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Analyse

Willkommen im Web of (Dis-)Trust: Nur eine Datenschleuder unter vielen

(Bild: Shutterstock / Cienpies Design)

Der Fall gilt als einer der größten Datenskandale 2016: „Web of Trust“ (WOT), mit 140 Millionen Nutzern eine der beliebtesten Browser-Erweiterungen, entpuppt sich als fieser Datenspion.

Der Grund dafür: Der Dienst Silicon Valley entpuppt sich WOT eher als Mini-Oktopus.

Auch Windows protokolliert das Surfverhalten

Beispiel Microsoft: Der Smartscreen-Filter ist ein fester Bestandteil von Windows seit Version 8. Von der Funktion profitieren die hauseigenen Browser Edge sowie Internet Explorer. Seine Aufgabe: Genau wie WOT warnt Smartscreen unter anderem vor betrügerischen Phishing-Sites. Damit das funktioniert, muss Microsoft wissen, welche Internetseite der Nutzer gerade aufrufen will. Diese Informationen schickt Windows also vorab an einen Microsoft-Server, auf dem dann die aufgerufene Seite mit einer Blacklist abgeglichen wird. Das bedeutet: Egal ob Krankheiten, Glücksspiele oder Pornos – Microsoft weiß über alle besuchten Internetseiten eines jeden Nutzer bestens Bescheid.

Datengigant Google lacht über kleine Schnüffeleien wie bei WOT

Natürlich verfügt auch der Google-Browser Chrome über so einen tollen Phishing-Schutz („Mich und mein Gerät vor schädlichen Websites schützen“). Nun sind sicher nicht wenige Nutzer da draußen entweder in Windows mit ihrem Microsoft-Konto oder in Chrome mit ihrer Google-ID eingeloggt. Das bedeutet: Diese Nutzer sind per se identifizierbar. Dieses Millionenheer liefert also permanent komplett personalisiert seine Surfgewohnheiten an profitorientierte US-Unternehmen.

Damit verfügt Google genau wie Microsoft über dieselben Daten wie WOT. Nur ist die Reichweite dramatisch höher und – noch viel schlimmer – die Daten haben unmittelbaren Personenbezug. WOT musste den immerhin umständlich über die besuchten URLs herstellen. Weitere Parallele: Google monetarisiert diese Daten, das ist das Geschäftsmodell. Das interessiert aber offenbar niemanden so richtig. Ganz im Gegenteil: Der Großteil macht brav mit. Aber warum löst dann bitteschön eine Mikrobe wie WOT so ein Erdbeben aus? Ist das Ignoranz oder Blindheit?

Fazit

Willkommen im Web of Distrust, dem Netz des Misstrauens. WOT ist nur ein Anbieter von vielen, der mit einer vermeintlichen Schutzfunktion Nutzerdaten abgreift und diese zu Geld macht. Solche Praktiken gehören im Internet zum guten Ton und nur wenige scheinen das wahrhaben zu wollen. Die Kostenlos-Kultur hat offenbar vielen den Verstand vernebelt. Nichts gibt es im Leben umsonst, das gilt auch fürs Web. Die Währung sind hier Nutzerdaten, vorzugsweise personalisiert mit Klarnamen. Wer damit bezahlen und sein komplettes Privatleben offenbaren will –bitte schön. Ich will es nicht.

Ebenfalls interessant: Online-Tracking von 1996 bis heute: Diese Forscher wollen wissen, wie wir im Web verfolgt werden

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7 Reaktionen
Frank

Umsonst ist der Tod - nur der kost' das Leben! Eine einfache Lebensweisheit, die die Netzgemeinde und die "digital natives" offenbar einfach nicht in die Köpfe kriegt - und sie deswegen anfällig für die klandestin-perfiden "Abrechnungs- und Geschäftsmodelle" macht, die es auf ihre Daten und deren Verknüpfung zu Profilen für die Werbewirtschaft macht - und andere vom Selbstverständnis her manipulative Interessensgruppen.

Die Krönung auf entsprechende Vorhalte sind dann solche Trotzreaktionen wie die leider sehr verbreitete, man habe ja nichts zu verbergen. Snowden hat dazu seine hinreichend deutliche Einschätzung abgegeben.

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Frank

edit: "...Werbewirtschaft abgesehen hat,..." muss es oben natürlich heißen.

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Irrelephant

Ich könnte darauf wetten, dass der Autor nur Apple Geräte sein eigen nennt ... diese Datenkrake wurde nämlich schön ausgeklammert.

NIX ist umsonst!

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Wahrheit wird nicht gern gesehen

http://www.heise.de/ct/artikel/Medion-X18068-Aldi-Fernseher-mit-55-Zoll-im-Test-3503605.html
("hbbtv") suchen.
Ist das dabei dann auch so ?
Kann ja nicht so schwer sein, einen Proxy dazwischenzuschalten. Als Presse darf man es berichten, Forscher werden gerne mit Rechtsmitteln von der Wahrheits-Verkündung abgehalten...
Jetzt kann man ja immer das "böse" Web-Of-Trust als Referenz-Vergleich für vergleichbares Verhalten nehmen.

Davon abgesehen wollen wir mal nicht vergessen, das die Router die bösen Geräte rein- und raus-agieren lassen. Wofür muss eine IP-Kamera UDP-Pakete verschicken ? Muss sie nicht, na also.
Und das man IP-Nummern cached oder Zertifikate bei mehreren Quellen (Firefox, Google-Chrome, Apple-Safari, Wiki-certificates,...) abfragt wovon einer hoffentlich nicht lügt, wollte ich schon vor Jahren. Brauchte natürlich angeblich keiner und wie üblich wurde man gemobbed....
Ohne Prohibitive Strafen wäre die weltweite IT viel sicherer... Das System füllt sich lieber die Taschen und der Bürger ertrinkt in Spam:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Bill-Gates-prophezeit-erfolgreichen-Kampf-gegen-Spam-92319.html
Diese Leute und WINTEL kriegen bald wohl die Bildungs-Milliarden. Aber kleine Programmierer werden von der Verbesserung abgehalten...

Sicherheit war schon immer Unerwünscht...
- Auch Amazon Clouds waren ausgefallen (eigener Fehler und kein Angriff) und das teilwise wohl mehrere Tage. Man muss also immer ZWEI Clouds haben und jeden Monat einen Tag lang eine davon abschalten um zu sehen ob die andere funktioniert.
- wie schon oben geschrieben: die Router sollten ihre Arbeit besser mal ernster nehmen
- tausende weitere Trivialitäten...
...

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Marc Winking

Der Unterschied zwischen WOT und Google ist bedeutend:

WOT hat komplette Datensätze verkauft, also herausgegeben.

Google schaltet Werbung bei Leuten, die für die Werbenden interessant sind, behält aber für sich, welche Daten dafür ausschlaggebend sind.

Google weiss genau, dass der ganze Konzern erledigt ist, würde es solche Sachen herausgeben. "Don't be evil" mag nicht mehr gelten, aber so halodrig wie Facebook, dass auch alles mögliche seiner User preisgib, ist es nicht

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Karl Marks

Richtig; was aber nicht heißt, dass Ihnen die Daten nicht auch gestohlen werden könnten.

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