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Türkei: Dank Tracking-Pixel in den Knast

(Foto: kittirat roekburi / Shutterstock)

Offenbar brachte eine einzige Code-Zeile tausende türkischer Staatsbürger ins Gefängnis. Ihr Vergehen: Sie sollen den türkischen Krypto-Messenger Bylock genutzt haben.

Nach dem gescheiterten Putschversuch von 2016 überzog die Erdogan-Regierung das Land mit einer gigantischen Verhaftungs- und Entlassungswelle, von der mehr als 100.000 Staatsdiener, Armee-Angehörige, Wissenschaftler, Medienvertreter und politisch links stehende Menschen betroffen waren. Häufiger Vorwurf: Sie würden mit der Gülen-Bewegung in Verbindung stehen, die von der türkischen Regierung als terroristisch eingestuft wird und angeblich hinter dem Putschversuch steht. Zehntausende von ihnen wurden allein deshalb festgenommen, weil bei Razzien auf ihren Telefonen der türkische Messenger Bylock gefunden wurde.

Die türkische Regierung behauptet, dass der Messenger nicht allgemein erhältlich gewesen sei und von Mitgliedern der Gülen-Bewegung unter der Hand weitergegeben worden sein soll, um damit den Putsch im Geheimen zu planen. Dem steht entgegen, dass der Messenger sehr wohl in Apples App-Store und auch in Googles Play-Store frei angeboten wurde. Außerdem hat der Entwickler den Dienst bereits Monate vor dem Putschversuch eingestellt. Dennoch gehen türkische Ermittlungsbehörden davon aus, dass der – tatsächlich in der Türkei wenig bekannte – Messenger zu 90% von Mitgliedern der Gülen-Bewegung verwendet wurde und begründen damit ihre Anklageschriften.

Verhaftung nur aufgrund eines Tracking-Pixels

Ähnlich wie Threema benutzt Bylock nicht die Telefonnummer als Identifikationsmerkmal sondern eine ID, die kennen muss, wer mit jemand anderem in Kontakt treten will. Nach Angaben der türkischen „Arrested Lawyers Initiative“ hat die türkische Regierung Kenntnis von 215.000 solcher IDs und 18 Millionen verschlüsselten Nachrichten, die sie zu entschlüsseln versucht.

Allein aufgrund der Nutzung eines Messengers verhaftet zu werden, ist offenbar noch nicht dystopisch genug: Bei vielen der Verdächtigten fand sich nicht der Messenger selbst auf dem Telefon, sondern nur ein Tracking-Pixel, das auf den Server bylock.net verweist. Mittlerweile stellte sich heraus, dass das Tracking-Pixel von verschiedenen anderen Apps verwendet wurde, unter anderem dem Musikstreaming-Dienst „Freezy“ und einer App, die Muslimen dabei helfen soll, ihre Gebete Richtung Mekka auszurichten.

Nach Schätzungen übersteigt die Zahl der Falschanschuldigungen aufgrund des Tracking-Pixels die Zehntausende. Türkische Behörden gaben den Fehler mittlerweile zu, nachdem die IT-Forensiker Tuncay Beşikci und Koray Peksayar sowie der Anwalt Ali Aktaş ihre Erkenntnisse veröffentlichten. Sie glauben mittlerweile, dass Bylock nicht aus dem Umfeld der Gülen-Bewegung stammt, sondern in Umlauf gebracht wurde, um herauszufinden, wer alles zum Netzwerk rund um Fethullah Gülen gehört.

Hinweis: Dieser Artikel wurde auf Wunsch des Autors anonym veröffentlicht, um in dem Artikel genannte Quellen zu schützen. Die Identität des Autors ist der t3n-Redaktion bekannt.

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