Porträt

Waytation will das Google Analytics für Messebesuche werden

Das Team von Waytation in Wien. (Foto: Sebastian Freiler / Waytation)

Mit einem Bluetooth-Anhänger will Waytation auswerten, wie Messebesucher ihren Tag verbringen. Eine offensichtliche Datenschutzfalle? Das Startup löst das Problem geschickt.

Müde Füße und ein Stapel Visitenkarten – so fällt die Bilanz eines Messebesuchs normalerweise aus. Dabei ließen sich durchaus interessante Daten über den Verlauf eines Messetages gewinnen, etwa zur Analyse von Besucherströmen. Nur: Ausgeschöpft wurde dieses Potenzial bisher nicht.

Waytation trackt Besucher per Chip

Das soll sich nun allerdings ändern. Dafür sorgen will das Wiener Startup Waytation, das eine Technologie zur Erfassung von Besucherströmen entwickelt hat. Mithilfe von Bluetooth-Chips, die einfach an das Besucher-Badge geheftet werden, lassen sich detaillierte Informationen etwa über die Verweildauer an Messeständen oder in Workshops gewinnen. Auch zurückgelegte Wege über das Gelände sowie besonders frequentierte Orte können so analysiert werden. Die Chips kommunizieren dazu mit einer Vielzahl von Sensoren, die auf dem Messegelände verteilt sind.

So sehen die Chips von Waytation aus. (Foto: Sebastian Freiler / Waytation)

Waytation-Gründer Cemsit Yelgin schwebt auf diese Weise eine Art „Google Analytics für Messebesuche“ vor. „Während in der Onlinewelt jeder Click dokumentiert wird, waren die Möglichkeiten, Besucherströme auf Messen zu analysieren, bisher sehr begrenzt. Das wollen wir nun ändern, um sowohl Besuchern als auch Messebetreibern neue Möglichkeiten der Messegestaltung bieten zu können“, sagt Yelgin.

„Wir sind DSGVO-konform“

Offensichtlich stellt sich hier die Frage nach dem Datenschutz. Wird der Messebesucher jetzt gläsern? Wird er nun Schritt für Schritt vom Stand bis zur Toilette verfolgt? Gerade angesichts der jüngst in Kraft getretenen Datenschutzgrundverordnung erscheint die Idee von Waytation mutig.

Das Startup versichert jedoch, dass es konform zur DSGVO arbeitet. Die gesammelten Daten seien anonymisiert, jedoch kategorisiert, wodurch punktgenau gezeigt wird, welche Zielgruppen sich für welche Vortragsthemen und Messestände interessieren. Die Datenschutzregeln erfüllt das Startup nicht zuletzt auch deshalb, weil nicht die Smartphones der Besucher angezapft werden.

Testlauf auf der Cebit

Auf der Cebit in Hannover startet Waytation erstmals einen groß angelegten Testlauf. 10.000 Chips will das Unternehmen in den kommenden Tagen an Besucher verteilen. Sie werden an den Eingängen zufällig ausgewählt und über das Projekt informiert. Eingesehen werden können die Daten dann über die offizielle App der Cebit.

Logischerweise sind die Erkenntnisse vor allem für den Veranstalter interessant. Sie erhalten mit dem Datenset erstmals konkrete Informationen darüber, wie Besuchern eine Messe oder Konferenz gefallen hat. Daraus lassen sich dann konkrete Handlungsempfehlungen für eine Optimierung des Messegeländes oder des Konzepts ableiten. Die Cebit kann das Know-how in jedem Fall gut gebrauchen.

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