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Überwachung – hören deutsche Geheimdienste bei Smartspeakern mit?

Echo Plus von Amazon. Eine praktische Wanze für Geheimdienste? (Foto: Amazon)

Das Polit-Magazin Kontraste berichtet über Möglichkeiten zur Überwachung durch smarte Lautsprecher. Die vage Antwort der Behörden lädt zu Spekulationen ein.

Einfach den Amazon Echo anzapfen, um eine Person in ihren eigenen vier Wänden zu belauschen – leichter kann man sich geheimdienstliche Überwachung kaum vorstellen. Ein Beitrag des ARD-Magazins Kontraste, der am Donnerstagabend ausgestrahlt wurde, geht der Frage nach, ob und wie deutsche Geheimdienste diese Möglichkeit tatsächlich nutzen – mit großer Resonanz in der medialen Berichterstattung. Die Antwort der Geheimdienste bleibt vage und führt zu Spekulationen.

Geheimdienste halten sich bedeckt

Zu einer Anfrage des Kontraste-Teams, ob deutsche Geheimdienste heute schon in der Lage sind, Amazon Echo und andere smarte Speaker anzuzapfen, wollte sich der BND nicht äußern. Das Bundesamt für Verfassungsschutz antwortete, dass es per Gesetz das Recht zur Wohnraumüberwachung habe.

Die Bundestagsabgeordnete Martina Renner (Linke) hatte zuvor versucht, mit einer schriftlichen Anfrage an die Bundesregierung zu klären, welche Bundesbehörden in der Lage sind, smarte Lautsprecher technisch zu infiltrieren und als Abhöreinrichtung für die Wohnraumüberwachung zu nutzen. In der Antwort der Bundesregierung heißt es, diese Information könne nicht herausgegeben werden, denn dann werde diese Fähigkeit öffentlich und ginge damit verloren. „Bei einem Bekanntwerden (…) wäre kein Ersatz durch andere Instrumente möglich“, heißt es in der schriftlichen Antwort der Bundesregierung.

Amazon antwortete auf eine Anfrage von Kontraste, man werde Kundendaten dann teilen, wenn die Aufforderung dazu „rechtsgültig, verbindlich und korrekt zugestellt“ sei.

Weitreichende Befugnisse im Internet der Dinge?

Ende März hatte die Plattform Netzpolitik.org einen Gesetzentwurf des Innenministeriums veröffentlicht, der In- und Auslandsgeheimdiensten einen weitreichenden Zugriff auf informationstechnische Systeme und die darin verarbeiteten Daten ermöglichen soll. Gemeint sind Rechner, Handys und smarte Anwendungen, die Nutzerdaten verarbeiten – das können smarte Lautsprecher ebenso sein wie sprachgesteuerte Geräte im Internet der Dinge. Möglich sein soll die Überwachung bei „besonders schweren Bedrohungen“ wie dringender Gefahr für Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes, die Funktionsfähigkeit lebenswichtiger Einrichtungen oder Leib, Leben und Freiheit einer Person. Der Gesetz-Entwurf war allerdings vorerst am Veto der Justizministerin Katarina Barley gescheitert.

US-amerikanische Nachrichtendienste können in bestimmten Fällen schon jetzt Daten von Konzernen abfragen. Im Kontraste-Beitrag sagt Nikolaos Gazeas, Experte für internationales Strafrecht, dass auch deutsche Behörden über den Weg der Rechtshilfe an die Daten kommen.

Das Kontraste-Team hat recherchiert, dass im Strafverfahren gegen den Betreiber einer Handelsplattform im Darknet ein Durchsuchungsbefehl für Amazon beantragt wurde. Vollstreckt worden sei dieser allerdings nicht, weil die Ermittler auch ohne diesen genügend Beweismittel für eine Verurteilung hatten. Allerdings zeige dieses Beispiel, wie attraktiv die smarten Lautsprecher für Ermittler sind.

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Ein Kommentar
CyberAndi

Nach dem in der Presse das Gerücht vom Datenskandal, beim Amazon die Rede ist. Hier kurz eine Aufklärung dazu.

Welcher Skandal? Es ist kein Skandal sondern nur die Erkenntnis, daß Amazon auch Menschen für die Analyse der Tonaufzeichnung benutzt. Und nur dies ist die Erkenntnis und nicht ein Skandal. Daß die IT-Programme die Voice-Daten analysieren ist ja seit jeher bekannt. Sonst würde ja Alexa nicht funktionieren. Kann man ja ausschalten. Was für mich ein Skandal, wäre, wenn die Voice-Daten unverschlüsselt und / oder bei anderen Firmen oder Personen als bei Amazon landen würden. Um dies zu vermeiden habe ich ja unter https://cyberandi.tumblr.com/Smarthome eine Anleitung hinterlegt.

Mit den Einstellungen unter Kontakte und Einstellungen / Datenschutz siehe Bilder unten, kann man das Transkribieren abschalten.

Ps: Bei Siri werden die Voice-Files lokal im Gerät verarbeitet und verschlüsselt als Metadaten an die Apple Cloud Übertragen.
Bei Amazon Alexa, werden die Voice-Files nur nach dem Aktivierungswort verschlüsselt an Amazon übertragen.
Bei Google Home werden die Daten auch ohne Hotwort verschlüsselt zu Google ins Netzwerk gesendet. Außer man aktiviert in der Google Assistent App Offline Voicedatenekennung. Dies geht, soweit ich weiß, nur auf Smartphone und Tablet.

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