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Wie die Ukraine vom Hacker-Spielplatz zum Cyberwar-Schlachtfeld wurde

In der Ukraine – hier im Bild die Hauptstadt Kiew – liegt das ­jähr­liche Durchschnittseinkommen ­unter 10.000 US-Dollar. Einem jungen Hacker bieten Unternehmen schon mal 5.000 US-Dollar pro Monat für seine Dienste. (Foto: Jan Vollmer; Grafik: iStock / cygnusX)

Lesezeit: 2 Min.
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Es gab Zeiten, da waren ukrainische Hacker vor allem für ihre Kreditkarten-Tricks bekannt. Diese Zeiten sind vorbei. Heute lassen sich Weltmächte von ihnen Tipps für den Cyberwar geben.

Wenn man sich in Kiew nach Hackern umhört, landet man schnell im Büro von Artem Afian. Mit seiner Kanzlei berät der IT-Anwalt eine wachsende ukrainische IT-Szene: Hacker, die beim Hacken erwischt wurden. Unternehmen, die gerne Hacker beauftragen wollen, um ihre Sicherheit zu testen. Die ukrainische Regierung, die gerne wissen will, wie sie die elektronischen Teile ihrer Verwaltung sicherer machen kann.

Artem Afian hat sich Anfang der 2010er Jahre auf IT-Recht spezialisiert. Wie sich die ukrainische Cyber-Szene verändert, spiegelt sich in seinen Fällen wider. Zu Beginn riefen private Hacker bei Afian an, wenn überraschend dann doch mal die Polizei vor ihrer Tür stand: Carder aus Odessa, wenn sie dabei erwischt wurden, wie sie mit anderer Leute Kreditkarten-Daten herumhantierten; Data-Minerdie zu tief in fremde Datensätze geschaut hatten. 2012 vertrat er die Betreiber der Filesharing-Seite ex.ua – und der erste Mandant bezahlte ihn in Bitcoin. Mittlerweile baut Afians Kanzlei auch den legalen Rahmen für Bug-Bounty-Aufträge – Sicherheitstests mit Hackern im Auftrag von Kunden.

Jobs als Sicherheitsexperte sind längst lukrativer

Afians Kanzlei läuft gut, aber die klassischen Hacker-Fälle werden weniger. Hacking in der Ukraine wird jetzt organisierter. Längst ist es viel lukrativer geworden, sich von einem IT-Unternehmen als Sicherheitsexperte anstellen zu lassen, als gelegentlich mit fremden Karten zu bezahlen.

(Abbildung: t3n)

Aber es geht nicht nur um Geld: Seit 2014, also seit das Land sich aus dem russischen Einflussgebiet löste, hat Hacking in der Ukraine auch eine militärische Komponente. Man könnte auch sagen, die Ukraine ist zu einer Art Testgelände für neue Cyberwaffen geworden. Die Attacken sind schwer zuzuordnen. Viele Experten gehen aber davon aus, dass die Aufträge aus Moskau kommen.

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Amerikanische Cybertruppen lernen in Kiew

Weil die Cyber-Kriegsführung international auf dem Vormarsch ist, interessieren sich jetzt auch Militärmächte wie die USA dafür, was auf dem Cyber-Testgelände Ukraine los ist: Mittlerweile schicken die USA Cybertruppen nach Kiew. Sie sollen sich dort anschauen, wie die Attacken funktionieren – um ähnliche Angriffe in den USA abzufangen.

Die Angriffe auf den ukrainischen Cyberspace treffen aber nicht nur die Ukraine selbst. Notpetya, ein Wurm, der auf einem gehackten Server in Kiew seinen Ursprung hat, legte zunächst nur die Ukraine lahm. In der Folge breitete er sich dann aber auch auf internationale Unternehmen aus – und riss Löcher in dreistelligen Millionenbeträgen in die Finanzen von Logistikern wie Maersk oder dem US-Pharma-Konzern Merck.

Wie fühlt es sich an, mitten im Cyber-Krieg eine Präsidentschaftswahl zu schützen? Kann eine Bedrohung auch neuen Schwung in einen Geschäftsbereich wie IT-Sicherheit bringen? Die gesamte Recherche liest du im aktuellen t3n Magazin 59. 
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