News

Volkswagen wechselt neuen Software-Chef nach nur 2 Wochen aus

Christian Senger, bald wohl nicht mehr CEO der Car-Software-Organisation. (Foto: VW AG)

Wechsel an der Führungsspitze des Volkswagen-eigenen Softwarehauses Car-Software-Organisation. Christian Senger muss nur zwei Wochen nach seinem Start in dieser Position gehen. Sengers Abgang kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

Sind es interne Machtkämpfe oder eine krasse Fehleinschätzung der Strukturen des Unternehmens? Nach nur zwei Wochen an der Spitze des neu geschaffenen hausinternen Softwarehauses mit dem etwas sperrigen Namen „Car.Software.Org“ muss Christian Senger seinen Platz räumen und verliert damit auch seinen Posten als Vorstand für Digitales der Kernmarke Volkswagen.

Laut dem Handelsblatt, das hierfür mehrere unterschiedliche Quellen im Unternehmen anführt, habe sich Christian Senger mit zu vielen Akteuren im Unternehmen überworfen, unter anderem auch mit dem Betriebsrat, oder sich zumindest unbeliebt gemacht. Der Top-Manager, der bis vor acht Jahren für BMW tätig war, habe übersehen, dass anders als bei BMW, wo viele Grundsatzentscheidungen durch den Vorstand getroffen werden, bei Volkswagen deutlich mehr Instanzen ein Mitspracherecht haben. Es sieht so aus, dass diese Instanzen das gerade bei einem so zentralen Thema wie der Softwaresparte, die für die Unternehmen aktuell von zentraler Bedeutung ist, auch in Anspruch nehmen wollen. Auch wenn Volkswagen eine Stellungnahme zu der Personalie ablehnt, bestätigt das Manager-Magazin diese. Weiter heißt es, VW-Chef Diess wolle Senger aber im Unternehmen halten. Wer sein Nachfolger wird, ist bislang unklar.

Zentrale Software-Einheit als Novum im Volkswagen-Konzern

Senger soll bei Car-Software-Organisation die Entwicklungsarbeit der Softwaresparte zentral mit Fachkräften aus allen Teilen des Unternehmens gebündelt haben – ein absolutes Novum für den Konzern, in dem bisher die Arbeit in den jeweiligen Abteilungen der Einzelmarken aufgeteilt wurde. Ziel des internen Softwarehauses war und ist es, ein zentrales Betriebssystem für die Automodelle der gesamten Volkswagen-Gruppe zu entwickeln – eine Aufgabe, die tatsächlich in vielen Konzernen sinnvollerweise zentral erledigt wird. Bei VW trieb Senger seit 2016 die Elektro-Offensive federführend voran und leitete das Ressort Digital & Car Services.

In seine Verantwortung fiel auch das VW.OS-Thema. Mit Hilfe von VW.OS soll das Unternehmen in die Lage versetzt werden, anstatt der bislang weniger als zehn Prozent Eigenentwicklungen auf mehr als 60 Prozent zu kommen. Gleichzeitig könnte Volkswagen so nicht nur die Lizenzkosten senken und unabhängiger von Google oder Apple werden, sondern sich auch unabhängiger vom Mitbewerb in der Automobilwirtschaft machen.

Diess: Volkswagen will Vorsprung Teslas aufholen

Und eine stringente Vorgehensweise ist hier auch dringend nötig: In den letzten Monaten machte das Unternehmen nämlich reichlich Schlagzeilen aufgrund von Softwareproblemen bei der neu veröffentlichten ID-3-Reihe. Selbst Volkswagen-Chef Herbert Diess erklärte vor einigen Monaten, Konkurrent Tesla sei dem Konzern aus Wolfsburg in Sachen Softwarequalität weit voraus. Teslas Fahrzeuge funktionierten als eine Art neuronales Netz, das dem Kunden alle paar Wochen eine Verbesserung im Fahrerlebnis biete. Gegenüber der Automobilwoche äußerte Diess, dass es eine Vielzahl von Funktionen gebe, die er sich auch für die Volkswagen-E-Autos wünschen würde. Auch andere Quellen hatten bereits einen großen Vorsprung Teslas gegenüber anderen Herstellern wie Volkswagen und Toyota festgestellt.

VW-Chef Herbert Diess kennt Senger aus seiner Zeit bei BMW, wo dieser die Entwicklung der i-Reihe verantwortete, dem Pendant zu den ID-Fahrzeugen bei Volkswagen, bevor er Diess nach Wolfsburg folgte. Umso mehr verwundert dieser Schritt, der aber bei Weitem nicht die einzige Umstrukturierung in der zweiten Führungsebene des Wolfsburger Konzerns ist.

Das könnte dich auch interessieren: 

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Ein Kommentar
MrX Apple
MrX Apple

VW möchte Tesla im Bereich Software einholen? Sorry LOL.
Aufgrund starrer Strukturen und deutlich weniger Softwarespeziallisten wird es nicht gelingen.
Tesla ist eine Softwarefirma mit kleinem Hardwarebereich.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 70 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Luca Caracciolo (Chefredakteur t3n) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung