Porträt

„Es war eine Reise, ein Prozess“ – vom Corporate-Job zum digitalen Nomadentum

(Foto: Shutterstock)

Katsche ist digitaler Nomade, wie er im Buch steht, und teilt auf t3n Tipps, Tricks und Erfahrungen aus seinem Leben – manchmal aber auch Begegnungen mit ungewöhnlichen Menschen. So wie Nyah.

Über Nyah Phams Vornamen kann man stolpern, über sie als Person unmöglich. Auch ich habe ihn ebenfalls erst „Nia“ ausgesprochen, um dann hin zu „Neia“ korrigiert zu werden – bestimmt, aber herzlich. Von ihrer Geburtsstadt Saigon aus führte es die kleine, quirlige Powerfrau schnell auf eine winzige Insel in Dänemark. Von dort aus ging es weiter in die Corporate-Welt als Kommunikations- und Restrukturierungsberaterin mit Stops in Shanghai, Paris und Copenhagen.

Freier leben

Der erste Schritt: Weil ihr das Leben mit ihrem alten Job doch zu sinnentleert erschien, packte sie 2017 die Koffer, um erst einmal eine Auszeit zu nehmen. Auf der DNX-Konferenz in Lissabon erfuhr sie dann über das Leben als digitaler Nomade und war wie von den Socken. Sie nahm sich einen Coach, um einen Weg zu finden, anders, nämlich als Nomadin, zu leben – freier, weniger an einen Ort gebunden und vor allem mit der Möglichkeit, im Winter der Nordhalbkugel in die Sonne der Südhalbkugel zu entfliehen. Wie das genauer aussehen sollte, wusste sie damals überhaupt nicht.

Inzwischen ist Nyah selbst ausgebildeter Life-Coach und arbeitet mit großer Passion daran, Menschen bei Umbrüchen und Herausforderungen zu helfen, sich weiterzuentwickeln und persönliche wie berufliche Krisen zu bewältigen. „Es war eine Reise, ein Prozess“, sagt sie, „aber heute bin ich hier.“

Kunden findet sie an jedem Ort der Welt, spricht mir ihnen persönlich, in Workshops, aber auch über Videokonferenzen und Webinare (sie bevorzugt Zoom) in anderen Zeitzonen. Meistens telefoniert sie, die andere Zeit schreibt sie E-Mails in Cafés oder Parks oder, wenn es konzentrierter zugehen muss, auch im Coworking-Space. „Ich nutze eine Slack-Gruppe für Frauen, die auch als Coach arbeiten, wenn ich meine Zeit sehr effizient nutzen und einteilen will. Es ist wie eine Art Online-Coworking-Space. Wir besprechen unsere Ziele für den Tag, beginnen gemeinsam mit konzentrierten Sprints und erinnern uns an Pausen, ans Mittagessen oder geben uns Tipps bei Abrechnungsfragen“, erzählt sie. „In den meisten Coworking-Spaces ist es ja nicht wie in einem echten Büro, wo du mit Kollegen quatschst, dich austauscht oder mal ne Runde im Bällebad schwimmst.“

Nebenbei organisiert sie zusammen mit einigen weiteren Freiwilligen Events für digitale Nomade in und um Lissabon – inzwischen die größte Gemeinde von digitalen Nomaden auf Meetup weltweit.

Das Leben als Slowmad

Nyah bezeichnet sich als „Slowmad“, denn sie lebt etwa acht Monate im Jahr in Lissabon. Im Winter nimmt sie sich etwa einen Monat Zeit für ein (meist) asiatisches Land, auf das sie Lust hat. Sie lebte schon in acht Ländern, ist zwei Mal um die Welt gereist und freut sich heute darüber, in Lissabon immer mehr auch Gesichter zu sehen, die nicht nur ein paar Tage in der Stadt sind, sondern die bleiben. „Ich würde mich als sehr diszipliniert bezeichnen, aber ich arbeite an einem festen Ort wesentlich disziplinierter und effektiver, als wenn ich die ganze Zeit reise. Lissabon und insbesondere die Nomad-Gemeinde hier, das ist wie ein Dorf. Man kennt sich schnell. Ich sehe bei all den gemeinsamen Aktivitäten manche Leute vier bis fünf Mal pro Woche. Es ist fast wie ein Erasmus für Erwachsene – nur mit weniger Saufen. Jedes Mal wenn ich zurückkomme, verliebe ich mich neu in die Stadt. Sie ist mein Zuhause.“

Wenn Nyah nur ein Buch empfehlen könnte, dann wäre es „Using Your Brain For a Change“. Es hilft ihr, nicht den Autopiloten im Kopf die Oberhand gewinnen zu lassen, sondern ihr Leben und Gedanken im Griff zu behalten.

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