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Web-Entwicklung: Wie man RSS als Massentechnologie retten könnte

Mein gestriger Artikel zum Ableben von RSS als Massentechnologie hat logischerweise einiges an Diskussion hervorgerufen - und interessante Fakten und Meinungen ans Tageslicht gefördert. Vor allem gab es zahlreichen und auch leidenschaftlichen Widerspruch. Das ist nicht weiter erstaunlich: Wir Internet-Intensivnutzer erkennen den Sinn von RSS und greifen gern darauf zurück. Der durchschnittliche deutsche Internetnutzer aber wird RSS kaum bewusst einsetzen - höchstens, ohne es zu wissen. Aber warum ist das so? Was müsste sich ändern, damit auch der Normalnutzer es versteht?

Natürlich ist klar, dass RSS ein wichtiges Format zur Verbreitung von Inhalten ist. Klar ist auch, dass es Leute wie Euch und mich gibt, die nicht darauf verzichten werden, sich über Feeds auf dem Laufenden zu halten. Die Leser von t3n gehören natürlich mehrheitlich genau zu diesen Leuten, die RSS verstehen und bewusst einsetzen.

Aber darum geht es mir nicht. Es geht mir um den Normalnutzer, für den das Internet auf einer Stufe mit Telefon, Briefkasten und Fernseher steht. Was muss passieren, damit auch der erreicht wird? Hier einige Anregungen von mir und ich bin auf Eure Meinungen dazu gespannt.

Benennung

Es beginnt schon bei der Benennung: „RSS“? „Abonnieren“? Für einen Außenstehenden ist das kryptisch und abschreckend. Schließlich wird für ein „Abo“ normalerweise immer Geld bezahlt - hier aber nicht. Seltsam. Aber was ist überhaupt RSS? Ist das gefährlich? Noch nie gehört. Lieber nicht klicken.

Kurzum: Wir brauchen eine andere Bezeichnung. Bei Blogger heißt es beispielsweise „Dieses Blog regelmäßig lesen“. Experimentiert wird auch mit dem „Follow“-Begriff - schließlich geht es ja darum, dem Blog oder Blogger zu „folgen“. Das sind aus meiner Sicht gute Ansätze, denn dem Nutzer ist es egal, wie die Technik heißt. Er will wissen, wozu sie gut ist und was man damit machen kann.

Oder interessiert es Euch etwa, wie die spezielle Asphaltart heißt, auf der Ihr mit dem Auto fahrt? Nein. Ihr wollt nur von A nach B. Entsprechend ist es dem Nutzer egal, was „RSS“ oder gar „Atom“ ist. Er möchte wissen, welchen Vorteil ihm dieses Feature bringt.

Nutzung

Nächster Punkt: Wie verfolge ich denn nun einen „RSS-Feed“ (oder wie auch immer wir es künftig nennen)? Wenn man draufklickt, passieren jedenfalls die seltsamsten Sachen. Und wer jemals durchschnittliche Internetnutzer beim Surfen beobachtet hat, der weiß, wozu das führt: nachhaltige Abschreckung.

Ich finde es darüber hinaus erstaunlich, wie rudimentär die RSS-Funktionalität beispielsweise selbst im aktuellen Firefox noch ist. Auf der langen, langen Feature-Seite zum Firefox 3.5 kommt RSS als Funktion nicht vor. Es wird einmal beläufig erwähnt, das war's. Gibt es überhaupt irgendwo eine richtig gute, leistungsfähige und trotzdem allgemein verständliche Integration von RSS im Browser? Hinweise dazu gern in den Kommentaren.

Warum überhaupt im Browser? Weil sich niemand eine eigene Software dafür installiert. Und mit „niemand“ meine ich: Niemand außer uns Internet-Verrückte. Für den Nutzer ist ein Feed „auch sowas wie eine Website“. Also muss es im Browser stattfinden.

Natürlich gibt es den Google Reader, den ich selbst ebenfalls nutze. Aber auch der bietet nicht die nahtlose und einfache Integration, die ich für absolut unabdingbar halte.

Nutz man Feeds dann tatsächlich, wird es bald unübersichtlich. Man muss sortieren und selbst selektieren. Hier wären intelligente Mechanismen gefragt, die aufkommende Themen finden und Artikel zum selben Thema automatisch sortieren. Einige Ansätze dafür gibt es bereits.

Hinzu kommt der Mensch als Filter. Nicht umsonst erweitert Google seinen Reader Stück für Stück um Social-Funktionen. Auch sie merken, dass mit dem Anzeigen von RSS allein auf Dauer kein Blumentopf zu gewinnen ist.

Angebot

Und nicht zuletzt handhabt es jede Seite anders, was in ihrem Feed zu finden ist - Überschrift, Anreißer, Text? Mal so, mal so. Unbequem und verwirrend. Nutzer wollen wissen, was sie erwarten können. Und wenn sie zwei Feeds ausprobiert haben und feststellen, dass die Inhalte ihnen keinen Vorteil bringen, sind sie für RSS insgesamt verloren. Sie wissen es einfach nicht besser.

Fazit

Was also aus meiner Sicht unter anderem fehlt:

  • Ein griffiger Name für RSS und fürs „Abonnieren“ des „Feeds“, der auch vom Normalbürger verstanden wird, für den das Internet ein Tool unter vielen im Leben ist.
  • Eine Art Standard, was der Nutzer bekommt, wenn er einen RSS-Feed abonniert. Das meine ich nicht als Vorschrift - logisch. Es geht mir um eine Empfehlung, auf die sich möglichst viele einigen.
  • Eine super-einfache und dabei trotzdem leistungsfähige Integration in ein Tool, das sowieso bereits viele nutzen, beispielsweise ein Browser.
  • Intelligente Zusatzfunktionen und Social-Features in diesem Reader, um die eingehenden Informationen zu filtern und weitere Inhalte zu entdecken.

Das sind alles verschiedene Baustellen, die von vielen verschiedenen Menschen zu bearbeiten sind. Idealerweise gäbe es eine Gruppe, die sich für die weitere Verbreitung von RSS einsetzt und entsprechende Empfehlungen ausarbeitet und veröffentlicht.

Ohne solche Verbesserungen bleibe ich jedenfalls dabei: Für die Masse der Internetnutzer wird RSS ein rätselhaftes Dings bleiben - und weiterhin ignoriert.

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13 Reaktionen
Harald

also ehrlichgesagt habe ich RSS am Anfang auch nur genutzt, weil es alle anderen genutzt haben und ich nur dazu gehören wollte :-))

Die echten Vorteile haben sich mir erst im Laufe der Zeit erschlossen. Deshalb weiß ich nicht, ob nicht doch früher oder später auch die große Masse bei RSS einsteigen wird. Muss sich halt erst mal bis zu den weniger afinen Leuten rumsprechen, was RSS ist und welche Vorteile es bietet und das braucht halt einfach noch ein bisschen Zeit.

Gruß,
Harald

Tobi

@mark: ja, das ist wirklich ein Problem, da geb ich dir recht. Ein Tool für die Maßen wird das nicht. Dafür müsste man es als Online Dienst anbieten, wofür mir momentan die Kapazitäten (Zeit + Geld) fehlen. Vielleicht pack ich das ja mal an, so aufwendig ist das nicht, das noch zu programmieren.

Alex L.

Hi,
eine interessante Fragenstellung hast du angerissen und wenn ich mich in die Zeit vor ein paar Jahren zurückversetze, weiss ich, dass ich damals keinerlei RSS-Optionen nutzte. RSS war erss mit dem eigentlichen Bloggen ein Begriff für mich.

Ich kann es vollkommen nachvollziehen, dass ein Normal-Webuser keinerlei Bezug zu RSS hat. Aber solche User haben bestimmt Lieblingsseiten und ich wette darauf, dass diese Seiten auf einem Zettel notiert oder im Kopf eingeprägt werden. Es sei denn, man hat sich mit RSS bereits vertraut gemacht.

Wenn allerdings nicht, dann ist es schwer, einem durchschnittlichen Inet-Nutzer die RSS-Option auf die Schnelle ans Herz zu legen. Zu deinem Punkt "Bennenung" möchte ich sagen, dass mir als ebenfalls einem Blogleser z.B. die 3 Buchstaben RSS lieber als die Bezeichnung "Blog-Feed" sind. Wenn ich eine Blogstartseite mit den Augen überfliege, fällt das schneller auf. Das RSS-Button ist dabei natürlich sehr vorteilhaft:-)

Für einen Webuser od. SuMa-Gast eignen sich die Bezeichnungen wie "Blog abonnieren" oder "Blog verfolgen" oder "Blogupdates abonnieren" wahrscheinlich viel besser.

Und ich bin dafür, dass man i-wie vom eigenen Webbrowser z.B. extra beim Aufrufen von Blogs und Newssites mit einer Meldung auf die Abo-Möglichkeit hingewiesen wird. Das kann auch ein abschaltbares PopUp inkl. Erklärung vom Begriff RSS sein.

Sven Wagener

Da muss ich Dir vollkommen Recht geben. Damit RSS eine weite Verbreitung findet, müssen sich Mozilla sowie Microsoft allerdings auch dem Thema annehmen. Wenn die kein Interesse daran haben, dann wird sich dahingehend auch nichts tun. Mit Plugins und Rumfrimelei wird das nie was.

Ich denke bei den großen Softwareherstellern, die mit Ihren Browsern bereits auf fast allen Rechnern der Welt vertreten sind (IE und Firefox), muss der Hebel angesetzt werden.

mark

@tobi Ich finde dein Reader spannend, werden ihn gleich mal testen. Nur weiss ich nicht wie ein "normaler" User den installieren soll (Webserver) wenn die meisten es nicht einmal schaffen einen alternativen Browser zum IE zu installieren.

martin

Moin,

einerseits ist das alles richtig, die Hürden sind für den Laien ziemlich hoch und die ließen sich mit den richtigen Maßnahmen deutlich senken.

Andererseits darf man aber auch nicht vergessen, dass viele Laien ein ganz anderes Informationsbedürfnis haben. Die t3n-User wissen mind. im Kern genau was sie wollen, wollen auf ihrem Gebiet auf dem neuesten Stand bleiben und sortieren dann streng ihre Feeds danach aus bzw. fügen neue hinzu, die ins Beuteschema passen. Der Laie hingegen lässt sich gerne berieseln. Sein Fokus ist wesentlich breiter. Er lässt sich auch gerne treiben. Im Prinzip ähnlich dem TV-Programm. Masse und Mainstream gibt es eben auch im Internet. Für diese Art User bietet RSS damit auch kein besonders großen Vorteil, wenn überhaupt.

Ich behaupte sogar, dass das Fehlen eines "Umfelds", also Website mit klicki-bunti Grafiken usw. für diese Zielgruppe wichtig fürs Surfgefühl ist. Also: Ein t3n-User freut sich darüber, wenn sein Reader alle Streams mehr oder weniger glatt zieht und nur die für den jeweiligen Artikel relevanten Bilder und Videos übrig lässt. Dem Laien wäre diese Informationsdarbietung viel zu homogen und trocken!

Von 100 Usern ist RSS vielleicht für 5-10 spannend. Von denen nutzen 1-2 heute RSS - um mal richtig wild zu schätzen :)

Tobi

Stimme nur zu. Ist echt schade das RSS, was einfach ein super praktisches Werkzeug ist kaum Verbreitung findet. Eine aktuelle Umfrage von mir bestätigt das nur. Dort wissen über 50% nicht was RSS ist.

Hauptproblem sehe ich in der Unterstützung von RSS durch Tools. Ich habe selbst viele Monate nach einen vernünftigen webbasierten RSS Reader gesucht. Die gewöhnlichen Reader sind unübersichtlich oder unpraktisch. Der Google Reader kommt für mich aus datenschutztechnischer Sicht nicht in Frage und wenn man sich selbst gehostete Reader ansieht, so findet man tiny tiny RSS (für mich hinsichtlich der Usability zu unpraktisch und überladen), Gregarius (wird nicht mehr weiterentwickelt, entsprechend funktioniert der Reader bei vielen Feeds nicht) und fever (kostenpflichtig, domaingebundene Lizenz).

Deshalb hab ich die letzten Monate selbst einen RSS Reader programmiert und stelle ihn kostenlos als OpenSource Projekt zur Verfügung. Dabei habe ich mich primär nach meinen eigenen Wünschen orientiert und vor allem eine vernünftige Unterstützung für Multimedia Inhalte wie youtube, deviantart, flickr usw. eingebaut. Diese findet man leider bei keinem anderen Reader.

Wer die gleichen Probleme hat, kann gerne den Reader testen: rsslounge

Viele Grüße
Tobi

Ralf

Die Abgrenzung zwischen Professionals und Normal-Usern ist sehr wichtig. Das sehe ich jeden Tag in meinem Betrieb. Da ist bei vielen der "Browser" schon ein Fremdwort. Von den Technologien ganz zu schweigen.
Ich finde das FF-AddOn "RSS-Ticker" hervorragend. Das liest meine abonnierten Feeds aus, sodass ich kein Extra-Proggi dafür brauche. Ich habe quasi immer im Blick, was aktuell ist: sehr feine Sache.

Zum Begriff "abonnieren": Die These von Jan Tißler teile ich. Auch "Atom" ist nicht gerade positiv besetzt. Um bestimmte Technologien in die breite Menge zu bekommen, müssen Entwickler vor der Benennung mehr an die Usability denken - da gehört die Wort-/Begriffswahl m.E. nämlich auch dazu.

Tobbi

Wie bereits oben genannt, die Implementation im Opera Browser. Zum einen erhält man eine Feed-Vorschau, kann das Feed entweder im internen Feed-Reader, aber auch bspw. für den Google Reader abonnieren.

Zudem kann man einem Link "Erfahren Sie mehr über Feeds" folgen, der erklärt was Feeds sind und wie man mit Ihnen umgeht.

Nico

Sorry, ich bin da anderer Meinung. Der normale User brauch gar nicht zu wissen, was RSS ist und soll es auch gar nicht. "Wieder so ein Ding wie CSS, HTML, XML, Rest, Soap - was ist das alles?". Es brauch mehr Services, die RSS einfach nutzen und an den normalen User heranbringen. Ich meine noch mehr und bessere Dienste wie Bloglines, Rivva, GoogleReader usw., die dem Benutzer mit Hilfe von RSS die neusten Inhalte nahe bringen. Welche Technik dahinter steckt, kann Herrn oder Frau Normalo doch egal sein. Meint ihr nicht? RSS wird auch schon in Massen genutzt, man merkt es nur meisst nicht.

Bianca

Dieser Artikel spricht mir aus der Seele. Nicht, weil ich kein RSS benutze (geht´s noch ohne!? ;)) sondern weil ich einige "Normaluser" kenne, die nicht mal annähernd den Sinn darin begreifen. Und das sind nicht nur Menschen, die keine Ahnung von Technik haben sondern auch Ingenieure die tagtäglich im Netz unterwegs sind und sich regelmäßig in Fachforen aufhalten.

Ein Tipp von mir, den ich auch schon auf meinem Blog kürzlich ausführlich vorgestellt habe ist der Firefox-Addon Feedly (http://bit.ly/DqhR7 ). Gibt es schon seit längerer Zeit und ich nutze und liebe ihn. Ist aber natürlich für niemanden geeignet, der von Haus aus IE nutzt, da er Browserunterschiede einfach nicht kennt.

Schwierige Frage aber durchaus sehr interessant. Und: Es lebe RSS! :))

Viele Grüße
Bianca

derschreckliche

Die Feed-Integration im Opera Browser finde ich sehr gelungen.
Aber leider nutzen den ja nicht so viele, allem kaum ein Normalnutzer...
Schade eigentlich.

Christian Leu

Tolle Analyse der ich vollkommen zustimmen kann. Die meisten Web 2.0 User meinen immer dass sich alle genauso für das technische Zeugs interessieren. Dabei will die grosse Masse nicht mal wissen was ein RSS ist. Ich versuche auch immer wieder meinen Blog so zu gestalten dass die breite Masse etwas damit anfangen kann. Aber bei meinen Ideen ist das meist schwierig und ich ertappe mich andauernd selber bei Sachen die nicht Massenkompatibel sind. Ich glaube daher auch dass die breite Masse deshalb so grossartig bei Facebook vertreten sind. Weil Facebook auch eine Art Abschrankung ist vor dem grossen unübersichtlichen Internet. Man fühlt sich daheim.

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