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Interview

Web 3: Diese zwei Männer wollen das Internet neu erfinden

(Bild: Blockstack)

Blockstack ist eines von vielen Startups, die am Web 3 arbeiten. Wir sprachen mit den beiden Gründern über ihre Vision vom dezentralen Internet.

Das Web 3 rückt immer mehr in die öffentliche Debatte. Die Idee dahinter ist leicht zusammengefasst, aber im Detail komplex. Es geht im Kern darum, das Internet als Ganzes – oder zumindest einzelne Aspekte – zu dezentralisieren. Was genau dahinter steckt, erfahrt ihr im t3n-Artikel Web 3: Der Anfang vom Ende der Plattformökonomie ist dezentral. Eine von diversen Ausprägungen dieser Idee verfolgt Blockstack – ein Projekt, dass die beiden Princeton-Absolventen Muneeb Ali und Ryan Shea selbst als „neues Internet für dezentrale Apps“ bezeichnen. Wir trafen die Gründer auf der Blockstack-Konferenz in Berlin.

Ryan Shea und Muneeb Ali von Blockstack arbeiten am dezentralen Internet. Im Interview sprachen sie mit t3n.de über das Web 3. (Bild: Blockstack)

t3n.de: Das Internet war ursprünglich als dezentraler Ort geplant – was ist schief gelaufen?

Muneeb Ali: Das Internet war eigentlich als Ansammlung von verschiedenen Protokollen geplant, die Leute stellen sich das gerne als einen Stapel vor, sodass die Protokolle, die unten im Stapel sind, die sind, die als erste geplant wurden. In gewisser Weise ist das ja dezentral. In den 70ern und 80ern war eine der Vorgaben, dass das Netzwerk einen Atomkrieg überstehen können sollte. Dementsprechend durfte es schon deshalb keine zentralen Knotenpunkte geben, damit eben nicht ein Teil des Netzwerks ausfallen und damit das ganze Internet lahmlegen könnte. Es ist also so entwickelt, dass es Betriebsausfälle abfangen kann und es keinen zentralen Knotenpunkt gibt.

Ryan Shea: Aber das bezieht sich auf die unteren Protokolle. Je höher wir im Stapel gehen, desto eher finden wir zentralisierte Stellen, und sie variieren in ihrer Ausprägung bis zu einem gewissen Grad. So ist zum Beispiel das Domain Name System semi-dezentral, aber die USA waren früher im Besitz aller Root Server, und sie standen unter enormem Druck, sodass schließlich Root Server auch in andere Länder verlegt wurden. Aber das ist trotzdem ein Verbund von, sagen wir, elf oder 17 verschiedenen Beteiligten und wir sind abhängig von diesen Root Servern, das ist nicht wirklich dezentral.

Wenn du eine Website aufrufst, vertraust du de facto einem einzigen Unternehmen. Das ist schon sehr zentralisiert, ein einziges Unternehmen, das all deine Daten und deine persönlichen Informationen verkauft. Man muss sich das auch mal bewusst machen – Unternehmen von der Größe Googles oder Facebooks beruhen auf dem Business-Modell, mehr über dich zu erfahren. Selbst wenn sie es gar nicht wollten, sie können nicht anders. Es sind Aktiengesellschaften, sie müssen auf ihren Börsenkurs achten und gewisse Ziele erfüllen. Es ist also praktisch gar nicht möglich für sie, nicht mehr zu sagen „Hey, ich möchte mehr über diese Person erfahren und passende Werbung ausspielen“, weil es das einzige Business-Modell ist, das sie haben.

Muneeb Ali ist sich sicher, dass die Zukunft des Internets dezentral ist. (Bild: Blockstack)

t3n.de: Ihr habt euch auf die Fahne geschrieben, ein komplett neues Internet zu bauen – das Web 3 quasi. Was heißt das?

Muneeb Ali: Ich habe ja schon diese Stufen des Internet erklärt – wir bauen dafür ein neues Anwendungsgebiet. Wir verwenden die alten Stufen schon weiter, wir erfinden das Rad nicht komplett neu. Aber wir haben ein alternatives Domain Name System, das nicht auf diesen Root Servern basiert. Wir haben auch eine alternative öffentliche Infrastruktur, was bedeutet, dass man sich nicht auf Unternehmen wie Verizon für Sicherheitszertifikate verlassen muss, und wir haben auch alternative Wege zur Authentifizierung, sodass man Unternehmen wie Facebook oder Google nicht benötigt, um sich irgendwo einzuloggen. Und wir haben diesen Datenspeicher.

Der Grund, warum wir es das neue Internet oder auch Web 3 nennen, ist hauptsächlich, weil die Protokolle anders sind, vor allem aber die User Experience. Du brauchst keinen neuen Browser, du verbindest dich mit einem anderen Netzwerk, du kannst immer noch zu Facebook.com surfen, du kannst aber auch unser alternatives Domain Name System nutzen. Das Konzept unterscheidet sich vom herkömmlichen Internet, deshalb sagen wir gerne, dass es ein neues Internet ist.

t3n.de: Statt das klassische Domain Name System verwendet ihr das Blockchain Name System, mit dem man Zookos Dreieck lösen kann. Erklärt doch bitte, was dahinter steckt.

Ryan Shea: Das Problem besagt ja im Grunde, dass es immer gewisse Abstriche geben wird – wenn man also Wert legt auf für Menschen lesbare Benutzernamen, dann kann man das nur sehr schwer dezentral bewerkstelligen. Wenn also zwei Leute denselben Benutzernamen anlegen wollen, muss das Unternehmen entscheiden, wer zuerst kam. Auf der anderen Seite stehen die Benutzernamen, die man sehr einfach dezentral generieren kann, ohne dass es eine einzelne Kontrollinstanz gibt. Da ist es mathematisch sehr wahrscheinlich, dass sie einzigartig sind. Es ist schließlich eine lange Reihe von zufälligen Buchstaben und Ziffern, die man sehr einfach selber generieren kann, ohne sich mit jemandem abzustimmen. Es ist aber unmöglich, einen für Menschen lesbaren Namen zu haben, der dezentral generierbar ist. Das besagt Zookos Dreieck. Und mit Blockchains können wir nun für Menschen lesbare Namen auf einem komplett dezentralen Weg verwalten. Die Leute sagen nun, das ist die Quadratur von Zookos Dreieck und wir haben plötzlich eine Lösung.

t3n.de: Es gibt ja auch andere Projekte, die Lösungen für dezentrale Naming Systems entwickelt haben. Warum nutzt ihr nicht einfach Namecoin oder eins der anderen?

Muneeb Ali: Bei Namecoin stoßen wir leider an einige Grenzen. Wir haben es damit versucht. Letztendlich haben wir unsere eigene Blockchain, ein eigenes Speicher- und Peer-to-peer-System aus diversen, technischen Gründen entwickelt. Dabei hatten wir Sicherheit und Skalierbarkeit im Hinterkopf und wir sind überzeugt, dass unser System besser ist als alles, was derzeit sonst am Markt ist.

t3n.de: Es gibt mit Blick auf ein dezentrales Internet ziemlich viele verschiedene Projekte. Kooperiert ihr mit anderen Teams oder denkt ihr, dass das ein Bereich sein wird, in dem letztendlich nur ein Projekt oder Protokoll sich durchsetzen wird?

Muneeb Ali: Wir sind alle untereinander befreundet, beispielsweise mit IPFS oder Zcash. Grundsätzlich herrscht eine Kollaborationskultur. Wir haben alle dasselbe Ziel, und wenn eins der Projekte eine gute Technologielösung findet, die funktioniert, dann profitieren die anderen Teams auch davon.

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