachträge für Bauunternehmen fielen weg.

Materialentscheidung wird zunehmend verlagert

Und auch Generalunternehmer und Baustoffhändler dürften bald deutlich an Einfluss verlieren, da die Material- und Produktentscheidung im Bauprozess immer weiter nach vorne verlagert werde, prognostizieren die Experten.

„All das bedeutet, dass sich die Geschäftsverhältnisse innerhalb der Bauindustrie verändern: Designer und Planer werden direkt mit Baustoffherstellern in Kontakt treten”, wie Kai-Stefan Schober die Situation einschätzt. Sein Tipp: „Händler sollten ihre Geschäftsmodelle überdenken und sich zum Beispiel als Anbieter modularer Baukästen für ganzheitliche Baustofflösungen auf dem Markt etablieren.”

Beim digitalen Wandel sollten Firmen allerdings ihre Belegschaft nicht vernachlässigen, heißt es. Ihre Mitarbeiter sollten sie stattdessen auf neue digitale Prozesse und Technologien vorbereiten. Denn beim BIM gehe es nicht nur um den Einsatz von digitalen Werkzeugen, sondern um eine digitale Unternehmenstransformation.

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