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Analyse

Web 3: Der Anfang vom Ende der Plattformökonomie ist dezentral

Die Rufe nach dem Web 3 werden immer lauter: Tim Berners-Lee, der Vater des Internets, die Mozilla Foundation und andere fordern ein dezentrales Internet. Die Blockchain könnte dabei eine wichtige Rolle spielen.

In den frühen 1990er Jahren änderte das World Wide Web die Art und Weise, wie Menschen miteinander kommunizieren und sich informieren, nachhaltig. Mit dem Aufkommen von sozialen Medien und E-Commerce-Plattformen entwickelte sich das Web weiter zum Web 2.0. Diese Phase war und ist geprägt von direkten sozialen Interaktionen, die nicht – oder kaum – von Ländergrenzen eingeschränkt werden.

Auch wenn Kommunikation und Business direkt und nach dem Peer-to-Peer-Modell stattfinden, läuft das stets über einen Mittelsmann. Wer zum Beispiel auf Ebay etwas von einem anderen Nutzer kauft, ist dabei auf die Abwickelung der Geschäfte durch den Mittelsmann – nämlich Ebay als Plattform – angewiesen.

Das liegt schlicht daran, dass sich in dieser Phase des Internets Plattformen als „vertrauenswürdiger“ Dienstleister etabliert haben, die die Interaktion zwischen Nutzern und Unternehmen regeln, die sich unter Umständen gar nicht persönlich kennen und sich daher nicht gegenseitig vertrauen können.

Einige Startups arbeiten daran, das Internet mit Hilfe von Mesh- und Blockchain-Technologie in entlegene Regionen zu bringen. (Foto: Shutterstock / GaudiLab)

Als „vertrauenswürdige“ Vermittler machen diese Plattformen gepaart mit einem immer weiter optimierten Content-Discovery-Layer das Leben der Nutzer leicht und bequem. Das Ganze hat aber einen Haken, denn die Plattformen haben die volle Kontrolle über die Daten des Nutzers und können zudem ihre eigenen Regeln aufstellen und bestimmen, wer wann welche Dienstleistung in Anspruch nehmen darf und wer was genau zu sehen bekommt. Das könnte schon bald vorbei sein.

Darum ist das Internet kaputt

Im Prinzip ist das Internet ursprünglich dezentral organisiert, denn es gehört niemandem. Allerdings werden wichtige Teile des Internets mittlerweile von zentralisierten Diensten zur Verfügung gestellt. Egal ob Internet-Service-Provider, Domain-Name-System, Suchmaschinen, E-Mail, Web-Hosting, soziale Medien oder die Cloud – sie alle laufen auf einer begrenzten Zahl von Servern, die von wenigen, dafür aber sehr großen Unternehmen kontrolliert werden.

Das heutige Internet ist geprägt von Plattformen wie Facebook und Youtube. Dezentrale Lösungen für unterschiedliche Bereiche sollen dem Web 3 zum Durchbruch verhelfen. (Bild: Ong.Social)

Dieser Umstand ist der Grund dafür, das eine wachsende Zahl von Menschen das Internet in seiner aktuellen Form als „kaputt“ bezeichnet. Eine zentralisierte Architektur, wie sie in der Plattform-Ökonomie vorherrscht, bringt nämlich gleich eine ganze Reihe an Nachteilen mit sich, die die Urväter des Internet so sicher nicht gewollt haben.

So können Server beispielsweise ausfallen, sodass die Nutzer keinen Zugriff mehr auf wichtige Funktionen haben. Die Besitzer der Server können theoretisch unbemerkt und ohne Zustimmung die Daten von Nutzern verkaufen oder an Regierungen herausgeben. Zensur und die priorisierte Ausspielung von Inhalten (Stichwort: Netzneutralität) sind dank der mittlerweile zentralisierten Struktur des Internet ebenfalls wesentlich einfacher.

WWW und Web 2.0 vs. Web 3

Viele Experten gehen davon aus, dass die Blockchain als Technologie sehr wertvoll auf dem Weg zu einem wirklich dezentralen Internet ist. Warum das der Fall sein könnte, erklärt Steven Johnson im Rahmen eines empfehlenswerten Artikels im New York Times Magazine.

In „Beyond the Bitcoin Bubble“ identifiziert Johnson die Bereiche Sicherheit und Identität als Hauptprobleme des Internets in seiner aktuellen Form und zeigt auf, wie sich diese Probleme mit Hilfe der Blockchain lösen ließen. Er zeichnet ein Bild des Internets, das heute aus zwei aufeinander liegenden Layern besteht. Das „InternetOne“ beinhaltet offene Protokolle wie HTML und TCP/IP und wurde als einfaches und flexibles Datennetzwerk konzipiert. Um das „InternetOne“ so einfach und flexibel zu halten, dass es sich für fast jeden Anwendungsfall eignet, wurden Sicherheitsaspekte und die Verwaltung von Identitäten und persönlichen Daten ausgelagert. Diese Aspekte werden von den Anwendungen des „InternetTwo“, wie Johnson das zweite Layer nennt, übernommen.

Die Blockchain könnte die Bereiche Sicherheit und Identität im Internet standardisieren. (Bild: Shutterstock /phive)

Während das „InternetOne“-Layer auf offene Protokolle setzt, wurden die Protokolle des „InternetTwo“-Layers hauptsächlich von Unternehmen definiert. Aus diesem Grund existieren kaum Standards für die wichtigen Bereiche Sicherheit und Identität. Erst das Fehlen dieser Standards hat es Konzernen wie Facebook, Google oder Amazon ermöglicht, zu Giganten zu werden.

Die Grundidee hinter dem Internet ist in Form von Johnsons Bild des „InternetOne“ also weiterhin dezentral, während das „InternetTwo“ als Layer in erheblichem Maße zentral ist und von einigen wenigen Unternehmen kontrolliert wird. Die Blockchain als Technologie habe das Potenzial, diesen Missstand zu beseitigen, da sie den sicheren Austausch persönlicher Daten für das Validieren der Identität der Nutzer auf sichere und dezentrale Weise ermöglicht, ohne dafür eine zentrale Plattform oder einen Mittelsmann zu benötigen.

Dezentrales Internet in Häppchen

In einem wirklich dezentralen Internet würden das System selbst und Dienste nicht von einigen wenigen Unternehmen oder Organisationen betrieben. Stattdessen würden alle Nutzer und ein Netzwerk unabhängiger Rechner und Server das Netzwerk betreiben. Der Übergang vom plattformgetriebenen Internet zum dezentralen Internet wird nicht radikal sein, sondern sich Schritt für Schritt vollziehen. Es ist aber nicht davon auszugehen, dass das Internet irgendwann komplett dezentral sein wird, denn auch zentralisierte Systeme haben Vorteile, auf die Nutzer nicht verzichten wollen. Sie sind zwar anfälliger für Ausfälle und Angriffe als dezentrale Architekturen, aber gleichzeitig sind sie schlicht schneller und einfacher zu bedienen.

Projekte wie das Interplanetary File System arbeiten an einem alternativen Netz. (Bild: IPFS)

Einzelne Aspekte lassen sich aber durchaus dezentralisieren und unterschiedliche Startups arbeiten bereits mit Hochdruck daran – viele davon setzen dafür auf die Blockchain.

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