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Variable Fonts: Neue Typografie (nicht nur) fürs Web

Schriften setzen für das Web wird bald deutlich flexibler mit variablen Fonts. (Foto: Pixabay)

Die neue Open-Type-Spezifikation 1.8 führt eine geradezu revolutionäre Änderung ein, die man der Versionsnummer gar nicht zugetraut hätte: Schriften passen sich dynamisch den Umgebungsbedingungen an.

Open Type 1.8: Schriftinterpolation im laufenden Betrieb

Schriften können künftig variabel angelegt werden. Das ist insbesondere für Webdesigner eine große Neuigkeit. Anstatt drei verschiedene Font-Dateien für drei verschiedene Stärken der gleichen Schrift einzubetten, reicht es künftig, lediglich einen einzelnen Font zu verwenden. Dieser Font wird dann in der Lage sein, im laufenden Betrieb verschiedene optische Zustände anzunehmen.

Schriftsatz Anno dazumal. (Foto: Pixabay)
Schriftsatz Anno dazumal. (Foto: Pixabay)

Für Fontdesigner ist das nur die konsequente Umsetzung des Designprozesses in das Endprodukt. Denn im Grunde ist Fontdesign ohnehin variabel. Du erstellt ja nicht sechs einzelne Varianten der gleichen Schriftart jeweils von Grund auf neu. Vielmehr interpolierst du von einigen Grundvarianten (Master) aus die sich daraus ableitenden Teilmengen. Mit anderen Worten: Der Schriftdesigner zeichnet eine Schrift einmal und verwendet dann Software, um die Schrift in unterschiedlicher Weise zu skalieren, sowohl hinsichtlich ihres Gesamterscheinungsbildes, wie auch hinsichtlich einzelner Elemente an der Schrift, etwa die Glyphen. Erst am Ende des Designprozesses exportiert er dann die einzelnen Varianten als einzelne Schriftdateien und separiert so den eigentlich homogenen Designansatz in definierte Fragmente.

Künftig wird diese Vorgehensweise nicht mehr erforderlich sein. Vielmehr werden wir im Rahmen unseres eigenen Designprozesses in der Lage sein, diese Interpolationen dynamisch anzusteuern. Besonders interessant ist diese Möglichkeit im zunehmend wichtiger werdenden responsiven Design.

Neben den Schriften brauchen wir ein komplexes Ökosystem

Wenn es doch ohnehin schon seit langem Teil des Prozesses im Schriftdesign ist, kann es ja wohl nicht so komplex sein, magst du jetzt denken. Das allerdings stimmt nicht. Die Komplexität des Themas bestimmt sich ganz wesentlich dadurch, dass eine ganze Reihe unterschiedlicher Disziplinen betroffen ist, deren Repräsentanten alle an einem Strang ziehen müssen, um uns letztlich in die Lage zu versetzen, variable Fonts durchgängig zu verwenden.

Da dürfen wir jedenfalls von Glück reden, dass sich direkt vier Branchengrößen, nämlich Adobe, Apple, Google und Microsoft, hinter die neue Spezifikation stellen und sie ganz maßgeblich gestaltet haben. Um variable Fonts im Web überhaupt anzeigen zu können, bedarf es leistungsfähiger Rendering Engines. Mit Google, Apple und Microsoft haben wir die Hersteller mit dem kumuliert höchsten Marktanteil direkt mit am Tisch. Auch der Browserüberbau dürfte damit gesichert sein. Adobe wiederum ist nicht nur ein großer Anbieter von Schriften, sondern auch Marktführer bei den Designwerkzeugen. Denn Designwerkzeuge, die das neue Format erzeugen können, brauchen wir natürlich auch.

Um einen ersten Eindruck davon zu bekommen, wie die dynamische Interpolation variabler Fonts aussehen könnte, schau dir die folgende Animation von Erik van Blokland, einem frühen Verfechter dynamischer Schriftmodelle, an.

peace-type

Die Ansteuerung der Dynamisierung wird standardkonform über CSS stattfinden müssen. Die Arbeiten an den erforderlichen Eigenschaften und Werten haben bereits begonnen. Die entsprechende Arbeitsgruppe ist mit Personen aus den involvierten Unternehmen besetzt. Insellösungen, wie seinerzeit Adobes Multiple Master Fonts, werden ganz offenbar nicht angestrebt. Ganz im Gegenteil konnten etliche konzeptionelle Ansätze aus Adobes Lösungsvorschlag in die neue Spezifikation übernommen werden.

Variable Fonts, das SVG der Typografie

Wenn du ein einfaches Bild brauchst, um dir die Funktionsweise vorzustellen, denke einfach an variable Fonts als eine Art Vektorgrafik in Schrift. Du skalierst verlustfrei hoch und runter und änderst jedes beliebige Detail. So wie mit SVG dann eben im laufenden Betrieb, auf der Basis von Breakpoints oder sogar auf der Basis von Interaktion.

Die Möglichkeiten sind vielfältiger, als wir es uns bislang vorstellen können. Schöne neue Welt.

Die offizielle Ankündigung aus dem Hause Adobe findest du im Typekit-Blog.

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