Upday-Produktchef Jan-Eric Peters: „Die besten Geschichten erreichen über eine Million Zugriffe“
Seite 2 / 3Nein, so dramatisch ist das nun auch wieder nicht, und es gibt sicher schlimmere Arten von Belagerung … Ich freue mich natürlich über das Interesse! Wir haben einen journalistischen Anspruch und machen Upday auch, um Journalismus in schwierigen Zeiten zu stärken. Da ist jeder redaktionelle Kontakt willkommen. In einigen Ländern sind inzwischen sogar Titel dabei, die sonst nur über eine Paywall zu erreichen sind, aber ihre Inhalte für die Nutzer von Upday kostenfrei zugänglich machen. Gerade läuft beispielsweise ein Test mit einem bekannten Wirtschaftstitel aus London, der da sonst sehr strikt ist. Aber die Kollegen sehen, dass sie über Upday neue Nutzer erreichen, die bislang noch keinen regelmäßigen Kontakt mit ihrer Marke hatten. Die Medienbranche ist ja sehr auf Apple eingeschossen, das merke ich immer wieder bei meinen Gesprächen mit Publishern. Dabei nutzen in Europa und auch weltweit viel mehr Menschen Samsung-Handys.
t3n.de: Wobei Apple-Nutzer immer noch zahlungsbereiter sind.
Ja, wahrscheinlich ist das so. Allerdings hat sich das in den vergangenen Jahren sehr relativiert. Für die Flagship-Geräte von Samsung wird auch viel Geld bezahlt. Das neue Galaxy Note 9, das gerade auf den Markt gekommen ist, kostet beispielsweise 1.000 Euro.
t3n.de: Und Sie selbst haben dann auch vom iPhone auf ein Samsung-Smartphone gewechselt?
Natürlich. Das fühlte sich die ersten zwei Wochen komisch an, weil die Funktionalität doch eine andere ist. Mittlerweile schätze ich die Android-Welt aber sehr – auch unabhängig vom Job. Auf einiges würde ich jedenfalls nicht mehr verzichten wollen, zum Beispiel auf den Return-Button oder die Fotoqualität.
t3n.de: Upday hat ja vor allem eine solch enorme Reichweite, weil es auf so gut wie allen Samsung-Smartphones, die in den meisten europäischen Ländern verkauft werden, vorinstalliert ist. Aber wie viel Prozent der Smartphone-Käufer nutzen die App dann auch aktiv?
Erfreulich viele. Es sind mehr als zwei Drittel, die uns regelmäßig über lange Zeit nutzen. Wir haben das gemeinsam mit Samsung untersucht: Nach einem Vierteljahr sind immer noch 73 Prozent der Erstnutzer an Bord. So kommen wir aktuell auf mehr als 25 Millionen aktive Nutzer, die monatlich mehr als sechs Milliarden Seiten bei uns aufrufen. Wir definieren „aktive Nutzer“ dabei streng, um uns nicht selbst zu belügen. Man kann ja auch zufällig auf die sogenannte „Minus-Eins-Seite“ des Smartphones geraten. Wir zählen einen Nutzer deshalb erst dann, wenn er mindestens sechs Sekunden bei Upday war. Nach herkömmlichen Maßstäben der Unique-Nutzer läge unsere Nutzerzahl also sogar noch höher.
t3n.de: Was ich mich allerdings frage: Viele nutzen vielleicht die Nachrichten-App ihres Samsung-Geräts – aber wie viele davon wissen wirklich, dass sie Upday nutzen?
Wenn es um die Bekanntheit einer Marke geht, wäre ich auch erst mal skeptisch. Ich erinnere mich ja leider selbst nicht immer, wo ich etwas gelesen habe und welche Marke dahinterstand. Allerdings sagen mehr als 60 Prozent der Nutzer, auch das hat die repräsentative Studie mit Samsung ergeben, dass Upday für sie ein Grund wäre, sich beim nächsten Mal wieder für ein Samsung-Smartphone zu entscheiden. Also gibt es offenbar sehr viele, die unsere Marke kennen und schätzen.
t3n.de: Wie sieht es geschäftlich aus? Fließt Geld von Samsung an Springer oder umgekehrt?
Zu Vertragsdetails kann ich keine Auskunft geben, aber die initiale Idee der Partnerschaft mit Samsung war ja, den möglichst besten mobilen Newsservice für Smartphones weltweit zu entwickeln. Dafür haben beide Seiten investiert. Samsung stellt einen Premium-Platz auf den Geräten zur Verfügung, Upday ist ja fast schon eine Art Visitenkarte des Handys. Das ist ein unschätzbarer Wert für uns und damit lässt sich auch Geld verdienen.
t3n.de: Über Werbung?
Ja, das ist unser Geschäftsmodell. Das könnte in Zukunft noch erweitert werden, vielleicht über zusätzliche publizistische Produkte. Aber absehbar sind wir praktisch ausschließlich über Werbung finanziert. Die kommt zum guten Teil von Programmatic-Anzeigen, aber natürlich auch durch direkt verkaufte Kampagnen: Sechs der zehn größten Autohersteller weltweit haben schon bei uns geworben, dazu international namhafte Kunden wie Microsoft und Vodafone oder hierzulande die Bahn und die Post.
t3n.de: Und die Erlöse gehören 100 Prozent Springer?
Ja, diese Werbeerlöse gehen an Upday. Doch die Publisher profitieren auch: Sie monetarisieren den zusätzlichen Traffic, den sie durch Upday direkt auf ihre Seiten bekommen.
t3n.de: Ist Upday für sich genommen profitabel?
Wir sind immer noch ein junges Startup und keine drei Jahre alt. Aber unser Ehrgeiz gilt nicht nur dem Produkt, sondern auch dem wirtschaftlichen Erfolg. Anfangs haben wir uns bewusst auf den Aufbau der Reichweite konzentriert und nicht auf die Vermarktung. Aber jetzt steht das Werbegeschäft im Fokus. Wir können uns da nicht so viel Zeit nehmen wie die Tech-Riesen im Silicon Valley oder in China, die erst nach sieben oder acht Jahren darüber nachdenken, wie ein Dienst auch Geld verdienen kann. Weil uns Journalismus wichtig ist, beschäftigen wir anders als andere Aggregatoren auch noch viele Journalisten, das kostet zusätzlich Geld. Aber wir sind wirtschaftlich auf einem sehr guten Weg.
t3n.de: Springer hat ja hart für das Leistungsschutzrecht gekämpft. Nun betreibt Springer mit Upday selbst einen Aggregator, bei dem das Leistungsschutzrecht zum Tragen kommen müsste. Zahlen Sie?
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Upday ist ein Grund warum das nächste SmartPhone keine Samsung sein wird. Diese vorinstallierte App ist mir dermaßen auf den Nerv gegangen, bis ich sie umständlich deaktivieren konnte.
AntwortenAch, da bin ich aber froh das ich diese genannten Handys nie nutze. Third Party vorinstallierte Apps…soso
AntwortenDas kenn ich noch.. richtig M$ Windows. Da war bei Erstinstallation stundenlanges saubermachen angesagt, um den ganzen Müll loszuwerden. (und anderes mehr..) Danke, nicht nochmal. Ich such meine Apps lieber selber aus.
Gezwungene Propaganda, zumal man im Gegensatz zum damaligen Windows mittlerweile weder bei Windows 10 noch Android sowas von der Platte werfen kann und nur schlummernd „deaktivieren“ wobei warum auch immer manche Apps sich gar nicht deaktivieren lassen (wohl je nachdem wie viel man zahlt?) oder sich heimlich irgendwie wieder reaktivieren, aber trotzdem ein nichtverwendetes spionierendes dasein fristen.
News selektiert man auch nicht aus, egal ob extremistisch links oder rechts – man sucht die Gemeinsamkeit aller Quellen und bietet die gebündelt an, soll sich doch jeder selbst ein Bild machen – umso mehr Quellen zu einer Nachricht umso besser. Es gab mal irgendwann früher Sonntag morgens im ZDF eine Sendung, die hat einfach Zeitungen zu bestimmten Themen zitiert. Interessierte konnten sich so unabhängig einer Zeitung eine Meinung machen. Heute darf schon gar nicht einer den anderen zitieren und kann richtig viel schaden anrichten (zumindest nicht gewerblich).
Wer es unverblümt will, klappert eh selbst News-Aggregatoren ab. Presseportal.de – was ich da sehe, sind fast durchgängig selbsterstellte kostenlose Pressemeldungen diverser Unternehmen gemischt mit Polizeimeldungen die – und das ist das schlimme, mehr oder weniger ungeprüft / unverändert den Weg in gängige Zeitungen finden und als eigenes Erzeugnis gehandelt werden.
@Upday: Angagiert euch, aber nötigt niemanden!
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