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Türkei blockiert Dropbox, Google Drive, Microsoft Onedrive und Github

Dropbox will beim Börsengang 648 Millionen Dollar einnehmen. (Foto: dennizn / Shutterstock.com)

Die türkische Regierung hat am Wochenende den Zugang zu zahlreichen Cloud-Diensten gesperrt. Vorausgegangen war die Veröffentlichung angeblicher E-Mails eines Verwandten von Präsident Erdoğan.

Die Zensurbeobachtung-Organisation Turkey Blocks meldete am Samstag, dass der Aufruf zahlreicher Cloud-Dienste wie Dropbox, Google Drive und Microsoft Onedrive nicht möglich war. Stattdessen wurden den Nutzern SSL-Fehler angezeigt. Der Verdacht liegt nahe, dass die türkische Regierung entsprechende Anfragen durch die Provider des Landes abfangen und umleiten lässt. Am Sonntag folgte außerdem die Sperrung von Github, dem größten und wichtigsten Hosting-Dienst für Programmcode von Open-Source-Software im Internet.

Brisante E-Mails von Erdoğans Schwiegersohn veröffentlicht

Vorausgegangen war die Veröffentlichung zahlreicher E-Mails auf den genannten Cloud-Hoster. Sie sollen angeblich von dem türkischen Geschäftsmann und Energieminister Berat Albayrak stammen, der Schwiegersohn von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan. Zu dem Leak hatte sich die linke Aktivistengruppe Redhack bekannt.

Der Inhalt der E-Mails ist brisant: Laut Welt soll es unter anderem um Kontakte der türkischen Regierung zur Terrororganisation „Islamischer Staat“ und die Kontrolle der Medien gehen. Insgesamt handle es sich um rund 20 Gigabyte an Daten. Zwölf Menschen sitzen derzeit in der Türkei in Haft, denen die türkische Regierung vorwirft, Teil der linken Hackergruppe zu sein. Medien, die zuvor über die Inhalte der E-Mails berichteten, wurden laut Welt-Bericht in der Türkei gesperrt.

Turkey Blocks meldete am Sonntag auf Twitter, dass der Zugang zu Google Drive inzwischen wieder freigegeben sei, nachdem Google einer Verfügung nachgekommen ist und das beanstandete Material offline nahm. Die Informations- und Kommunikationsbehörde der Türkei hatte laut dem Dienst für Google Drive eine offizielle Meldung herausgegeben, nach der der Cloud-Speicherdienst blockiert wird. Die Behörde beruft sich dabei auf ein 2007 verabschiedetes Internet-Gesetz mit der Nummer 5651.

Zugang zu Google Drive in der Türkei wieder freigegeben

Die Blockade folgt nach zahlreichen „Säuberungsaktionen“ gegen die innenpolitische Opposition in der Türkei. Seit dem gescheiterten Militärputsch im Juli geht der autoritär regierende Präsident Erdoğan verstärkt gegen die Opposition vor. Laut Erdoğan nimmt die Regierung dabei Anhänger der islamischen Gülen-Bewegung ins Visier, die hinter dem Putschversuch stünden.

Zahlreiche kritische Presseorgane wurden zwangsweise geschlossen, Angestellte von Bildungseinrichtungen dürfen das Land nicht mehr verlassen und Zehntausende Staatsbedienstete entlassen. Zuletzt wurden auch eine Reihe pro-kurdischer TV-Sender gestürmt und geschlossen, denen die Regierung eine Nähe zur auch in Deutschland verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK vorwirft, die sich regelmäßig zu Anschlägen bekennt.

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3 Reaktionen
Johannes

Das zeigt einmal mehr, dass die übermäßige Verwendung von Cloud-Diensten zu baluäugig ist.

Wenn die Leute dort in "der Diktatur" weiter so vorgehen, dann:

- können alle Leute die Cloud-Office statt Desktop haben nichts arbeiten,
- kann das in einigen Jahren sogar Krankenhäuser teilweise lahmlegen wenn Oberhirnis bei der Cloudstrategie billig eingekauft haben,
- könnten selbstfahrende Autos ggf. ins Nirvana stürzen wenn die Entertainmentkosole auf Google-Dingsbums läuft und trotzdem im Hauptbus des Autos aus versehen eingedockt ist,
- die Verwaltung des Staates sich dann selbst abgeschossen hat weil sie auch, dank Lobbyisten, auf Google-Dingsbums eingesteigen ist und eigene Infrastruktur abgeschrieben hat,
- und alle anderen können kein Fernsehen mehr schauen, und verpassen damit sogar die staatliche Propaganda.

Jacques

Dass das einfach so geht. Ich meine klar, Mails zu veröffentlichen ist nicht richtig wobei wenn da wirklich Terrorkontakte vorkommen bin ich mir über die Aussage nicht mehr so sicher...

Aber das eine Regierung seine Bürger übers Internet so heftig regulieren kann ist ja erschreckend, ich meine irgendwie ist ja freie Meinung doch wichtig. Vor allem ist die Türkei ja noch ein EU Anwärter(gewesen?).

Sehr bedenklich das Ganze....

Danke für den guten Artikel, war sehr gut geschrieben und informativ

Can

Ein bisschen Schade finde ich es schon, dass alle Dienste "einknicken" und die Daten löschen. Wobei es rechtlich sicher das korrekte verhalten ist. Hoffe genug Medien können das Aufarbeiten, nur vermutlich nicht in der Türkei, nochmal Schade.

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