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Startups

Valleycon Silly: Wie mir ein Taxifahrer meinen Job erklärte

„Wenn dir der Taxifahrer Startup-Tipps gibt, dann bist du im Silicon Valley, oder in Las Vegas.“ (Quelle: flickr.com/john-pozadzides)

Im Silicon Valley stehen Nerds und Digital Natives im Zentrum der Gesellschaft. Hier erzählt dir sogar der Taxifahrer etwas über die neusten Startups. Ein Grund mehr für unseren Korrespondenten Moritz, sich dort wohlzufühlen.

Moritz Stückler berichtet für t3n als Korrespondent aus dem Silicon Valley. In seiner Kolumne „Valleycon Silly“ schreibt er über all das, was ihm abseits der tagesaktuellen Nachrichten begegnet. Anhand von Alltagserlebnissen nimmt er die kulturellen Unterschiede zwischen den USA und Deutschland – natürlich vorzugsweise in Bezug auf Technik und Startups – unter die Lupe.

Eine Taxifahrt in Las Vegas als Beispiel für das Silicon Valley

Das Taxi sah aus wie alle anderen: ein weißes Auto irgendeiner asiatischen Marke mit der Silhouette eines kleinen Geländewagens. Darauf klebten rote und blaue Streifen und Schriftzüge. Ich gab dem Fahrer zu verstehen, dass ich ins „Hard Rock“-Hotel wollte. Ein weiterer Termin inmitten von vielen in dieser Januar-Woche: Es war Messezeit in Las Vegas und die „Consumer Electronics Show“ (CES) trieb tausende Besucher wie mich in die Stadt. Und auch wenn Las Vegas nicht mehr in Kalifornien, geschweige denn im Silicon Valley liegt, war diese Taxifahrt dennoch so repräsentativ für das Silicon Valley, dass ich sie an dieser Stelle einfach niederschreiben muss.

„Wenn dir der Taxifahrer Startup-Tipps gibt, dann bist du im Silicon Valley, oder in Las Vegas.“ (Quelle: flickr.com/john-pozadzides)
„Wenn dir der Taxifahrer Startup-Tipps gibt, dann bist du im Silicon Valley, oder in Las Vegas.“ (Quelle: flickr.com/john-pozadzides)

Ich weiß nicht mehr, ob der Fahrer seinen Namen nannte, jedenfalls handelte es sich um einen Mann, den ich auf mindestens fünfzig Jahre schätzte. Auf den ersten Metern dann das übliche Geplänkel: „Na, wegen der Messe hier?“ – „Ja, genau, wir sind zwei Journalisten aus Deutschland.“ – „Und, schon Highlights entdeckt?“ – „Nein, nicht so richtig, relativ mau dieses Jahr.“

Spannende Recherche-Tipps vom Taxifahrer – WTF?

Bis hier hin hätte das Gespräch auch überall anders auf der Welt stattfinden können. Aber als ich dann begann, zu erklären, dass die „Pebble Steel Smartwatch“ nach drei Messetagen immer noch zu meinen Highlights zählt, obwohl es ja nur eine optische Überarbeitung des bestehenden Modells ist, sprang der Fahrer auf meine Argumentation an und meinte, Wearables seien ja prinzipiell ein sehr interessanter Markt, und ob ich denn ein paar Tipps und Ideen für spannende Firmen bräuchte. Natürlich sagte ich zu, der Mann holte sein iPhone aus der Tasche und rief eine Notiz auf. Anschließend referierte er die gesamte Fahrt hinweg über etwa eine handvoll Firmen, die er in den letzten Monaten beobachtete, und von denen ich als Journalist bisher nur maximal zwei kannte.

Er erklärte mir im Detail warum Fitness-Tracker von Fitbit, Nike und Co schon wieder zum alten Eisen gehören, und wieso ich viel eher eine israelische Firma namens „Angel Sensor“ im Auge behalten sollte. Weil ich immer interessiert nachhakte gab der Fahrer mir irgendwann sein Handy und ich konnte mir den Großteil der Firmennamen auf seiner Liste notieren. Spannende und wertvolle Tipps für meine Arbeit – von einem Taxifahrer! Den Anflug eines Minderwertigskeitkomplexes schluckte ich erstmal herunter.

Eine Taxifahrt in Las Vegas als Beispiel für die Mentalität im Silicon Valley. (Foto: t3n)
Eine Taxifahrt in Las Vegas als Beispiel für die Mentalität im Silicon Valley. (Foto: t3n)

Taxifahren ist sein Hobby, eigentlich ist er wohlhabend

Auf die Frage, woher er sich so gut auskenne, sagte er, dass er selbst mehr als 20 Jahre im Silicon Valley bei diversen Firmen gearbeitet hat, durch den Dotcom-Boom wohl zu beachtlichem Reichtum gekommen ist. Taxifahren müsse er nicht, dass sei nur sein Hobby. Und morgen sei er vermutlich auch der einzige Fahrer in Las Vegas, der während der Messe-Saison Urlaub mache, aber er will selbst auf die Messe und sich auf den neusten Stand bringen.

Eine solche Taxifahrt hätte auch ohne Probleme in San Francisco, San Jose, Mountain View oder Palo Alto stattfinden können. Auch hier wird ein Großteil der Taxifahrer mehr Ahnung von Startups und IT haben, als der Durchschnittsbürger in Deutschland. Und das ist ein schönes Beispiel dafür, wieso ich mich hier im Silicon Valley so wohl fühle: Ich stehe hier in der Mitte der Gesellschaft und bin mit meinem Beruf absoluter Durchschnitt.

„t3n, also etwa so wie Techcrunch?“

Neulich erklärte ich ebenfalls einem älteren Herren von etwa 60 Jahren in einem Starbucks, was ich beruflich mache. Aus deutscher Gewohnheit heraus, wollte ich schon bei Adam und Eva anfangen und die Ausrichtung von t3n erklären, aber nach einigen Sätzen unterbrach mich der Mann und fragte „Also etwa so wie Techcrunch?“ Auch wenn man über den Grad der Übereinstimmung jetzt streiten kann, bejahte ich seine Frage und freute mich darüber, jemandem in weniger als 30 Sekunden meinen Beruf nahegebracht zu haben.

Als Digital Native fühle ich mich in Deutschland als Außenseiter

Eigentlich mag ich solche Buzzwords nicht, aber ich fühle mich mit dem Begriff „Digital Native“ doch ganz gut beschrieben. Wenn es irgendwie geht, möchte ich alles in meinem Leben digital erledigen. Ja, ich lese Bücher auf einem E-Book-Reader, freue mich über Verwaltungsvorgänge die online erledigt werden können, schimpfe nicht darüber, dass man an Autos heutzutage angeblich nichts mehr reparieren könne und ich habe eine iPad-Halterung für das Fußende meiner Badewanne. Und genau mit solchen Eigenschaften zähle ich in Deutschland und in meinem speziellen Umfeld (abseits der Arbeit) als Außenseiter oder als Nerd.

Wer im IT-Bereich arbeitet ist im Silicon Valley in der Mitte der Gesellschaft und kein Nerd oder Außenseiter. (Foto: t3n)
Wer im IT-Bereich arbeitet ist im Silicon Valley in der Mitte der Gesellschaft und kein Nerd oder Außenseiter. (Foto: t3n)

Ich habe Probleme, wenn ich meinen Beruf im Detail der Generation meiner Eltern erklären soll, neue Apps oder YouTube-Videos werden bei Tisch auch als unangebrachtes Gesprächsthema abgetan und wenn ich erzähle, dass ich in der U-Bahn auf dem Weg einen Film auf meinem Handy geguckt habe, ernte ich nur kritische Blicke und Kommentare. Ich würde ja nur im „Cyberspace“ (Zitat!) leben und ich solle doch mehr raus gehen. Da fühle ich mich dann immer ein bisschen ausgestoßen, so als ob mein Beruf gar kein richtiger Beruf wäre, und als ob mein digitaler Lebensstil irgendwie ein Experiment oder nur eine Phase wäre – jedenfalls irgendwie minderwertig gegenüber jemandem der sich die Hände schmutzig macht.

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12 Reaktionen
Christian

Vielleicht sollte man dem Taxifahrer eine eigene Rubrik bei t3n anbieten ;)

PS: Passt zwar nicht wirklich zum Thema aber auf arte läuft heute die Dokumentation "Speed - Auf der Suche nach der verlorenen Zeit".
Gerade wo alles immer schneller (dank Internet und Smartphone) laufen bzw. fertig werden muss bestimmt für einige Workaholics sehr interessant.
http://www.arte.tv/guide/de/040409-000/speed-auf-der-suche-nach-der-verlorenen-zeit

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Zoran

Wie heißen denn nun die tollen Startups im Bereich Wearables? Außer Angel Sensors wurde kein weiteres Startup benannt!

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Axel

Hmm, schon lange nicht mehr in Deutschland Taxi gefahren? Wenn ich ein anregendes Gespräch mit einem Geisteswissenschaftler suche, dann nehme ich mir einfach ein Taxi - die Chancen stehen auch heute nicht so schlecht, auf einen Germanisten oder Kunsthistoriker zu treffen. Aber auch ansonsten müssen Menschen, die einer eher traditionellen Tätigkeit nachgehen, nicht automatisch desinteressierte und uninformierte "Analogheinis" sein, oder?
Ohnehin warte ich darauf, dass es langsam mal wieder ein wenig an Wichtigkeit verliert, in welcher Form (analog, digital, buschtrommel) ich meine Informationen erhalte und nutze. Aber vielleicht muss dafür die Generation "digital native" erst mal aus ihrer spätpubertären "Ich unterscheide mich so sehr von den Alten"-Phase kommen (ui, da ist einer über 50 und kann Smartphone - crazy) ;-)
Ansonsten: nett geschrieben, aber auch ein klein wenig Ausdruck von halb-elitärer Überheblichkeit. Aber trotzdem: nicht minderwertig fühlen, gegenüber jemand, der mit den Händen arbeitet... (woher kommt denn immer dieser Vergleichszwang - ist denn wirklich eines "besser" oder "schlechter?")
Werde mir jetzt erst mal ein paar Surftipps von meiner Metzgereifachverkäuferin holen...

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derheidi

Warum sollte man denn nicht immer online sein? Es ist doch eher eine Sache wie ich mit der Informationsflut umgehe. Aufgrund von Smartphones bin ich eh zwangsläufig immer im Netz. Problematisch wird es doch erst, wenn ich der Meinung bin um 3Uhr nachts einen Facebook-Post oder eine E-Mail zu beantworten.

Ich persönlich kann auch diese Online-Phobie mancher nicht verstehen. Es ist doch genial, wenn ich alles per Mausklick lösen kann und digital vorgehalten wird. Warum denn diese Abneigung? Warum fahrt ihr Auto? Laufen ist doch viel gesünder. Waren die ersten Autofahrer Nerds/Außenseiter? Warum habt ihr Maschinen in der Küche stehen? Weil sie Euch das Leben erleichtern und ihr seid dankbar dafür.

Die digitale Welt macht viele Dinge einfacher und bequemer, warum also nicht annehmen und lernen die Dinge für sich einzusetzen.

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Julia

Hach, was für ein schönes Erlebnis... Aber ich kenne das, meine Freunde sagen auch immer, wenn ich anfange zu erzählen, brauchen Sie einen Duden.... "Du bist nicht allein!"

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Moritz Stückler

@Kai, kephson, floscom: Danke

@Alex: Absolut, es soll nicht heißen, dass ich auch nicht gerne mal komplett offline bin, nicht falsch verstehen.

@Vel: Die Vorstellung der Startups ist nicht der Sinn dieses Stücks. Aber einige davon werden sich in Zukunft sicher auf der Seite finden!

@Mister X.: Da muss ich widersprechen. Genau die besagte „gesunde Abneigung“ halte ich für ein großes Übel. Was nicht heißt, dass man immer und überall online sein muss.

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kephson

Wirklich netter Artikel, danke :-)

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Flo Narr

Netter Beitrag

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Mister X.

Finde die Ansicht deiner Freunde auch gut! Es ist doch wohl schon ein bisschen lächerlich, wie viele Menschen nur noch für das Internet und die Technik leben. Eine gesunde Abneigung ist immer gut und nur weil das in den "großartigen" USA nicht so ist, ist das noch lange nicht richtig so. Bin selber ITler und mache es auch beruflich :D.

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Vel

Wo ist die zweite Seite des Artikels? Wars das? Liest sich eher wie ein Vorwort. Was sind denn jetzt die vielen tollen Startups, von denen Sie noch nie gehört haben? Stattdessen muss ich erfahren, wie Sie in der Badewanne liegen. Toll!

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Alex

Na ja, auch wenn sich die Leute im Silicon Valley besser auskennen, ist der Hinweis, dass es einem sicher gut tut, mal nicht online zu sein, ja nicht falsch. Dass eine fehlende Trennung von Beruf und Freizeit auf Dauer ungesund ist, gilt weltweit.

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Kai

Klasse Artikel - Danke dafür!
Genau das richtige für den morgendlichen Kaffee... :-)

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