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Kommentar

Trump als Fehler im System: Wie Mark Zuckerberg die Welt wieder vereinen will

Donald Trump auf Wahlkampf-Tour. (Screenshot: CNBC / Youtube)

Facebook-Chef Mark Zuckerberg verkündet ein neues Mission Statement. Das zahlt auf die Unternehmensziele ein, birgt aber auch gesellschaftliche Sprengkraft. Ein Kommentar von Andreas Weck.

Lange Zeit war das offizielle „Mission Statement“ von Facebook glasklar: „To give people the power to share and make the world more open and connected.“ Ein Credo, das konzipiert wurde, um in den Ohren der Menschen nachzuhallen und das sich schick einreiht in die gigantischen Ambitionen der Silicon-Valley-Wunderwelt. Tatsächlich baut alles, was Mark Zuckerberg in den letzten Jahren tat, allein darauf auf: Angefangen beim Etablieren einer aktivierenden Benutzeroberfläche bis hin zur Expansion in neue Märkte. Das Mantra erklärt, wie Facebook in der Lage gewesen ist, zu skalieren, zu wachsen und für so lange Zeit relevant zu bleiben – und das ohne Anzeichen einer gravierenden Verlangsamung.

Doch die Mission unterliegt inzwischen einem Wandel. So wie sich das Internet technisch weiterentwickelt, so müssen sich auch Unternehmen darin in ihrer Ausrichtung überdenken, um den Anschluss nicht zu verpassen. Und das, so hat uns die Geschichte gezeigt, kann selbst den ganz Großen passieren: Einstige Giganten wie Yahoo sind nur noch ein Schatten ihrer selbst und laufen Gefahr, in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Plattformen wie Twitter könnte die nächste platzende Blase der Kopf kosten. Man könnte auch sagen, im Netz bleibt generell kein Bit auf dem anderen. Und natürlich laden auch Floskeln wie „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“ dazu ein, die digitale Welt zu beschreiben.

Mark Zuckerberg sieht Potenzial in Gruppen

Mark Zuckerberg auf dem Lola Omolala Summit: „Großartige Gemeinschaften brauchen großartige Führungskräfte.“ (Foto: dpa)

Allem Anschein nach hat sich auch Mark Zuckerberg tiefere Gedanken zu den Regeln des Netzes gemacht und möchte die nächsten Dekaden relevant bleiben. Vielleicht brauchte es einige schlaflose Nächte. Vielleicht entwickelte er die Überlegung unter der Dusche. Die Details kennt nur er. Was wir allerdings seit gestern Abend wissen, ist, dass es passend zum Fahrplan, den die Ingenieure im kalifornischen Menlo Park in ihren Ideenschmieden entwerfen, nun auch ein neues Credo geben wird. Der Social-Network-König verkündete der Welt, standesgemäß auf seinem Facebook-Profil, was er vorhat. Bedeutungsstark novelliert er: „Giving people the power to build community and bring the world closer together!“

Was wie alter Wein in neuen Schläuchen klingt, hat Tragweite. Frei übersetzt heißt das nämlich so viel wie: Facebook will nicht nur immer größer werden. Es rückt auch näher zusammen. Kurz vor dem Erreichen der Zwei-Milliarden-Nutzer-Marke hat der Chef des größten sozialen Netzwerks der Welt erkannt, dass das Wachstum vorerst seine Grenzen hat. Die nächste geknackte Milliarden-Marke wird etwas dauern. Sie wird kommen, aber nicht in den nächsten zwei, drei, vier Jahren. Zu stark sind moderne Wohlstandsnationen bereits einverleibt. Und zu sehr gilt in Entwicklungsländern das Internet noch als Luxus. Nach der Mondlandung folgt der Mars, doch ist der ungleich weiter weg. Die Mission braucht Zeit.

Um Investoren jedoch bei Laune zu halten, sollen bestehenden Nutzer noch länger auf der Plattform bleiben. Und am besten gar nicht mehr weggehen. Die täglichen Handgriffe, die wir im Netz erledigen, sollen – wenn es nach Facebook geht – auf der Plattform abgewickelt werden. Ob Shopping, Überweisungen, Zeitunglesen – all das kann bereits oder soll überhaupt und noch stärker auf Facebook passieren. Doch auch eine andere Aktivität, die wir tagtäglich ausführen, hat das Interesse des Tech-Chefs jetzt geweckt: Das Organisieren von fast allem, was der Mensch organisieren kann. Jeder von uns tut das auf Facebook. Und zwar in Gruppen.

Die Gruppen-Funktion ist Mark Zuckerbergs neues Lieblingsthema. Und das kommt nicht von ungefähr: Nutzer organisieren ihre Familie, ihren Beruf und ihre Freunde darin. Typisch sind Gruppen, in denen für Geburtstagsgeschenke gesammelt wird. Doch auch Gruppen, in denen Väter mit ihren Töchtern und Mütter mit ihren Söhnen kommunizieren, sind digitaler Alltag. Es gibt Gruppen, in denen Gleichgesinnte sich über das Weltgeschehen, über den Arbeitgeber oder über das Haustier austauschen. Kurzum: Gruppen sind der Hebel, um näher zusammenzurücken und miteinander zu kommunizieren. Wenn nicht auf Facebook, dann zumindest auf Whatsapp. Das Ökosystem bleibt das gleiche.

Trump als Fehler im System

Bereits 100 Millionen Nutzer würden sich in Facebook-Gruppen in bedeutender Weise engagieren, gibt Zuckerberg in seiner Mantra-Ankündigung zu verstehen. Das Ziel sei aber, eine Milliarde Nutzer dazu zu bringen, die Gruppen-Funktion in den Alltag zu integrieren. Dafür möchte er in den kommenden Wochen einige Neuerungen veröffentlichen. Doch nicht nur der wirtschaftliche Aspekt scheint den Facebook-Chef anzutreiben. Ob PR oder nicht, bleibt von außen schwer zu sagen. Aber auch der gesellschaftliche Nutzen dieser Strategie umtreibt den Unternehmer. Denn für ihn scheint klar, dass die Weltgemeinschaft gespalten sei. Und dass er das so nicht hinnehmen möchte.

„We have a responsibility to do even more“, lesen Interessierte weiter. Das Manifest kann insofern auch als Gegenentwurf der Trump-Politik verstanden werden, die auf Spaltung setzt und die Mark Zuckerberg in der Vergangenheit immer wieder kritisierte. Der 33-Jährige war beispielsweise als einziger CEO der fünf wertvollsten Tech- und Internetkonzerne den Treffen mit dem US-Präsident ferngeblieben. Aus seiner Abneigung gegenüber der neuen US-Regierung macht Zuckerberg keinen Hehl. Um die Etikette zu wahren, schickte er, wenn überhaupt, Stellvertreterin Sheryl Sandberg. Für den Facebook-Chef scheint Trump ein Fehler im System zu sein, ein Bug – um mal im Fachjargon zu bleiben.

Entsprechend seiner Geisteshaltung tut Mark Zuckerberg das, was er am besten kann. Er entwickelt Werkzeuge, die der Menschheit helfen sollen, sich zu verbessern. Mit Diplomatie hat einer wie er, der größtenteils in Nullen und Einsen denkt, sowieso seine Probleme. Er glaubt an die Technik und ihrer positive Entfaltungskraft. Die Menschen zu vernetzen, ist gelungen. Jetzt will er sie nicht mehr nur ins globale Dorf holen, sondern sie auch an einen Tisch setzen. Sie einen. Ob das mit einem Gruppen-Tool gelingt oder ob Mark Zuckerberg einfach nur naiv ist, zeigt die Zeit. Vielleicht zementiert das Bestreben aber auch nur eine Säule des Mission Statements. Und Facebook will noch viel mehr, noch viel weiter. Die gestrigen Worte lassen jedenfalls hoffen.

Hier kannst du dem Autor auf Facebook oder Twitter folgen und mit ihm diskutieren.

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2 Reaktionen
Tim

Liebe T3n Redaktion -bitte solche niveaulosen Artikel in Zukunft zurückfahren, sonst lese ich euch nicht mehr- warum das niveaulos ist versteht sich von selbst.

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lola

Facebook ist der Nachfolger von BTX, Myspace und Secound Live. Nur weil er Geld schei...en konnte, kann er trotzdem Quatsch erzählen. Solange er Geld hat hören ihm einfach immer genug Idioten zu.
Silicon Valley ist in 100 Jahren wie Detroit, in 500 Jahren wie der Platz vor den Pyramiden. Dann bestaunen die Turis einen Tunnelrest, eine Ruine in Raumschiffform und ein Stück Wiese auf der das erste UFO landete

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