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Virtual Reality: „Wir haben in Hannover richtige Hidden Champions“

(Foto: t3n.de)

Fragt man nach Startup-Standorten in Deutschland, denkt man wohl an Berlin, Hamburg oder Köln. Ein unerwarteter Standort für Virtual Reality aber ist: Hannover. Hier hat sich eine Community entwickelt, unter anderem unterstützt von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft hannoverimpuls GmbH.

Der fliegende Besen von locomotionVR war Besuchermagnet der CeBIT 2016. (Foto: t3n.de)
Der fliegende Besen von locomotionVR war Besuchermagnet der CeBIT 2016. (Foto: t3n.de)

Als Gunnar Gertzen im letzten September auf der Eventseite Meetup eine Gruppe mit dem Namen „Hannover Virtual Reality Meetup" erstellte, dachte er nicht, dass seine Idee auf so fruchtbaren Boden fallen würde. Doch von vorne, denn in den letzten acht Monaten ist im Bereich Virtual Reality viel passiert.

Das wohl größte und älteste VR-Meetup im deutschsprachigen Raum findet in Berlin statt. Schon im Juni 2013 wurde die Idee dort ins Leben gerufen. Selbst das größte Meetup dieser Art in New York wurde erst im Dezember des selben Jahres begonnen. Obwohl Hannover also relativ spät dran zu sein scheint, spezialisieren sich immer mehr Startups auf dieses Themengebiet.

Unerwartete Synergien seit der CeBIT 2016

„Eigentlich habe ich nur Gleichgesinnte zum Austausch gesucht.“ Der Organisator und Initiator Gertzen entwickelt aktuell Messe- und Eventlösungen für Virtual Reality mit seiner Firma locomotionVR. Sein fliegender Besen war der Besuchermagnet auf der CeBIT 2016. Viele Besucher nahmen Wartezeiten von bis zu einer Stunde in Kauf, um sich zum ersten Mal die Oculus Rift aufsetzen zu können und für wenige Minuten eine Runde auf einem fliegenden Hippogreif zu drehen, einem Tier aus der Harry-Potter-Saga. Durch die zwei vorherigen Meetups in der Region entstanden Kontakte – und daraus seine maßgebliche Beteiligung an der Umsetzung und Planung des Virtual-Reality-Bereichs auf der CeBIT.

„Das in Hannover so viele Firmen schon an VR-Lösungen in allen möglichen Bereichen arbeiten, hätte ich nicht gedacht. Da entstehen aktuell wirklich sinnvolle und unerwartete Synergien“ meint Gertzen. Durch den Beratertag von hannoverimpuls bekam er Kontakt zu Joscha Kukemüller, Projektleiter für Branchenentwicklung und Internationalisierung. Schnell einigte man sich auf die Ausrichtung des ersten Meetups in der Landeshauptstadt. Seit seiner Beteiligung und Planung bekommt die Idee einen stärkeren wirtschaftlichen und überregionalen Aspekt.

Auch die ersten Entwickler und Firmengründer siedeln dank dieser Initiative schon nach Hannover um.

Der Ruf der „grauen Stadt“ hat Vorteile

Full Body Motion Tracking aus dem Haus VR Bits. (Screenshot: Youtube)
Full Body Motion Tracking aus dem Haus VR Bits. (Screenshot: Youtube)

Einer der ersten VR-Developer ist Daniel Pots mit seiner Spieleschmiede VR Bits. Ursprünglich in Dresden ansässig, zieht ihn der aktuelle Ruf der „grauen Stadt" nach Hannover. „In Hannover erscheint mir noch nicht alles so durchdemografisiert zu sein wie in anderen Städten“, meint Pots. Außerdem ziehe er gerne in Gegenden, deren Potenzial erst noch erkannt werden müsse. „Ein Umzug nach Berlin, Hamburg oder Leipzig erscheint mir wie sich ‚ins gemachte Nest zu setzen.‘“

Pots entwickelt mit seinem globalen Team, das durch Gründer Mark Schramm auch im australischen Canberra angesiedelt ist, für die Oculus Rift das Spiel DarkfieldVR, einen Weltraum-Co-op-Space-Shooter. Doch auch andere Titel für andere Plattformen sind in Planung, sei es das GravLab für die HTC Vive, ein physikalisches Geschicklichkeitsspiel in der virtuellen Welt, oder ein Survival-Spiel für die Samsung GearVR. „Ich finde Themen spannend, die sich am Rand der aktuellen Forschung bewegen. Kurzfristig werden Enterprise- und Business-Apps in der VR wichtig sein, da die Brillen noch in zu kleinen Stückzahlen auf dem Markt sind, um mit Software für den Endkunden Geld zu verdienen“ meint Pots.

Doch bis dahin versucht er anscheinend, möglichst breit aufgestellt zu sein. Wichtig ist ihm, dass das Potential der aktuellen VR-Lösungen kommuniziert wird. „Viele heutige Entscheider und Investoren erinnern sich noch sehr gut an den VR-Hype der 90er-Jahre und sind auch dieser neuen Welle skeptisch gegenüber.“

Das Potential des Dorfs in der Stadt nutzen

Die Stadtteile Linden und Nordstadt stehen bei Studierenden hoch im Kurs. (Screenshot: Google)
Die Stadtteile Linden und Nordstadt stehen bei Startups hoch im Kurs. (Screenshot: Google)

Auf den Zugewinn von Daniel Pots und sein Team ist Joscha Kukemüller besonders stolz: „Was wir von hannoverimpuls versuchen ist, zu unserer gesetzten ‚alten‘ IT die neuen digitalen Branchen zu erschließen.“ Das sei nicht einfach, wenn man sich als Mitbewerber anderer deutscher Städte begreife. „Würde ich nur die Zahlen nennen, mit denen wir Gründern unter die Arme greifen, ist das kein besonderes Alleinstellungsmerkmal. Finanzielle Unterstützung bekomme ich auch in jeder anderen größeren Stadt bei einer Idee mit Potenzial.“

Viel hilfreicher sei es, das Dorf in der Stadt und die enge Vernetzbarkeit darzustellen. „Wir haben hier in Hannover richtige Hidden Champions im Bereich Virtual Reality, die vernetzen wir gezielt und bauen um sie herum eine Struktur auf. Das birgt viel mehr Potential als mit der reinen Unterstützung bei Finanzierbarkeit und Realisierung.“

So entstehen um das Meetup weitere Startup-Weekends oder Hackathons, dazu kommt eine spezielle Unterstützung der Hochschulen und Firmen, die am Bereich Virtual Reality und Augmented Reality Interesse haben. Bei vielen jungen Gründern sei der Industriestandort Hannover noch nicht gerade hoch im Kurs. „Dabei haben wir mit dem bald neu gestalteten Maschinenbau-Campus ab 2019 und der Leibniz-Universität sowie den ansässigen Hochschulen einen sehr guten Rahmen, der gerade auch in der etablierten Spielebranche erkannt wird.“ Vor allem aber sei auch der Lebensunterhalt noch sehr günstig, die Infrastruktur gut und die nationalen und internationalen Anbindungen hervorragend.

„Hannover ist die tollste Stadt der Welt“

Eden wird das erste VR-Spiel aus dem Hause Soulpix. (Screenshot: Soulpix)
EDEN wird das erste Virtual Reality Spiel aus dem Hause Soul Pix. (Screenshot: soulpix.de)

Einer der von Joscha Kukemüller erwähnten „Hidden Champions“ im Bereich Virtual Reality in Hannover ist Soul Pix. Der mehrfach ausgezeichnete 360°-Kurzfilm „Sie heißt jetzt Lotte“ von Annekathrin Wetzel stammt von hier. Frank Sennholz ist Gründer der Medienagentur. Bekannt geworden ist sie durch ihre 3D-Animationsfilme, vom Commercial bis zum Featured Film. In ihrem Kundenportfolio stehen Namen wie Axel Springer, BMW, Bosch oder Sony. Auch andere Agenturen wie Scholz & Friends haben auf die Hannoveraner schon zurückgegriffen.

Aktuell entwickelt die Agentur ihr erstes VR-Spiel „EDEN“. Der Spieler landet durch einen Absturz des eigenen Raumschiffs auf einem unbekannten Planeten, den es zu erkunden gilt. Eine Demo für Oculus gibt es schon im Store, ein namenhafter Publisher ist im Gespräch für die Vermarktung.

Mehr Innovationsfreude wagen

Sennholz sieht die Standortentwicklung allgemein für Deutschland ein bisschen schwieriger. Auf die Frage, welches die größten Herausforderungen für den Standort Deutschland im Bereich Virtual Reality sein werden, antwortet er rational: „Wie in fast allen anderen digitalen Bereichen wird Deutschland hinterherlaufen statt vorneweg. Es ist schwierig, die Talente hier zu behalten und den Mut zu fördern, der bei allen Beteiligten notwendig ist, um Inhalte zu generieren.“

Er appelliert an Entwickler, Unternehmer, aber auch Förderer, mehr Innovationsfreude zu wagen, um wirklich mithalten zu können. Doch mit der Nordmedia und hannoverimpuls gebe es seiner Meinung nach starke Förderpartner, die speziell diesen neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen seien und sich speziell in diesem Bereich stark engagierten. Auch die Fachhochschule hätte früh verstanden, dass man neue Talente fördern muss, um in diesem neuen Segment „mitspielen“ zu können. Außerdem sei Hannover schlicht „die tollste Stadt der Welt“.

Blickt er in die Zukunft von VR, wird seiner Meinung nach der Markt eine ähnliche Entwicklung nehmen wie Smartphones in den letzten Jahren. „VR wird einen großen Teil im Leben vieler Leute einnehmen. VR-Spiele und -Erfahrungen, die heute noch unvorstellbar sind, werden Benutzer so intensiv wahrnehmen, dass es viele klassische Medienangebote nicht einfach haben werden. Es ist halt ein gigantischer Unterschied, ob ich vor dem Content sitze oder mitten drin bin.“

Ein Hafven für Virtual Reality?

Der Co-Working Space Hafven bekommt wohl ein VR-Lab. (Foto: hafven.de)
Der Co-Working Space Hafven bekommt wohl ein VR-Lab. (Foto: hafven.de)

Dass Virtual Reality bei der Freelancer- und Co-Working-Kultur in Hannover hoch im Kurs steht, zeigt auch die Entwicklung im kurz vor der Eröffnung stehenden Hafven. Mit ihm bekommt Hannover einen der grössten Coworking- und Maker-Spaces in Deutschland.

Auf mehr als 2.000 Quadratmetern werden neben Büroarbeitsplätzen vor allem diverse Werkstätte entstehen, in denen sich nach dem Wunsch der Gründer ein eigenes Inkubatorenprogramm entwickeln soll. Im Dunstkreis der Gründer des hannoverschen Coworking-Space Edelstall sind schon weitere Augmented- und Virtual-Reality-Unternehmungen geplant, wie die Webseite andeutet.

Wie geht es in Hannover weiter?

Laut Kukemüller befindet man sich derzeit in intensiven Verhandlungen, ein VR-Lab entstehen zu lassen. Mehrere Brillen wie Oculus Rift, Samsung Gear VR, HTC Vive, Meta, Hololens oder Magic Leap werden voraussichtlich angeschafft und den Nutzern zur Verfügung gestellt. „Es gibt noch zig größere und kleinere Projekte im Bereich VR in Hannover. Aktuell wird zum Beispiel mit einem der größten deutschen Spieleentwicklungsunternehmen eine Kooperation innerhalb der hannoverschen Hochschullandschaft angestrebt. Viele Dinge sind schlicht aber noch nicht spruchreif“, meint Kukemüller.

Firmen, die an der Realisierung von Augmented-Reality-Meetings arbeiten, VR-Filme produzieren oder sich speziell auf die Spieleentwickelung spezialisieren: Eigentlich seien die meisten Besucher des Meetups in irgendeiner Form auch regionale Wirtschaftsunternehmen. „Das ist auch ein Alleinstellungsmerkmal. Bisher verirren sich wenig reine Konsumenten zum Treffen, sondern gebündeltes Potential“ so Kukemüller.

Das Meetup ist nur der Anfang

Doch schon zum dritten VR-Meetup am Samstag, 4. Juni, im Haus der Wirtschaftsförderung gibt es wohl weitere erfreuliche Ankündigungen für die Teilnehmer. „Seit dem letzten gemeinsamen Treffen sind die Endkunden-Produkte der HTC Vive und die ersten Oculus auf dem Markt. außerdem ist die Vernetzung untereinander gewachsen. Es hat sich also einiges getan“, meint Gertzen. Neben der Vernetzung der regionalen Player werden auch Vertreter der Firma Schenker Technologies sowie der Hamburger VR-Nerds anwesend sein.

Und eine Überraschung haben die Veranstalter wohl noch für die Teilnehmer. Welche das ist, darüber schweigen sich Gertzen und Kukemüller jedoch bislang aus.

Interese an einer Teilnahme? Einfach den Button klicken:

meetup_logo_1

Disclosure: t3n ist Partner und Event-Koordinator des „Hannover Virtual Reality Meetup“. Weitere Informationen findest du hier.

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Eine Reaktion
Simon

Ich finds gut, dass Ihr eine brauchbare Bestandsaufnahme Hannovers macht. Vielleicht nehmt Ihr das mal für eine .com-petition der Kommunen und Länder im Bereich Gründerkultur/ Förderklima zum Anlass. Dadurch hätte der Gründer unter den LEsern deutlichen Mehrwert. Wie ist es so, in Aschaffenburg zu gründen? Bekomme ich leichter Coder in Berlin oder Hamburg? Welche regionalen Förderungen gibt es konkret (TOP 100)? Gibt es vielleicht sogar 'hidden comunities' weil in einer Stadt wie Meppen die beste Infrastruktur geboten wird? Ich fände das nicht nur nützlich sondern auch sahne!

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