Ratgeber

Zoom-Alternativen: Videokonferenz-Software im Vergleich

Seite 6 / 6

Jitsi Meet: Fummellösung für Fans

Als Alternative zu Zoom wird unter technikaffinen Anwendern Jitsi Meet hochgehandelt. Es bietet nämlich alles, was das Nerd-Herz begehrt. Es ist open source und lässt sich daher mit genügend Fachwissen auf Schwachstellen durchleuchten. Außerdem werden Datenschutz und Privatsphäre großgeschrieben, weil Videogespräche keine Nutzerkonten benötigen und von Haus aus verschlüsselt sind. Darüber hinaus ist die Videokonferenz-Software an sich vollkommen kostenlos einsetzbar, weswegen sie aus unserem Vergleich etwas heraussticht.

Nix mehr verpassen: Die t3n Newsletter zu deinen Lieblingsthemen! Jetzt anmelden

Geht es einfach darum, mit Jitsi Meet schnell ein Videogespräch auf die Beine zu stellen, zeigt sich die Lösung sehr intuitiv. Es genügt, im Browser oder in den Apps für iOS und Android den Namen für ein Meeting einzugeben und auf „Go“ zu drücken. Anschließend kopiert man die URL und sendet sie an die gewünschten Teilnehmenden. Rufen diese den Link auf, sind sie automatisch drin. Zur Sicherheit aktiviert man am besten noch einen Passwortschutz.

Wie bei einem kommerziellen Anbieter läuft das Videogespräch in diesem Fall über eine Serverinstanz des Jitsi-Projekts. Übliche Funktionen wie Screensharing, Telefon-Einwahl und ein Text-Chat sind dabei integriert. Aufzeichnen lässt sich das Gespräch, indem man die Datei bei Dropbox speichert.

Klingt perfekt. Gibt es überhaupt keinen Haken? Doch, und zwar wenn sich aus dem spontanen Videogespräch ein regelmäßiger Konferenztermin für Großgruppen entwickelt. Dafür sind die Serverkapazitäten des Projekts nämlich nicht ausgelegt. Wer in diesem Fall eine stabile Übertragungsqualität für Videokommunikation im großen Stil realisieren möchte, muss selbst Hand anlagen und das Hosting im eigenen Hause stemmen. Die genannten und weitere Zusatzfunktionen sind eigenhändig via Plug-ins zu integrieren.

Klappt etwas nicht auf Anhieb, hilft im besten Fall die Community weiter, aber kein kommerzieller Support. Für genügend Serverpower und effektives Troubleshooting sind daher unter Umständen doch wieder jede Menge Kosten und Zeit einzuplanen. Das ist die Kehrseite der kostenlosen Open-Source-Lösung Jitsi Meet. Ohne IT-Begeisterte im Team oder ein paar Sysadmins mit freien Kapazitäten im Hintergrund geht nicht viel, wenn die Ansprüche hoch sind.

Fazit: Videokonferenz-Software für alle Zwecke

Der Markt für Videokonferenz-Software bietet eine große Auswahl an Lösungen, mit denen ihr ohne großen Aufwand aus dem Homeoffice heraus mit euren Teams vernetzen könnt. Dabei reichen oft auch schon die Gratisversionen. Wenn sie euch nicht ausreichen, könnt ihr immer auch in kostenpflichtige Bezahl-Abos upgraden.

Die Lösungen unterscheiden sich sowohl in den kostenlosen als auch kostenpflichtigen Varianten in der Zahl der maximal möglichen Teilnehmenden sowie in diversen Extra-Funktionen. Dazu zählen unter anderem die Möglichkeiten, Videogespräche aufzuzeichnen und währenddessen Textnachrichten, Dateien und Ideen auf Whiteboards auszutauschen. Ob Teilnehmende sich mit einem eigenen Account, einem Link oder notfalls per Telefon einwählen können, sind ebenfalls Unterscheidungskriterien.

Besonders schnell könnt ihr beispielsweise mit den kostenlosen Angeboten Lifesize Go und Jitsi Meet Videokonferenzen starten. Sie sind jedoch ebenso wie die Gratisvarianten von Blizz, Slack und Goto Meeting nur für kleine Teams geeignet. Durch eine eigene Serverinstanz könnt ihr Jitsi Meet allerdings auch im großen Stil aufziehen, wenn ihr die Kapazitäten dafür habt. Selbst ohne großen IT-Aufwand nicht so schnell an Gruppengrenzen stoßt ihr mit den Null-Tarifen von Zoom, Webex Meetings und Skype. Wegen einer Goodwill-Aktion vorübergehend auch nicht bei Microsoft Teams.

Wünscht ihr euch eine komplette Kollaborationslösung, ist Microsoft Teams in diesem Vergleichsfeld vorzuziehen. Bei der Alternative Slack sind die Videofähigkeiten einfach zu schwach ausgeprägt. Was Extra-Funktionen betrifft, sticht die Gratisversion von Zoom hervor. Dort gehört vieles dazu, was woanders Geld kostet. Vielredner dürfte aber die Beschränkung auf 40 Minuten pro Gespräch stören.

Solltet ihr Teammitglieder haben, die derzeit im Zwangs-Homeoffice über keinen Dienstrechner und womöglich nicht einmal über einen schnellen Internetanschluss verfügen, ist die Telefoneinwahl wichtig. Bei Zoom, Webex Meetings und Blizz gehört das auch in der Gratisversion zum Funktionsumfang. Bei Jitsi Meet ist das der Fall, wenn ihr die Serverinstanz der Projektbetreiber verwendet.

Passend dazu:

Hinweis in eigener Sache: In diesem Guide erklären wir, wie die Heimarbeit am besten funktioniert und worauf es für alle Beteiligten zu achten gilt. Wir geben dir Tools an die Hand, die Videokonferenzen möglich machen, und erklären, wie Arbeitsschritte für alle nachvollziehbar dokumentiert werden können. Wir geben Workflows-Tipps und verraten die wichtigsten Verhaltensregeln? Hier entlang: Kostenloser Homeoffice-Guide: Produktiv daheim arbeiten!
Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

19 Kommentare
Simon

Ich denke ihr solltet Jitsi Meet auch noch in die Liste aufnehmen. Kostenlos, Open Source und ohne login. Gerde für kleine Firma optimal, da man sich nicht erst mit einem LIzenzmodell und Accounts rumschlagen muss, sondern direkt Produktiv in den Call starten kann: https://meet.jit.si/

Antworten
Florian Warnecke-Niederhofer

Dieser jitsi Server ist oft etwas überlastet. Es gibt aber noch zahlreiche andere, die frei nutzbar sind: https://github.com/jitsi/jitsi-meet/wiki/Jitsi-Meet-Instances
Oder man installiert selbst einen.

Antworten
Wayne
Wayne

Dasselbe dachte ich auch, als ich den Artikel lass. Schade, dass die wirklich gelungene, uneingeschränkte Jitsi Applikation aussen vor blieb… Einfach Raum erstellen, Leute per Link einladen (welche auch per Telefon teilnehmen können), Nachrichten austauschen, Dokumente anhängen… Alles was MS Teams kann, nur gratis :)

Antworten
Carola
Carola

Zu Skype schreibt ihr, „Dazu loggen sich alle mit einem Microsoft-Konto ein. “ Das ist nicht korrekt, es besteht die Möglichkeit, Besprechungen per Link freizugeben, mit diesem können die Teilnehmer als „Gast“ mit einem eigenen Namen teilnehmen.

Antworten
Berti Kolbow-Lehradt

Vielen Dank für den Hinweis. Die Stelle ist korrigiert.

Antworten
Heiner
Heiner

Der Abschnitt zu Teams sollte von jemand überarbeitet werden, der sich damit auskennt. Für Audio-Dial-in braucht man keine E3-Lizenz, um die Option zu buchen und man (hier Office 365 Business Pro) kann auch Gäste einladen, die mit Klick auf den Link ganz ohne MS Account an einem Videomeeting teilnehmen können.

Antworten
Berti Kolbow-Lehradt

Danke für die Hinweise. Der Aspekt mit Einladungen per Link ist korrigiert. Die Tarif-Voraussetzung für Telefoneinwahl in Videokonferenzen prüfe ich und ändere sie gegebenenfalls. Die aktuelle Textstelle basiert auf der mir vorliegenden Preisübersicht.

Antworten
Günter Thomas
Günter Thomas

Mir fällt noch Jami als Video-Chat ein. Skype ohne Microsoft. Funktioniert sehr gut.

Antworten
Carlo
Carlo

Warum stellt Ihr immer ausführlich Zoom vor ohne auf die eklatanten Sicherheitsmängel und der unfreiwilligen Datenübermittlung an FaceBook hinzuweisen?

Warum stellt Ihr nicht Jitsi vor?

In meinen Augen habt Ihr wirklich eine schlechte Wahl bei Euren Video All Tools gefunden. Das deklassiert Eure Redaktion eindeutig!

Antworten
Dieter Petereit

Augen auf und genau geschaut. Wir berichten auch sehr deutlich über die Kritik an Zoom.

Antworten
nextcloud
nextcloud

Was ist mit Nextcloud?

Antworten
Olaf Winterscheidt
Olaf Winterscheidt

Wolltet ihr Jitsi als Geheimtipp für sich behalten? :)))

Antworten
Silvester Schmidt

Guter Überblick. Mir fehlen allerdings Aussagen zur technischen Qualität und Stabilität der einzelnen Tools. Teilweise eignen sich die vorgestellten Systeme nicht für den professionellen Einsatz, weil es häufig zu Bild- und Tonabbrüchen kommt. Das sind m.E. die Gründe für den Siegeszug von Zoom.

Antworten
Quin Drupel
Quin Drupel

Discord ist zwar für den Bereich Gaming konzipiert, bietet aber viele Anpassungsmöglichkeiten und die Audioqualität ist mittlerweile auch ziemlich gut.

Antworten
Helmut
Helmut

Ich muss hier mal meine Tipps mitteilen, gerade weil immer nur die selben Online Anbieter genannt werden, die noch nicht einmal Full HD Video oder gar Ultra HD Video unterstützen. Wir nutzen seit 5 Jahren TurboMeeting was sehr stabil seit Jahren läuft und auf Dauer auch besser für Unternehmen geeignet ist. Unbegrenzt viele Benutzerkonten ist nicht nur der einzige Vorteil, es ist eine echte On Premises Server Lösung. Durch den Kauf entstehen auch nur einmal Kosten, und nicht Jahr für Jahr wie bei den Miet-Angeboten. Oder wer z.B. gerne einen WebRTC Server möchte der kann unter https://www.phone-power.com/ ein Angebot anfordern.

Antworten
U. Perl

Zu Webex Meetings schreibt Ihr: „Die App läuft auf allen gängigen Plattformen…“ – Entweder ist für damit für Euch wohl Linux nicht „gängig“ oder die Installation mit einem 32bit-Flash zählt als „läuft“.
Lange Rede … – unter Linux ist mit Cisco Webex Meetings nicht viel los.

Antworten
Berti Kolbow-Lehradt

Danke für den Hinweis. Ich habe den Aspekt ergänzt.

Antworten
Martin
Martin

Die meisten dieser Tools hier sind aus meiner Sicht im beruflichen Alltag eher als schwierig zu bewerten, und ich habe tatsächlich alle auch selbst getestet. Gerade bei den SaaS Angeboten aus den USA ist einerseits Datenschutz ein Thema, andererseits ist die Qualität seit Beginn der Krise stark eingebrochen – Audio geht fast immer noch gut, aber das Video ist teilweise deutlich unter SD.
Es gibt außerdem inzwischen auch genug Anbieter von Open Source Lösungen, so dass man diese nicht mehr selbst hosten muss, da sollte auch Big Blue Button erwähnt werden. Das kommt zwar eigentlich aus dem Bildungsbereich, wurde aber von einigen Anbietern für die Business Nutzung adaptiert, bspw. hier: https://www.slowfoodfast.de . Deren Testserver kann man auch umsonst benutzen. Eigentlich braucht niemand mehr Zoom!

Antworten
Ronald
Ronald

Trember ist auch eine interessante neue Alternative – sogar aus Deutschland! Komplett kostenlos und ohne Registrierung. Funktioniert gut am Desktop und auch mobil – auch mit vielen Teilnehmern. Ermöglicht Screensharing, Fotos und sogar YouTube Videos teilen. Bin gespannt wie die sich weiterentwickeln. http://app.trember.com/

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung