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Web-Erfinder Tim Berners-Lee: „Ich bin enttäuscht vom aktuellen Zustand des Web“

W3C-Direktor und Web-Erfinder Tim Berners-Lee. (Foto: Shutterstock.com)

Datenskandale und Hassbotschaften lassen auch Tim Berners-Lee nicht kalt. Der Erfinder des Web denkt jetzt sogar laut darüber nach, ob eine Zerschlagung der großen Internetkonzerne notwendig werden könnte.

Der Vater des Web ist enttäuscht davon, dass seine Erfindung zur Verbreitung von Hassbotschaften und dem Missbrauch persönlicher Daten genutzt wird. Für viele, so Berners-Lee gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, war der Cambridge-Analytica-Skandal ein Wendepunkt: „Wir haben das Gefühl der individuellen Mitwirkungsmöglichkeit verloren und bis zu einem gewissen Grad ist auch der Optimismus gebrochen“, sagte 63-Jährige im Rahmen des Interviews.

Berners-Lee betrachtet auch die zunehmende Dominanz der großen Internetkonzerne Facebook, Google und Amazon skeptisch. Historisch betrachtet gebe es zur Zerschlagung zu dominanter Unternehmen keine Alternative. Ein vorschnelles Eingreifen lehnt Berners-Lee aber ab: „Bevor wir sie zerschlagen, sollten wir sehen, ob sie nicht nur durch einen kleinen Anbieter gestört werden könnten, der sie aus dem Markt drängt, sondern auch durch Marktveränderungen, durch eine Verschiebung von Interessen“, so der Web-Erfinder gegenüber Reuters.

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Hass im Netz: Sind die sozialen Medien schuld?

Wie viele andere Internetnutzer treibt Berners-Lee die Frage um, warum sich Hassbotschaften im sozialen Web so überaus erfolgreich verbreiten können: „Wenn man einen Tropfen Liebe in Twitter steckt, scheint er sich zu zersetzen, aber wenn man einen Tropfen Hass hineinlegt, fühlt man, dass er sich tatsächlich viel stärker verbreitet. Und ich frage mich: ‚Liegt das an der Art und Weise, wie Twitter als Medium aufgebaut wurde?‘“

Berners-Lee ist nicht der Einzige, der die grundsätzlichen Social-Media-Mechanismen kritisch hinterfragt. Auch der frühe Facebook-Investor Sean Parker hatte 2017 beispielsweise öffentlich Kritik an sozialen Netzwerken geübt und den Dienst von Mark Zuckerberg gar als gefährlich bezeichnet. Der ehemalige Facebook-Manager und Risikokapitalist Chamath Palihapitiya äußerte sich ähnlich: „Die kurzlebigen, dopamingetriebenen Feedbackschleifen, die wir erschaffen haben, zerstören unsere Gesellschaft.“

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