Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Porträt

Nach der Insolvenz: Was der Ex-Cookies-Gründer mit der neuen Bezahl-App Wavy plant

Klarna-Gründer Sebastian Siemiatkowski und Wavy-Initiator Lamine Cheloufi. (Foto: Klarna)

Cookies war 2016 gerade gestartet, da ging die Firma insolvent. Nun versucht es einer der Gründer mit seiner neuen Bezahl-App Wavy unter dem Dach von Klarna. Wie er den Markt überzeugen will. 

Das Produkt von Cookies hielt sich genau 72 Tage: Im August 2016 launchte die Peer-to-Peer-App, zwei Monate später musste das Unternehmen Insolvenz anmelden. Ein Streit über eine Anschlussfinanzierung soll der Auslöser gewesen sein. Der schwedische Zahlungsdienstleister Klarna, mittlerweile offiziell mit einer Banklizenz ausgestattet, übernahm das Team in einem sogenannten Acquhire.

Unter dem Dach des schwedischen Unternehmens wagt einer der Cookies-Gründer nun einen neuen Versuch im Peer-to-Peer-Bereich: Lamine Cheloufi hat in Berlin gemeinsam mit einem 16-köpfigen Team eine neue App gebaut. Wavy heißt der Bezahldienst, mit dem sich Nutzer gegenseitig Geld schicken können. Die Idee: Wenn eine Rechnung geteilt werden muss, braucht es kein Bargeld mehr – das Geld lässt sich via Wavy verschicken. Die App ist ein neues Produkt von Klarna und soll zum Start in 31 Ländern in Europa verfügbar sein.

„Die Insolvenz von Cookies war ein Schlag für uns alle“, sagt Cheloufi rückblickend beim Gespräch in Berlin. „Wir haben so viel Zeit und Energie in die Idee investiert.“ Von der einstigen Hype-App ist nicht viel geblieben: Weil Cookies mit der DKB zusammenarbeitete und in das dortige System integriert war, musste das Team ein komplett neues Produkt bauen. „Du kannst nicht mal eben von der DKB- zur Klarna-Infrastruktur wechsen“, erklärt der jetzige Product-Director.

Was Wavy anders machen will

Der vielleicht wichtigste Unterschied zur Vorgänger-App: die Verwendung. Wer Wavy nutzt, kann per Whatsapp, Google Hangouts oder andere Messenger einen Link an jemanden schicken, ohne dass dieser ebenfalls bei Wavy angemeldet sein muss. Die Person kommt dann über den Link auf eine Seite, auf der sie ihren Namen und ihre Kontonummer angeben kann, und erhält das Geld dann binnen eines Werktages. Wavy verspricht, dass die Daten verschlüsselt weitergegeben werden. „Der Schritt, sich noch eine App runterladen zu müssen, entfällt komplett”, sagt Cheloufi. Das dürfte die Einstiegshürde senken.

Mit Wavy können Beträge via App beglichen werden. Ein spezielles Features: die Emojis als Verwendungszweck. (Foto: Klarna)

Für die Anmeldung bei Wavy muss der Nutzer außerdem kein Konto hinterlegen. Er kann auch erst einmal Geld von jemandem anfragen, das wird dann in seiner elektronischen Wallet gelagert. Damit kann er wiederum selbst Überweisungen tätigen. Durch die Banklizenz von Klarna wäre es für das Unternehmen theoretisch auch möglich, eigene Konten zu vergeben und diese ebenfalls mit Wavy zu verbinden. Noch betätigen sich die Schweden noch nicht in diesem Bereich. Auf Nachfrage von t3n lacht Cheloufi nur, äußern will er sich zu dem Thema nicht.

Was von Cookies geblieben ist, ist die Idee, Überweisungen mit Emotionen zu verknüpfen. Genau wie bei der Vorgänger-App können Nutzer auch bei Wavy Emojis als Verwendungszweck angeben. Die Sticker sind allerdings, anders als beim Vorläufer, selbst gebaut. „Statt Verwendungszwecken nutzen wir bei Wavy nun 3D-animierte Sticker und wollen somit eine jüngere Zielgruppe ansprechen“, sagt Cheloufi. Wavy zielt dabei auf die 18- bis 25-Jährigen ab.

Konkurrenz von Facebook und Apple

Der möglichen Konkurrenz durch Facebook und Apple ist sich der Product-Director bewusst. Beide Unternehmen basteln an Bezahldiensten, beide setzen auf Peer-to-Peer-Payments. Cheloufi sagt zwar einerseits, dass Klarna eine große Marke und mehr als 60 Millionen Kunden in Europa habe. Er sagt aber auch: „Ich kann dir keine goldene Regel nennen, wie man gegen Facebook, Apple und Co. antritt, wenn sie irgendwann in den deutschen Markt eintreten.“

Er will sich erst einmal auf den Markt konzentrieren: Das größte Ziel sei es, dort Relevanz zu erreichen. „Das ist schon sehr kompliziert“, sagt Cheloufi. „Wir müssen das Verhalten der Leute verändern, sodass sie nicht mehr Bargeld nutzen, sondern Wavy, um Rechnungen unter Freunden zu begleichen.“ Sobald das gelungen sei, werde man weitere Dienste anbieten. Denn: „Es gibt kein erfolgreiches Peer-to-Peer-Produkt, das sich nur auf diesen Bereich beschränkt“, sagt Cheloufi. Man müsse schon darüber hinausdenken. Die Zielrichtung ist klar: Irgendwann soll die App auch mit Händlern verbunden sein, sodass sich über die App auch einkaufen lässt. Cheloufi ist sich sicher: „Jetzt geht das Rennen erst richtig los.“

Die Weichen dafür sind gestellt: Durch Klarna im Hintergrund ist die Infrastruktur vorhanden. Und anders als bei Cookies sollte auch das Geld nicht so schnell ausgehen.

Mehr zum Thema:

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.