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Kolumne

Gilt auch für Unternehmen: Haltung zeigen gegen Rechts

Teilnehmer der Demonstration von AfD und dem ausländerfeindlichen Bündnis Pegida versuchen das an das Karl-Marx-Denkmal angebrachte Plakat abzunehmen. (Foto: dpa)

Wenn es darum geht, sich dem Rechtsradikalismus entgegenzustellen, reicht es nicht, sich privat zu engagieren. Auch Unternehmen können und müssen Gesicht zeigen.

Am 1. September kippte etwas. An dem Tag fand in Chemnitz ein sogenannter „Trauermarsch“ statt, doch von Trauer und Andenken an den eine Woche zuvor am gleichen Ort erstochenen Daniel H. blieb nicht viel übrig. Zu den Alt-Nazis, Pegida und den anderen rechtsradikalen Gruppen gesellte sich die von Wahlerfolg zu Wahlerfolg eilende AfD, die lange Zeit noch euphemistisch „rechtspopulistisch“ genannt wurde.

Hitlergrüße, Nazi-Parolen und Übergriffe auf Journalisten prägten das Bild. In den Tagen zuvor kam es zu pogromartigen Jagdszenen auf Menschen, die nicht deutsch genug aussahen. Spätestens jetzt musste allen klar sein, dass Nazis keine Randerscheinung in abgelegenen Provinzdörfern sind. Dass es eben nicht, wie so oft behauptet, um Straßenkämpfe rechter Krawallmacher gegen linke Krawallmacher geht, sondern sich rechtsradikales Denken in weiten Teilen der Gesellschaft breitgemacht hat und als normal empfunden wird. Und dass die offene, demokratische Gesellschaft in Gefahr sein könnte.

Sonderurlaub für die Demo

Viele Menschen und Gruppierungen zeigten anschließend ihre Haltung unter dem Hashtag #WirSindMehr. Darunter auch einige Unternehmen. So gaben die Berliner Digitalagentur TLGG und die Werbeagentur Scholz and Friends ihren Mitarbeitern „#nazifrei“: Sonderurlaub, um zur Gegendemonstration nach Chemnitz fahren zu können. Denn manchmal gibt es Dinge, die wichtiger sind als das Tagesgeschäft.

Die Unternehmen haben begriffen, dass sie nicht im luftleeren Raum agieren, sondern Teil der Gesellschaft sind und wie alle anderen auch Verantwortung tragen. Und das betrifft längst nicht nur Unternehmen in Sachsen, die ernsthaft Schwierigkeiten haben, qualifiziertes Personal in die Provinz zu locken.

Null-Toleranz-Politik

Der in der Lausitz aktive Energieversorger Vattenfall hat Chancengleichheit und Vielfalt zum Unternehmensziel erklärt und sich eine Null-Toleranz-Politik gegen Rassismus verordnet. Sie umfasst unter anderem Integrationskurse für eingewanderte Arbeitnehmer und einen Jugend-Austausch mit polnischen Azubis. Dabei geht es nicht nur darum, Rechtsradikale aus dem eigenen Unternehmen fernzuhalten, sondern auch in die Gesellschaft zu wirken.

Der Autobauer Porsche fördert in Leipzig die Konzertreihe „Courage zeigen“ und unterstützt den Leipziger Flüchtlingsrat. Die Uhrenmanufaktur Nomos in Glashütte hat am Firmensitz ein Plakat aufgehängt auf dem steht „Nein zu rechtem Gedankengut. Ja zu Toleranz und Weltoffenheit“. Und der Bass-Gitarrenbauer Warwick aus dem Vogtland vertreibt in seinem Online-Shop T-Shirts mit der Aufschrift „Bassists against racists“.

To-do-Liste gegen rechts

Manche Unternehmen nehmen sogar große Umsatzeinbußen in Kauf, um Gesicht zu zeigen. Die Klamotten des Sportbekleidungsherstellers Lonsdale waren bei Neonazis sehr beliebt, weil in seinem Schriftzug die Buchstaben „NSDA“ vorkamen. Das Unternehmen reagierte mit einer Kampagne gegen Rassismus und einem Lieferstopp an einschlägige Händler in Deutschland, was den Umsatz zeitweise um bis zu 75 Prozent schmälerte. Und der Stacheldraht-Hersteller Mutanox verzichtete auf einen 500.000-Euro-Deal mit der ungarischen Regierung, um zu verhindern, dass der Draht benutzt wird, um Menschen auf der Flucht festzuhalten.

Egal ob du Mitarbeiter in einem Großkonzern bist oder ein Startup auf die Beine stellst – es gibt viele Möglichkeiten, sich zu engagieren. Eine mögliche To-do-Liste:

  • Sensibilisiere deine Mitarbeiter für Rassismus, zum Beispiel durch den Besuch entsprechender Workshops oder durch Austausch mit ausländischen Niederlassungen oder Partnerunternehmen.
  • Vernetze dich mit anderen Unternehmern deiner Branche oder Region und überlegt gemeinsam, was ihr unternehmen könntet.
  • Wenn du Geflüchtete einstellen möchtest, kannst du dich an „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ wenden.
  • Spende an Initiativen und Hilfsorganisationen oder frag bei der örtlichen Flüchtlingshilfe nach, was gerade gebraucht wird und starte eine Sammlung im Kollegenkreis.
  • Sei als Unternehmen präsent, wenn in deinem Ort rechtsradikale Kundgebungen stattfinden.
  • Mache dein Engagement in den sozialen Medien öffentlich.

Was auch immer dir möglich ist: Zeige Gesicht und das nicht nur privat, sondern auch mit und in deinem Unternehmen.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels stand, dass Porsche die Initiative "NoLegida" unterstützt habe. Das ist nach Angaben von NoLegida-Mitgliedern nicht der Fall.

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Eine Reaktion
Yuri

Meine Damen und Herren,
jetzt platzt mir aber das Hemd. Demokratie benötigt zwingend die ganze Bandbreite an politischen Meinungen. Und Demokratie kann das auch aushalten. Was in diesem Lande seit Jahren passiert, und zwar von moralisch überlegenen bzw. denen, die sich so fühlen, ist eine Art des Linksfaschismus. Jeder unbescholtene und i.d.R. unpolitische Bürger, der sich eine Kritik an der Einwanderungspolitik anmaßt, wird sofort in die rechte Ecke gestellt. Nazi! Das Killerargument. Killerargument allerdings nur für die Demokratie. Es ist absolut nicht verwunderlich, dass so viele tolerante und an Diversität interessierten Bürgern einfach in der rechten Ecke bleiben, in welche diese gestellt wurden. Nicht aus Überzeugung, sondern weil ein objektiver Austausch über Meinungen nicht mehr möglich ist.
Dieser Artikel ist ein Paradebeispiel für Gesinnungsjournalismus. Aufstehen gegen Rechts.
Aufstehen für Meinungsfreiheit und objektive Berichterstattung. Das wäre ein angemessener Aufruf. Ich möchte hier auf die offiziellen aktuellen Statements aus der Staatsanwalt zu den Vorkommnissen hinweisen.
Und abschließend: Ja, es waren echte Neonazis in Chemnitz unterwegs. Und deren Verhalten ist inakzeptabel. Aber wieso werden nicht die "Normalos" gesehen? Was viele Normalos auch überhaupt nicht verstehen, ist die Toleranz des Staates gegen der linksradikalen Antifa und Co. Als Reaktion auf ein paar versprengte Nazis werden von Staatsschutz beobachtete Bands mit staatsfeindlichen Texten und Gedankenwelten aufgefahren. Ist das besser? Ich kann das ebenfalls nicht akzeptieren, es recht nicht, wenn diese Events aus der Staatskasse bezahlt werden. Das ist noch steigerungsfähig: Wieso unterstützt der Staat Linksextreme?
Faschisten an beiden Seiten des Spektrums sind inakzeptabel. Stattdessen muß wieder eine offene Meinungsäußerung möglich sein damit Demokratie leben kann.

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