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Interview

Präsentation halten: Dieser Experte verrät den häufigsten Fehler in Vorträgen

Vorträge und Präsentationen: „Der häufigste Fehler ist, dass das Medium falsch verstanden wird.“ (Foto: Attila Albert)

Vorträge und Präsentationen zu halten, bedeutet für viele Redner gehörig Stress. Dabei gibt es kein perfektes Auftreten, meint Karriere-Coach Attila Albert. Jeder solle seinen eigenen Stil finden.

Viele introvertierte Menschen hadern im Job vor allem mit einer Aufgabe – nämlich: Vorträge und Präsentationen zu halten. Dabei kann das durchaus Spaß machen, insofern man seine Ängste und Unsicherheiten überwindet. Attila Albert ist zertifizierter Coach, ausgebildet mit 350 Trainingsstunden am Institute for Professional Excellence in Coaching in Los Angeles und Chicago. Er spricht mit uns über die Wichtigkeit, seinen eigenen Stil zu finden und andere Redner nicht zu imitieren. Zudem verrät er, was Anfänger, aber auch manche fortgeschrittene Sprecher am häufigsten falsch machen.

Vorträge und Präsentationen: „Der Versuch den Körper zu kontrollieren, scheitert fast immer!“

Vorträge und Präsentationen zu halten, liegt nicht jedem. Menschen (Foto: Shutterstock-Rawpixel.com)

t3n.de: Attila, ich sitze in einem Meeting und mein Kollege versucht die Anwesenden von einem neuen Projekt zu überzeugen. Dabei guckt er immer wieder suchend auf seine Notizen während er mit uns redet. Hat das was zu bedeuten?

Attila Albert: Das kann viele Ursachen haben, wie beispielweise Unsicherheit. Der Kollege hält sich an seiner Karteikarte fest, um den Zuhörern nicht in die Augen sehen zu müssen. Vielleicht enthält sein Vortrag aber auch zu viele Fakten und Zahlen. Dann hat er die Präsentation wie eine schriftliche Ausarbeitung vorbereitet und liest nun die Informationen ab. Auch möglich wäre eine mangelnde Dramaturgie. Dann hat er den logischen Ablauf seiner Präsentation nicht im Kopf oder separat notiert und hangelt sich daher von Karte zu Karte. Eher selten ist, dass jemand die Materie so schlecht kennt, dass er ablesen muss. Die meisten Menschen sind aus Angst und Unsicherheit übervorbereitet.

Worauf sollten Vortragende während einer Präsentationen besonders achten? Gibt es Fettnäpfchen, in die jeder einmal tappt?

Am häufigsten ist, dass das Medium falsch verstanden wird. Ein Vortrag ist keine Ausarbeitung, die möglichst gründlich sein soll und abzulesen ist, sondern mehr wie eine Rede, die überzeugen und begeistern oder bewegen soll. Das heißt: Nur so viele Fakten wie nötig, dafür viel Raum für erzählerische Elemente, beispielsweise eine Ankedote oder persönliche Facette. Zahlenmaterial gibt man seinen Zuhörern besser hinterher als Ausdruck in Form eines Handouts an die Hand. Häufigster praktischer Fehler: Zur Präsentation umdrehen und mit dem Rücken zu den Zuhörern ablesen oder den Inhalt erklären.

Quasi ein Körpersprachefehler. Kann man den immer kontrollieren?

Der Versuch den Körper zu kontrollieren scheitert fast immer und wenn er doch irgendwie gelingt, wirkt man angespannt und roboterhaft. Vortragende machen eine wesentlich bessere Figur, wenn sie sich nicht kontrollieren wollen, sondern versuchen locker zu werden. Wer bei sich etwas feststellt, das ihm nicht gefällt, wie beispielsweise zitternde Hände oder eine angespannte Haltung, sollte eher auf Ursachenforschung gehen. Häufig landet er bei Angst und Unsicherheit, die man besser angehen sollte. Die Körpersprache, die ja unser inneres Erleben ausdrückt, ändert sich dann automatisch. Der Vortragende wird authentisch, energiegeladen, entspannt.

Was sollte der Präsentierende mit seinen Händen und Füßen machen?

Er sollte damit nichts bewusst machen, sondern so natürlich wie möglich bleiben. Im Alltag stellt man sich diese Frage ja auch nicht. Dabei muss jeder Vortragende seinen eigenen Stil finden, der zum Thema und Anlass, aber auch zu seinem Temperament passt. Manche rennen über die ganze Fläche hin und her und es wirkt mitreißend und aufregend, zu anderen passt eher ein ruhiger, zurückgenommener Stil und sie stützen sich gern an einem Tisch oder Pult auf. Um zwei Extreme zu nennen, die beide stilistische Pole illustrieren: Steve Ballmer und Steve Jobs. Ersterer gestikuliert und rennt wild umher. Letzterer bewegt sich ruhig und völlig bewusst.

Wie unterscheidet sich Körpersprache von Land zu Land? Gibt es da Verhaltensweisen, die bei uns absolut notwendig sind, jedoch woanders eher für Unmut sorgen?

„Der Versuch den Körper zu kontrollieren, scheitert fast immer!“ – Attila Albert

Anders als bei der alltäglichen Körpersprache scheinen mir Präsentationen international recht vereinheitlicht und vielfach an amerikanischen Vorbildern orientiert, einer Kultur, die auch im Geschäftsleben der Selbstdarstellung und Selbstvermarktung immer einen hohen Rang eingeräumt hat. Unterschiede sehe ich jedoch beim Vortragsaufbau: Amerikaner starten beispielsweise meist mit einem Witz oder einer Anekdote, fassen dann Thema und These zu Beginn zusammen, bevor sie sie vertiefen und am Schluss erneut zusammenfassen. Das führt zu einem lockeren Einstieg. Und Zuschauern wird schnell klar, ob sie der Vortrag interessiert. Es ist übrigens bei Amerikanern nicht unüblich, bei Desinteresse einfach aufzustehen und zu gehen.

Inwiefern ist das bei deutschen Rednern anders?

Deutsche Redner sind meist ernster und arbeiten ein Thema systematisch, mit einer Zusammenfassung am Ende, ab. Das passt zu einer Kultur, die das als seriös und durchdacht interpretiert und auch mehr die Erwartung an den Zuhörer hat, dass er sich bemüht, bleibt und mitdenkt.

Woran kann man erkennen, ob die Anwesenden wirklich mitdenken?

Ein Vortragender sieht das recht gut: Die Zuhörer spielen nicht mit dem Handy, dösen zusammengesunken auf ihrem Stuhl herum oder gähnen, sondern sind präsent. Sie folgen dem Redner mit ihren Augen, haben interessierte Augen und sind emotional involviert, lachen also beispielsweise an passender Stelle oder reagieren auf eine rhetorisch gestellte Frage. Alles andere deutet auf Unter- oder Überforderung der Zuhörer hin. Diese Energie ist in jedem Fall gut spürbar und wirkt umgekehrt auf den Vortragenden. Die Gruppe trägt ihn im besten Fall.

Was sagt die Kleidung über uns aus?

Möglicherweise gar nichts oder sie gibt einen ganz falschen Eindruck, aber es ist unvermeidbar, dass Zuhörer die Kleidung des Vortragenden immer und immer wieder ansehen und ihre ganz eigene Deutung davon entwickeln. Kürzlich war ich bei einem Kongress im Wiener Rathaus im Festaal mit 18,50 Meter Raumhöhe und vergoldeten Wänden und Decken. Einige Redner kamen in Stonewash-Jeans-Hemden, die sich über den Bauch spannten, zerknüllten Jeans, einige Frauen im geblümten Sommerkleidern und andere in eleganter Geschäftskleidung. Ob ein Zuhörer ersteres als Nachlässigkeit oder Authentizität oder zweiteres als Angemessenheit oder Konformismus deutet, ist seine Sache. Ich würde trotzdem empfehlen, sich immer anlassbezogen zu kleiden.

Welchen persönlichen Tipp hast du für Vortragende unter unseren Lesern?

Seinen eigenen Stil zu suchen, dem auch zu folgen und nicht etwa andere imitieren zu wollen. Das gilt für alle Elemente, von der idealen Gruppengröße vor der man spricht bis hin zu den Notizen. Ich kenne Redner, die für einen 40-minütigen Vortrag nur acht Worte notieren, um die inhaltliche Abfolge nicht zu vergessen und komplett frei zu formulieren. Andere schreiben jeden Satz vorher nieder, lernen den Text quasi auswendig und schaffen es, dass ihr Ablesen wie freie Rede klingt. Grundsätzlich sind lockere Vorträge ohne Slides voller Text am angenehmsten für alle Beteiligten.

Kannst du vielleicht sogar ein Buch zum Thema empfehlen?

Auf jeden Fall! Das beste Buch, das ich zum Thema Vorträge und Präsentationen kenne, und das ich euren Lesern ganz klar empfehlen würde, ist „Confessions of a Public Speaker“ von Scott Berkun. Er erläutert an vielen Beispielen, dass Redner ihre Fehler oft völlig überbewerten, da die Zuhörer bei ihren eigenen Gedanken sind und seine Sorge meist gar nicht wahrnehmen.

Danke für deine Zeit!

Übrigens, auch dieser Beitrag könnte dich interessieren: Körpersprache – So treten Profis während Präsentationen und Kundengesprächen auf

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Eine Reaktion
Anne1985

Ein sehr interessanter Artikel! Ich hatte auch immer so Probleme mit Präsentationen. Da dies in meinem Beruf aber ziemlich hinderlich ist, habe ich mich dazu entschieden, dass ich Rhetorik lernen sollte. Habe auch einen ansprechenden Rhetorikkurs http://deutsche-rednerschule.de/ gefunden, der mir weitergeholfen hat. Aber auch die Tipps in diesem Artikel sind sehr hilfreich!

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