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Veggie-Wurst goes Instagram: So viel Einfluss haben Influencer auf unser Essverhalten

(Foto: Shutterstock)

Von Beyond-Burger bis Veggie-Wurst – pflanzliche Fleischalternativen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Welchen Anteil hat Social Media an diesem Hype?

Von unreiner Haut über Müdigkeit und Bauchschmerzen bis hin zu Krebs: Unser enormer Konsum tierischer Produkte gilt derzeit als Ursprung allen Übels – zumindest wenn man Influencern wie Charlotte Weise und Madeleine Alizadeh alias Dariadaria Glauben schenkt. In ihren Storys und Posts machen sie auf Instagram darauf aufmerksam, welche Folgen Lebensmittel wie Fleisch, Fisch und Milchprodukte auf unseren Körper haben und inspirieren immer mehr ihrer Follower dazu, auf pflanzliche Alternativen umzusteigen. Doch haben Influencer wirklich so viel Einfluss auf unsere Ernährungsweise – vor allem, wenn sie so viel teurer ist als die herkömmlichen Fleisch- und Milchprodukte?

Die Zahlen lügen nicht

Immer mehr wissenschaftliche Studien belegen, dass ein übermäßiger Fleischkonsum für die Gesundheit alles andere als förderlich ist. So kamen unter anderem Forscher der Harvard School of Public Health zu dem Ergebnis, dass Menschen, die regelmäßig rotes Fleisch konsumieren, häufiger an Diabetes, Darmkrebs und Herzkreislaufstörungen erkranken. Die Gründe dafür sind jedoch noch immer nicht ganz klar. Einerseits wird vermutet, dass der hohe Fettgehalt und der rote Blutfarbstoff in Schweine- und Rindfleisch eine krebserregende Wirkung haben. Andererseits wird auch den Inhaltsstoffen, die beispielsweise bei der Verarbeitung zu Wurst verwendet werden, nachgesagt, sich negativ auf die Gesundheit auswirken können. Alles in allem also nicht gerade eine empfehlenswerte Kombi, wenn man Wert auf eine gesunde Ernährung legt.

Und: Auch das weiße Fleisch ist nicht so gesund wie gedacht. Das fanden jetzt Mediziner des Children’s Hospital Oakland Research Institute in Kalifornien heraus. Mit drei Testgruppen wollten sie überprüfen, ob Geflügel- im Vergleich zum roten Fleisch wirklich so gut ist wie sein Ruf. Während eine Gruppe regelmäßig Rind und Schwein aß, kam bei der zweiten Gruppe nur helles Fleisch auf den Tisch. Eine dritte Gruppe verzichtete in der Zeit der Untersuchung komplett auf Fleisch und ernährte sich ausschließlich vegetarisch. Die Ergebnisse der Studie zeigen: Die negativen Auswirkungen auf den Cholesterinspiegel waren bei beiden fleischessenden Gruppen identisch. Klare Sieger waren dagegen die Vegetarier. Ihre Blutwerte stellten sich als deutlich besser heraus.

Alles fürs Klima

Doch nicht nur die körperlichen Schäden werden von den veganen Influencern thematisiert. Vor allem auch die Folgen für unsere Umwelt stehen bei ihnen im Fokus, denn für sie ist die Rechnung ganz simpel: Hoher Fleischkonsum bedeutet weniger Grünflächen und mehr Methan – in Zeiten der weit verfehlten Klimaziele ein echter Umweltkiller. Mit verschiedenen Schaubildern erklären die Influencerinnen deshalb, dass nur eine vegetarisch-vegane Ernährungsweise die Größe unseres CO2-Fußabdrucks verringern kann.

Eine Erklärung, die für viele der Follower plausibel zu sein scheint – und sie zum Kauf von deutlich teureren Alternativprodukten motiviert. Während beispielsweise herkömmliche Wiener aus Schweinefleisch im Supermarkt schon für 35 Cent pro Stück zu haben sind, kostet ein vergleichbares veganes Würstchen mehr als das Doppelte. Die Macht von Social Media macht es möglich und trägt maßgeblich dazu bei, wie wir gewisse Lebensmittel hinsichtlich ihrer Gesundheit und Nachhaltigkeit bewerten. Im Rahmen einer repräsentativen Umfrage in der Schweiz gaben 25 Prozent der Befragten an, durch Youtube zu einer veganen Lebensweise inspiriert worden zu sein. 14 Prozent nannten Facebook als Quelle ihrer Inspiration und 12 Prozent Instagram. Die Verbindung aller Kanäle bietet den Influencern dabei die Möglichkeit, ein veganes Leben erfahrbar zu machen, zu erläutern, auf was man achten muss und Alternativen in Form von veganen Cafés, Restaurants, Kochbüchern und Produkten zu empfehlen.

Auch die Tierrechtsorganisation Peta weiß um den großen Einfluss der sozialen Medien: „Für uns bieten Plattformen mit einer starken Bildsprache die ideale Möglichkeit, um unsere Inhalte zu Tierquälerei, aber auch zu Alternativen, zu platzieren. Auf unseren Instagram-Kanälen können wir zeigen, wie ein veganes Leben konkret aussieht. Viele sind nämlich längst nicht mehr auf der Suche nach dem Warum – sondern nach dem Wie. Besonders beliebt sind deshalb Fragen zu veganen Alternativen oder nach dem veganen Angebot eines bestimmten Supermarkts.“

Die Welle des Erfolgs

Ein Konzept, das funktioniert, denn der Umsatz, der mit pflanzlichen Lebensmitteln erzielt wird, steigt stetig an. Statistiken zufolge lag die Zunahme im Vergleich zu 2016 bei über 60 Prozent. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch hat dagegen abgenommen. Wer es schlau anstellt, kann von diesen Entwicklungen profitieren – mit einem guten Image, ebenso wie mit einer klingelnden Kasse. Ein perfektes Beispiel dafür ist das Traditionsunternehmen Rügenwalder Mühle. „Ende 2014 sind wir mit unserer fleischfreien Linie gestartet. Die Idee entstand aber schon Jahre vorher: Wir haben gesehen, dass immer mehr Menschen weniger oder gar keine Wurst oder Fleisch mehr essen – sei es aus ethischen oder gesundheitlichen Gründen“, erzählt Godo Röben, Geschäftsführer der Rügenwalder Mühle, im t3n-Interview. Sein Unternehmen ist eines der wenigen, das auf die Produktion von Fleisch- und Wurstwaren spezialisiert ist, jetzt aber auch ein breites Sortiment an vegetarischen und veganen Alternativen bietet. „Dazu kommt der enorme CO2-Ausstoß durch die Massentierhaltung“, fährt Röben fort und bläst damit in dasselbe Horn wie vegane Influencer auf Youtube, Instagram und Co. „Uns war schon 2010 bewusst, dass der Klimawandel ein gesellschaftliches Thema von enormer Relevanz ist. Die weltweite Tierhaltung verursacht mehr CO2 als der gesamte globale Verkehr. Und bis 2050 werden wir wahrscheinlich zehn Milliarden Menschen ernähren müssen. Wir brauchen deshalb neue Lösungen, um alle satt zu bekommen.“ Dass das alleine durch den Verkauf veganer Würstchen und Fake-Buletten gelingen wird, bleibt zu bezweifeln – ebenso wie die Heilung von Volkskrankheiten wie Krebs. Vor dem Hintergrund des derzeitigen Stands unserer Wissenschaft scheint es jedoch ein erster, wichtiger Schritt zu sein – und zwar in die richtige Richtung.

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3 Kommentare
Fred
Fred

Sorry, aber das ist lächerlich: Das hört sich ja so an, als würden die ganzen Vegan-Influencer ausschließlich Werbung für Fleischersatz-Produkte machen…

Habt ihr euch die Inhalte mal angeguckt? Es geht da doch eher um vegane Rezepte u.ä., nicht um BeyondMeat & Co.

Fleischersatz ist nur ein Vehikel, um den Omnivoren den Switch zur pflanzlichen Ernährung leichter zu machen. Ich kenne keine (langjährigen) Vegetarier, die auf Fleischersatz stehen.

Antworten
Titus von Unhold
Titus von Unhold

Zumal die Industrieabfälle die da zusammen mit der halben E-Liste vermatscht und als sogenannte „Lebensmittel“ verkauft werden, erst recht undgesund und krebserregend sind.

Antworten
Dennis
Dennis

Nur Fleisch ist doof.
Nur Gemüse ist doof.
Die Mischung macht’s.

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