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Urlaub braucht kein Mensch, aber Mensch braucht Urlaub

Sommerzeit ist Urlaubszeit. (Foto: Shutterstock-Day2505)

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Worauf sich Berufstätige eigentlich freuen sollten, löst bei vielen eher Unruhe aus. Vacation-Shaming sorgt für schlechtes Gewissen. Eine Unart, die Schlimmes bewirkt!

Urlaub braucht kein Mensch, aber Mensch braucht Urlaub. Dagegen stellen sich maximal Personen, für die Arbeit zum Statussymbol geworden ist. Und das können sie meinetwegen auch tun. Zumindest solange es nur sie selber betrifft. Anders ist das, wenn eben jene Menschen sogenanntes „Vacation-Shaming“ betreiben – also wenn sie ihren Kollegen ein schlechtes Gefühl bereiten, nur weil sie in den wohlverdienten Urlaub gehen wollen. „Büro ist Krieg“ hieß es mal in einer berühmten deutschen Comedy-Serie über den Alltag hinter deutschen Schreibtischen. Das wird kaum deutlicher als bei diesem Thema. Zu sagen, dass das eine Unart ist, wäre noch untertrieben! Es ist großer Mist, anderen den Urlaub zu missgönnen.

Vacation-Shaming? Urlaub ist verdient!

Ich habe es erst kürzlich erlebt, dass eine Bekannte nach drei Wochen im August gefragt und der Chef ihr vorwurfsvoll geantwortet hat: „Drei Wochen ist ganz schön lang. Wer soll dann hier Ihre Aufgaben übernehmen?“ Die Folge: Sie hat sich nicht nur verunsichern lassen, sondern sogar ein schlechtes Gewissen gehabt, weil sie überhaupt nach freier Zeit gefragt hat. Ein Familienmitglied erzählte vor Jahren ebenfalls, dass die Kollegen es gar nicht gut fanden, als er für ein paar Monate ins Sabbatical ging. „Ah, der reist jetzt schon durch die Welt, während wir hier durchziehen müssen!“ Ganz im ernst: Es ist doch nicht sein Problem, dass die alles schlucken? Steht auf und kümmert euch selbst um euer Leben.

Eine Befragung unter Berufstätigen hat ergeben, dass diese Beispiele keine Einzelfälle sind. Ein Viertel der Millennials fühlt sich extrem unwohl dabei, deren Vorgesetzte nach Urlaub zu fragen. Im Vergleich haben nur sechs Prozent der älteren Angestellten über 55 Jahren ein schlechtes Gewissen und Schuldgefühle. Und etwa die Hälfte der jüngeren Angestellten nimmt nicht alle Urlaubstage in Anspruch, die ihnen zusteht. Vielleicht ist das etwas, das die Jungspunde noch lernen müssen. Urlaub ist verdient. Und Urlaub sollte auch genommen werden. Und wenn Chefs oder Kollegen ständig ein Fass aufmachen, sobald man sich mal Erholung gönnen möchte, muss ich leider an dieser Stelle den Tipp geben: Sucht euch einen neuen Arbeitgeber!

„Urlaub braucht kein Mensch, aber Mensch braucht Urlaub.“

Ich weiß, dass das hart klingt. Aber sich gelegentlich eine Auszeit zu nehmen ist wichtig für das Wohlbefinden, für die eigene Gesundheit. Menschen sind keine Maschinen, die im Akkord laufen können. Nicht zuletzt in der vernetzten Welt werden Berufstätige ständig mit Informationen torpediert, die sie verarbeiten müssen. Da ist es notwendig auch mal den Stecker zu ziehen. Und zwar nicht nur für ein langes Wochenende, sondern auch mal für zwei, drei, wenn nicht sogar vier Wochen am Stück. Es gibt nichts erholsameres für Körper und Geist als für drei Wochen zu wandern oder einfach nur am Strand herumzuliegen und in Büchern und Magazinen herumzublättern. Oder einfach mal einzuschlafen und aufzustehen, wenn einem danach ist.

Vor allem Kreativität lebt von Pausen. Die eigene Vorstellungskraft profitiert erheblich von anderen Reizen. Neue Erlebnisse führen zu frischen Perspektiven. Frische Perspektiven zu neuen Ideen. Und neue Ideen zu Lösungen. Davon profitiert das Unternehmen – und somit nicht zuletzt auch missgünstige Chefs und lästernde Kollegen. Andererseits kann eine Kultur des Vacation-Shamings dazu führen, dass Menschen sich weniger erholen, fortan ausbrennen und im Zweifel irgendwann eine lange Krankmeldung einreichen. Depressionen und Burnout gehören schon heute zu den häufigsten Gründen für Fehlzeiten. Und das kommt nicht von ungefähr. Wer das nicht begreift, ist einfach nur peinlich.

Übrigens, auch dieser Beitrag könnte dich interessieren: Arbeiten trotz Urlaub – 70 Prozent der Berufstätigen sind für den Chef erreichbar

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3 Kommentare
Bidi

Seit wann „fragt“ man nach Urlaub. Die Anzahl an Urlaubstagen ist vertraglich geregelt. Was den Zeitpunkt und Dauer angeht, wird die Urlaubsanfrage eingereicht und dann eben genehmigt oder nicht.

Es geht doch lediglich darum dass der Zeitpunkt abgestimmt wird, damit eben nicht alle gleichzeitig Urlaub machen. Verstehe den Artikel nicht, wirkt arg konstruiert.

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Bidi

Ergänzung:
„Und wenn Chefs oder Kollegen ständig ein Fass aufmachen, sobald man sich mal Erholung gönnen möchte, muss ich leider an dieser Stelle den Tipp geben: Sucht euch einen neuen Arbeitgeber!“

Ist mir zwar selbst noch nie untergekommen aber diesem Punkt stimme ich uneingeschränkt zu! ;)

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Micha
Micha

„Es gibt nichts erholsameres für Körper und Geist als für drei Wochen zu wandern oder einfach nur am Strand herumzuliegen und in Büchern und Magazinen herumzublättern. Oder einfach mal einzuschlafen und aufzustehen, wenn einem danach ist.“

Und wenn man kleine Kinder hat, bleibt das auch im Urlaub ein Traum. :D

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