Karriere

ValueMyCV prüft, ob dein Lebenslauf knallt – und was du wert bist

Den eigenen Lebenslauf hochladen und eine realistische Einschätzung zur Vollständigkeit sowie eine Gehaltsempfehlung per Algorithmus kriegen? Ja, das soll gehen. Das verspricht zumindest ein britischer Dienst, der aktuell den Schritt nach Deutschland wagt – die Rede ist von ValueMyCV. Unser Autor Andreas Weck hat ihn getestet.

Lebenslauf komplett? Eigenen Marktwert realistisch eingeschätzt? ValueMyCV sagt es dir

Das Versprechen klingt erst einmal vollmundig: „Bei der Bewertung des eigenen Lebenslaufes werden zahlreiche Faktoren inklusive Ausbildung, Berufserfahrung und auch die angegebenen Fähigkeiten analysiert sowie das Gehaltsgefälle zwischen Nord-, Süd-, Ost- und Westdeutschland miteinbezogen“, heißt es beispielsweise in einer Pressemeldung der Firma. „Als Ergebnis erhält der Nutzer eine statistische Einschätzung des eigenen Marktwertes, basierend auf dem deutschen Arbeitsmarkt.“

Dabei beziehe sich das Ergebnis immerhin auf 50.000 anonymisierte Lebensläufe und Gehaltsdaten, die von einer Personalagentur bereitgestellt wurden.

Und: Für die Einschätzung brauchen Nutzer nicht viel zu tun: Der Lebenslauf wird einfach hochgeladen – beispielsweise als PDF- oder Word-Datei – und anschließend analysiert das Tool den Bildungs- und Karriereweg sowie die inhaltlichen Bereiche des Dokuments. Letzteres geschieht dabei denkbar einfach: Ist die E-Mail-Adresse enthalten? Wurden angemessene Überschriften genutzt? Ist der Dateiname sinnvoll gewählt? Standardinhalte im Grunde.

Heraus kommt – in meinem Fall – eine Vollständigkeit der Lebenslauf-Daten von 40 Prozent sowie ein Marktwert von 69.559 Euro. Ähm, wo bitte darf ich unterschreiben?

ValueMyCV ist schnell, aber ungenau – noch?

Wie hoch ist mein Marktwert? ValueMyCV verrät es dir – und prüft nebenbei deinen Lebenslauf. (Screenshot: t3n.de)

Wie hoch ist mein Marktwert? ValueMyCV verrät es dir – und prüft nebenbei deinen Lebenslauf. (Screenshot: t3n.de)

Unser Schnelltest funktioniert tadellos, die Genauigkeit lässt allerdings Fragen offen. Zur Vollständigkeit meines beruflichen Werdegangs heißt es beispielsweise, dass eine Lücke im Lebenslauf zwischen dem Dezember 1986 und dem Januar 2013 bestehe. Merkwürdig, wurde ich doch erst im Juni 1986 geboren – was übrigens auch im Geburtsdatumsfeld zu finden ist. Nicht die einzige Ungereimtheit.

Auch der Marktwert ist außergewöhnlich, ja fast schon schmeichelhaft, aber realistisch? Wohl kaum. Ein Redakteur meines Alters, trotz beruflicher Auslandserfahrung, dürfte wohl kaum auf ein Jahresgehalt von knapp 70.000 Euro hoffen – weder in Hamburg, Berlin noch in München oder in Hannover, wo ich aktuell gemeldet bin. Interessant vor allem auch: ValueMyCV ist an eine Job-Börse angeschlossen. Die als beste Treffer markierte Anzeige präsentiert mir eine Praktikantenstelle in der Steuerberatung.

Das Fazit müsste „Durchgefallen!“ lauten, keine Frage – wäre da nicht eine Kleinigkeit: Das ValueMyCV-Lebenslauf-Tool befindet sich derzeit im Beta-Status, also im mittleren Entwicklungsstadium. Der Hersteller, die britische Firma Adzuna, hat sie derzeit lediglich zu Testzwecken veröffentlicht und es ist völlig normal, dass noch viele, manchmal auch schwerwiegende, Fehler enthalten sind.

Nur drei Prozent der Stellenanzeigen enthalten Gehaltsangaben

Das Programm basiert auf dem sogenannten CV-Parsing, einer gängigen Software-Methode im Personalwesen, die das strukturelle Verarbeiten von Lebensläufen möglich macht. Die Genauigkeitsquote ist im Grunde ziemlich gut. Die Technologie weitestgehend entwickelt. Im britischen Heimatland ist ValueMyCV etabliert und schafft sogar ein ganzes Stück weit Gehaltstransparenz.

Hierzulande werden jedoch selten bis gar keine Gehaltsangaben abgegeben. Einer eigenen Analyse von Adzuna zufolge sind es sogar nur drei Prozent aller Stellenausschreibungen, die einen entsprechenden Hinweis enthalten. Üblicher ist, dass Bewerber einen Gehaltswunsch angeben und der im Laufe des Bewerbungsprozess verhandelt wird. Das macht die Geschichte undurchsichtig. Auch deshalb hat man sich wohl auf die Gehaltsdaten der eingangs erwähnten Personalagentur stützen müssen.

Wer den Dienst selber einmal ausprobieren möchte, findet das kostenlose ValueMyCV-Lebenslauf-Tool hier. Erwähnt sei an der Stelle aber auch ein deutscher Wettbewerber, der – zumindest was den Marktwert angeht – ein ähnliches Tool namens Skjlls entwickelt. Das allerdings basiert auf freiwilligen Angaben der Nutzer.

via editionf.com

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