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Unternehmen riskieren Klagen: „Divers“ fehlt in fast jeder zweiten Stellenanzeige

Das dritte Geschlecht muss auch in Stellenanzeigen berücksichtigt werden. (Foto: FotoCuisinette/ Shutterstock)

Inzwischen ist das Geschlecht „divers" gesetzlich verankert: Bei den meisten Unternehmen ist das offensichtlich noch nicht angekommen. In fast jeder zweiten Stellenanzeige fehlt die Angabe des dritten Geschlechts.

Seit Beginn des Jahres müssen Unternehmen in ihren Stellenangeboten das dritte Geschlecht „divers“ berücksichtigen. Wie eine Analyse der Jobsuchmaschine Adzuna zeigt, spricht aber fast jedes zweite Unternehmen in seinen Stellenausschreibungen immer noch nur zwei Geschlechter an – damit riskieren sie eine Klage.

Adzuna hat nach eigenen Angaben 620.000 Stellenangebote vom 25. Januar analysiert. Demnach nennen nur 55 Prozent der deutschen Unternehmen das dritte Geschlecht in ihren Stellenanzeigen.

Jobsuchende könnten klagen

Das Bundesverfassungsgericht hatte 2017 in einem Urteil festgestellt, dass es mehr als zwei Geschlechter geben müsse. Das Gericht hatte gefordert, dies bis Ende 2018 in das Personenstandsrecht aufzunehmen. Mitte Dezember hat der Bundestag dann beschlossen, das dritte Geschlecht gesetzlich zu verankern. Seit dem 1. Januar 2019 können Personen in Deutschland sich beim Personenstandsregister als „divers“ eintragen lassen.

Jobsuchende könnten sich jetzt auf das Urteil vom Bundesverfassungsgericht berufen und mit Verweis auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz klagen, wenn Arbeitgeber in Stellenanzeigen nur zwei Geschlechter nennen. „Wir empfehlen daher Unternehmen dringend, ihre Stellenanzeigen zu überprüfen“, sagt Inja Schneider, Country Managerin Deutschland bei Adzuna, laut Pressemitteilung.

Sachsen berücksichtigt „divers“ am häufigsten

Laut der Analyse wird das dritte Geschlecht in gut 60 Prozent der Stellenanzeigen in Sachsen genannt. Bei nur knapp 50 Prozent und damit am seltensten findet es sich in Stellenanzeigen aus Schleswig-Holstein. Beim Vergleich der Branchen liegt die Logistikbranche auf dem ersten Platz – hier wird „divers“ in fast sieben von zehn Anzeigen angesprochen. In der IT-Branche steht „divers“ in gut jeder zweiten Anzeige.

Im Verlauf des Januars haben aber offenbar einige Unternehmen bereits nachgebessert: Anfang des Jahres fand sich laut einer Analyse des Startups Taledo nur in einem Drittel der Stellenanzeigen die Angabe des dritten Geschlechts.

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8 Reaktionen
Sascha

Interessanter Artikel. "Jobsuchende könnten klagen" Es stellt sich daher für mich die Frage, wie die ersten Urteile aussehen werden. Ich werde auf jeden Fall die Entscheidungsgründe der Gericht lesen.

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Gramm

Interessanter Artikel! Die Frage wird sich stellen, wann die ersten Jobsuchenden klagen werden. Insofern wäre es interessant anschließend die Entscheidungsgründe des Gerichtes zu lesen. Es bleibt ein spannendes Thema.

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geeky

Bezieht sich das nur auf Stellenanzeige oder auch andere Bereiche (z.B. Shop-Registrierungsformular)

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Jan

Vielleicht will man auch einfach niemand "diversen" einstellen?

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Insomnia

Interessant. Wir hatten erst letztens das Thema in der Firma und sind nach etwas Recherche zum Schluss gekommen, dass man eben NICHT "divers" hinzufügen muss. Könnten Sie mal bitte eine Quelle verlinken bzw. einen Paragraphen bei dem dieses "Gesetz" definiert wird?
Selbst diese m/w Angaben sind schon fragwürdig. Ehemals wurde unter § 611b im BGB verankert, dass Berufsbezeichnungen immer neutral sind. Dies wurde durch das Gleichstellungsgesetzt abgelöst bzw. erweitert, welches aber auch nichts anderes behauptet.

Die Ursache für diesen Ausschreibungs-Trend ist der Beschluss eines Richters bezüglich der Änderungs des Geschlechts einer Intersexuellen Person im Personalausweis. Das hat NICHTS mit Job-Ausschreibungen zu tun.
Was hier also wieder getan wird ist der typische deutsche vorauseilende Gehorsam. Aus Angst es KÖNNTE mal irgendwann ein Problem geben, macht man es lieber so, statt vors Gericht gezogen zu werden. Zum Glück gibt es noch Unternehmen, die sich nicht vor diesem Kampf drücken ;)

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(m)ännlich(w)eiß(d)eutsch

wo ist der Like Button für die Kommentare ? ;)

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Torsten Reinecke

“Sachen berücksichtigen “divers” am häufigsten” der, die, das? ;)

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Patrick

Weiterlesen. Sachsen ist gemeint.
Fragt sich nur warum Geschelchter überhaupt genannt werden, ist das nicht egal?

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