In eigener Sache

Der schwierige Wandel vom Gründer zum Manager: Abschied vom Ego

(Foto: Shutterstock/fizkes)

Wenn ein Startup wächst, ändern sich die Aufgaben eines Gründers. Statt Neues zu erfinden, muss er Prozesse optimieren. Das passt nicht jedem.

In der Wissenschaft sind die Unterschiede zwischen Gründer und Manager klar definiert: Der Entrepreneur durchbricht Traditionen, geht Risiken ein und gestaltet Neues. Der Manager hingegen verwaltet Prozesse und optimiert sie. Das Problem: Obwohl die Typen in der Theorie so klar voneinander getrennt werden, wird in der Praxis quasi erwartet, dass sich Gründer zu einem Manager wandeln. Erfolg hat der, der das Startup bis zum Börsengang führt.

Nur ist das nicht immer sinnvoll. „Für den Typ ‚Manager‘ ist das kreative Chaos in der Anfangsphase, das durch hohe Unsicherheit und wenig Struktur geprägt ist, in der Regel der Horror“, erklärt Heike Hölzner, Professorin an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Deswegen würde man einem Manager nie empfehlen, ein eigenes Unternehmen aufzuziehen. Bei Gründern aber setze man voraus, dass sie, wenn das Startup wächst, vom Zerstörer zum Verwalter werden. Wenn das jemand nicht schafft, wird das sogar mit Scheitern assoziiert. Dabei ist eigentlich klar, dass ein guter Gründer nicht automatisch ein guter Manager sein muss.

Warum die Shpock-Gründer den Chefposten aufgaben

So sehen es zumindest Katharina Klausberger und Armin Strbac. Sie haben die Flohmarkt-App Shpock gegründet. Im Februar 2017 entschieden sie sich, ihren Chefposten aufzugeben. Denn obwohl sie das Startup verkauft haben und die Zukunft des Startups zumindest mittelfristig gesichert ist, konnten sie den „Feuerwehrmodus“, wie Strbac es nennt, nicht ablegen. Die Gründer sahen jedes kleine Problem noch als Bedrohung, als potenziell existenzgefährdend für das Unternehmen.

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Erst durch die Zusammenarbeit mit ihrem Marketing-Manager Bernhard Baumann erkannten sie, dass es auch anders geht: Baumann ging entspannter an Probleme heran, band die Mitarbeiter stärker ein. Die Konsequenz: Die beiden Gründer verabschiedeten sich von der Geschäftsführung. „Man darf sich nicht zu sehr auf seine Rolle versteifen“, sagt Strbac heute. „Wenn man nicht mehr der Beste ist, warum die Rolle nicht abgeben?“

Wie Kreditech-Gründer Graubner-Müller die Transformation zum Manager schaffte

Genau so war es auch bei Sebastian Diemer. Irgendwann gehe es nicht mehr darum, alles neu zu erfinden, sondern den Status quo zu perfektionieren, sagt der Kreditech-Mitgründer. „Mir sind neue Ideen beim Duschen, beim Sport, im Flieger gekommen. Mit einem motivierten Team ist es möglich, diese am gleichen Tag umzusetzen und am nächsten Tag Resultate zu sehen.“ Doch als Kreditech wuchs, funktionierte das nicht mehr. Statt um ständig neue Ideen zu entwickeln ging es darum, Strukturen einzuziehen. Darauf hatte Diemer keine Lust – er entschied sich, das Unternehmen zu verlassen.

Gründer Sebastian Diemer hat Kreditech mit aufgebaut. Heute kümmert er sich um neue Unternehmen wie Finiata oder Digitalkasten. (Foto: Finiata)

Sein Mitgründer Alexander Graubner-Müller aber blieb. Der heutige Kreditech-Chef hat den schwierigen Wandel vom Gründer zum Manager gemeistert. In der Anfangsphase sei sein Führungsstil sehr direktiv gewesen, sagt er rückblickend: Du machst die Powerpointpräsentation, du den Pitch, du die Stellenausschreibung. Heute konzentriert er sich auf Kollaboration und fragt die Führungsebene im Unternehmen nach ihrer Meinung. Der Wandel zum Manager, er ist also nicht ausgeschlossen.

Wie Graubner-Müller diesen Wandel geschafft hat, wie der Führungswechsel beim IoT-Startup Relayr aussah und was sich Gründer bei der Evolution zum Manager von Mark Zuckerberg abgucken können, lest ihr in dem Artikel „Abschied vom Ego“ in der neuen t3n-Ausgabe 49. Zum Heft hier entlang.

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