Listicle

Werbefails 2019: Das waren die größten Marketingpannen

Seite 4 / 4

7. Kernkraft, ja bitte?

Lässiges Wortspiel oder unglückliches Framing auf Kosten von Atomkraftgegnern? Die Energiewende durchläuft viele Debatten und erhitzt die Gemüter. Dazu gehört, dass bei auftretenden Problemen mit erneuerbaren Energien einige Diskutanten schnell die vermeintlich saubere Kernenergie wieder ins Spiel bringen und am liebsten das Abschalten deutscher Kernkraftwerke rückgängig machen wollen. In dieser Zeit hielt es der Biomarkt Denn’s für eine gute Idee, seine Werbekampagne für Saatgutvielfalt und gentechnikfreie Züchtung mit dem Slogan „Kernkraft? Ja, bitte!“ zu überschreiben. Eine eindeutige Anlehnung an die Anti-Atomkraftsonne, die seit den Siebzigern mit dem Spruch „Atomkraft? Nein danke“ von Aufklebern der Anti-Atomkraft-Bewegung lacht.

Wie bitte? Bio-Atomkraft?

Wie bitte? Bio-Atomkraft? (Screenshot: denree)

Denn’s erntete vor allem bei seiner umwelt- und gesundheitsorientierten Zielgruppe Kopfschütteln für den Slogan. Das Anti-Atom-Bündnis in Berlin und Potsdam warf dem Biomarkt vor, mit dem Feuer zu spielen und scheinbar Atomkraft zu befürworten. Es entstehe beim Kunden unterbewusst die Assoziation „Wenn selbst die Bio-Branche die Atomkraft unterstützt, dann kann sie ja nicht so schlimm sein.“ Sie machten einen simplen Gegenvorschlag: Denn’s hätte einfach „Kornkraft? Ja, bitte!“ nutzen sollen. Das Marketingteam von Denn’s verteidigt ihre Kampagne mit einem alten Argument: Provokation sorgt erst für die richtige Aufmerksamkeit.

8. Gas, Wasser, Schießen

Und immer wieder die Bundeswehr. Seit Jahren hat die Werbeabteilung der deutschen Streitkräfte Probleme damit, einer pazifistischen und geschichtsbewussten Öffentlichkeit den Dienst zur Vaterlandsverteidigung schmackhaft zu machen. Das trieb auch schon 2018 Blüten, als die Bundeswehr im Umfeld einer Spielemesse mit den Plakatsprüchen „Multiplayer at its best!“ oder „Mehr Open World geht nicht!“ warb.

In diesem Jahr ging der Slogan „Gas, Wasser, Schießen“ ordentlich nach hinten los, mit dem die Bundeswehr Handwerker suchte. Die Twitter-Gemeinde ließ sich nicht lange bitten:

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) beschwerten sich über die Werbung: „Das Wort Gas im Zusammenhang mit Schießen und Militär lässt wenig Fingerspitzengefühl und geschichtliches Bewusstsein bei den Verantwortlichen erkennen“, kritisierte Renke Brahms, Friedensbeauftragter der EKD. „Niveaulos“, nannte Hans Peter Wollsiefer, Präsident des ZDH, die Kampagne, eine „Geringschätzung gegenüber dem Handwerk“.

Dazu könnte dich auch interessieren:

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung