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Ratgeber

Überzeugen bei Präsentationen und Vorträgen: Tipps von Obamas Redenschreibern

Mit diesen Tipps und Tricks wird jede Präsentation zum Erfolg. (Grafik: Shutterstock)

Nicht jeden zieht es gleich in die Politik, aber eine Präsentation oder einen Vortrag muss wohl jede mal im Berufsleben halten. Unsere Gastautorin hat sich dafür hilfreiche Tipps von Barack Obamas Redenschreibern geholt und teilt sie mit euch.

Redenschreiber helfen Politikern und Führungskräften, mit überzeugenden Vorträgen Menschen zu begeistern und Veränderungen zu beeinflussen. Bei der diesjährigen SXSW erklärten Sarada Peri und Andy Barr, die als Redenschreiber für Präsident Barack Obama tätig waren, wie Überzeugungskraft funktioniert. In ihrem Talk „We Help Politicians Persuade. We’ll Help You, Too“ gaben sie Tipps, die – auch außerhalb der Politik – für Präsentationen, Pitches oder Konferenz-Vorträge nützlich sind.

Was ist die eine, zentrale Idee?

Im besten Fall dreht sich ein Vortrag oder eine Präsentation um eine einzige, zentrale Idee. Die wird illustriert mit Beispielen oder Storys, aber es geht um eine Idee, die man kommunizieren will. Ein gutes Beispiel dafür sind die meisten TED-Talks, die in 18 Minuten ihren Zuhörern eine einzige Idee oder Perspektive näherbringen. Die eine Idee, also worum es in dem Talk geht, wird dabei bereits im Titel zitiert:

  • Was wäre, wenn wir Politiker mit zufällig ausgewählten Leuten ersetzen würden?
  • Was denken Babies?
  • Wie Technologie Extremismus und Online-Belästigungen bekämpfen kann

Das Weihnachtsbaum-Problem

Das Problem bei vielen Reden – so Sarada Peri – ist, was sie als „Weihnachtsbaum-Problem“ bezeichnet. Man hat zwar vielleicht eine zentrale Idee, aber man versucht andere Ideen dort auch noch unterzubringen und „anzuhängen“.

„Plötzlich hat man immer mehr Weihnachtsbaumschmuck und irgendwann bricht der Baum unter dem Gewicht zusammen. Das Weihnachtsbaum-Problem existiert und es geht darum, den Baum vor seinem eigenen Gewicht zu schützen.“

Peri rät, alles herauszukürzen, was nicht wirklich zu der einen, zentralen Idee beiträgt. „Wenn es der Argumentation nicht hilft, dann gehört es nicht in den Vortrag.“

Mit Storytelling überzeugen

„Die Grundlage von Überzeugungskraft ist Storytelling“, erklärt Peri. Storys helfen, mit anderen mitzufühlen, eine andere Perspektive einzunehmen und Veränderungen herbeizuführen.

Bei einem Vortrag geht es allerdings um mehr als die eigene Story. Persönliches Erleben kann als Ausgangspunkt dienen – so Peri – aber von da muss es weiter gehen zu einer universelleren Story, die über den Einzelfall hinausgeht und die im besten Fall einen Bezug zur Gegenwart hat. Die Frage ist dann: Wieso ist diese Story jetzt wichtig?

Für den Vortrag bedeutet das, dass man mit der „Story of Self“ beginnt, dann zur „Story of Us“ wechselt und danach zur „Story of Now“ übergeht. Dies ist das Grundprinzip jeder politischen Rede, so Peri, bei der es darum geht, Werte und eine Perspektive zu vermitteln.

Bei der „Story of Self“ geht es um das persönliche Narrativ, um Entscheidungen, die man getroffen hat und um Werte, die diese Entscheidungen geleitet haben.

Bei der „Story of Us“ wird die persönliche Story in einem größeren Kontext, nämlich dem einer Gesellschaft, verankert.

Peri erklärt, dass Obama in seinen Reden nie selbst der Protagonist war. „Der Protagonist war nie er selbst. Der Protagonist war Amerika.“ Er schaffte es, durch eigene Erfahrungen einen Bogen zu schlagen zu den Erfahrungen seiner Zuhörer.

Die „Story of Now“ verdeutlicht, warum das Thema gerade jetzt wichtig ist. Warum kommt das Thema gerade jetzt auf? Was sind die Umstände? Wieso ist das Thema jetzt relevant?

Jeder Vortrag braucht eine Struktur

Einer der populärsten TED-Talks stammt von Sir Ken Robinson. Der Education-Experte erklärte dem Head of TED, Chris Anderson, dass die meisten seiner Talks einer sehr simplen Struktur folgen, nämlich:

  1. Einleitung
  2. Kontext – warum ist das Thema wichtig?
  3. Haupt-Thesen
  4. Praktische Implikationen
  5. Fazit

Diese Strukur hilft, das Thema in einem Kontext zu verankern und eine praktische Relevanz sicherzustellen. Sicherlich ist das nicht die einzig richtige Möglichkeit, einen Talk aufzubauen, aber es ist eine Möglichkeit, an der man sich orientieren kann.

Kontext schaffen

Präsentationen sind dann am überzeugendsten, wenn sie abstrakte Zusammenhänge veranschaulichen. Peri spricht zum Beispiel davon, Zahlen an praktischen Beispielen zu verdeutlichen.

„Zahlen bedeuten nichts. Sprich stattdessen lieber über die Personen, die davon betroffen sind. Zahlen sind niemals so bedeutsam wie die Story einer einzelnen Person.“

Chris Anderson gibt in seinem Buch „TED Talks: The Official Guide to Public Speaking“ einen ähnlichen Ratschlag, wenn er auf die Kraft von Metaphern verweist. Metaphern schaffen eine Verbindung und machen Sachverhältnisse leichter verständlich. Anderson nennt als Beispiel den Harvard Professor Dan Gilbert, der einen populären TED-Talk mit dem Thema „The Surprising Science of Happiness“ gehalten hat. Gilbert benutzte dabei die Metapher des „psychologischen Immunsystems“, um zu verdeutlichen, dass das, was für unsere physische Gesundheit gilt, auch auf unsere mentale Gesundheit zutrifft.

Mit dieser Metapher gelingt es ihm unmittelbar, ein etabliertes Konzept („Immunsystem“) in einen neuen Zusammenhang zu übertragen und somit die Zuhörer mit ihrem vorhandenen Wissen dort abzuholen, wo sie sind.

Ideen statt Ego

Die zentrale Idee von Peri und Barrs Vortrag bei der SXSW, aber auch von Chris Anderson ist, dass es in Präsentationen um Ideen geht und nicht um Egos. Es geht nicht um eine Selbstpräsentation oder ein Produkt oder Unternehmen. Auch dann nicht, wenn es um einen Sales-Pitch geht.

Anderson schreibt: „Das zentrale Prinzip ist, dass die Aufgabe des Speakers im Geben und nicht im Nehmen besteht. Auch in einem Business-Kontext bei einem Sales-Pitch sollte das der Fall sein. Die effektivsten Sales-Leute hören zu, versetzen sich in ihren Zuhörer hinein und versuchen herauszufinden, wie sie am besten helfen können.“

Eine gute Präsentation überzeugt durch Storys, die vom persönlichen Narrativ ausgehen und dann über sich hinausweisen. Storys, die nicht nur helfen, eine andere Person besser zu verstehen, sondern gleichzeitig uns selbst. Die uns mehr erzählen über unsere Gesellschaft und die Zeit, in der wir leben.

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