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Werbetracker auf staatlichen Websites: Das Problem mit den offiziellen Stadtportalen

Werbe-Cookies sind auf Regierungswebsites von EU-Mitgliedsstaten keine Seltenheit. (Foto: Shutterstock)

Fast 90 Prozent aller offiziellen Regierungswebsites in der EU enthalten Drittanbieter-Cookies. Bei den deutschen Bundesbehörden besteht das Problem zwar nicht, dafür enthalten die offiziellen Portale einiger deutscher Großstädte eine ganze Menge Werbetracker.

Mit der DSGVO hat sich die EU eindeutig für den Datenschutz positioniert. Die Betreiber der offiziellen Regierungswebsites der Mitgliederstaaten hingegen sehen das mit dem Datenschutz wohl nicht so eng. 89 Prozent von ihnen enthalten Drittanbieter-Cookies. Das ergab eine Untersuchung des Anbieters Cookiebot. Zu den Ausnahmen gehören lediglich Deutschland, die Niederlande und Spanien. Alle anderen haben mindestens einen Drittanbieter-Tracker in ihr Webangebot integriert.

Einige Regierungswebsites von EU-Mitgliedsstaaten enthalten gleich eine ganze Reihe an Werbetrackern. (Screenshot: Cookiebot / t3n)

Einige Regierungswebsites von EU-Mitgliedsstaaten enthalten gleich eine ganze Reihe an Werbetrackern. (Screenshot: Cookiebot / t3n)

Während die Websites der Bundesregierung auf Werbetracker verzichten, sieht es bei einigen offiziellen Stadtportalen anders aus. Das zeigt ein weiterer Teil der Untersuchung, bei dem gesundheitsrelevante Fragen in Google eingegeben wurden. Anschließend suchten die Macher den ersten Treffer heraus, der von staatlicher Seite betrieben wurde. Auf die Frage „Was sind meine Rechte auf Mutterschutzurlaub?“ entfiel dieser Treffer auf das offizielle Stadtportal der Hansestadt Hamburg. Ganze 70 Werbetracker fanden die Studienmacher auf der Website. Das Portal wird von einer GmbH betrieben, die sich seit 2017 mehrheitlich im Besitz der Hansestadt befindet.

Ähnlich, wenngleich nicht ganz so dramatisch, fiel das Ergebnis bei der Suche nach „Behandlung für Alkoholsucht“ aus. Diesmal stammte das Ergebnis vom offiziellen Stadtportal Berlins. 20 Tracker enthielt die Webseite. Der Treffer für „Ich habe HIV, was mache ich?“ wiederum führte auf das offizielle Stadtportal von München. Hier waren immerhin noch zwei Tracker eingebunden.

Durch die Hintertür: So kommen Werbetracker auf werbefreie Regierungswebsites

Während die deutschen Städteportale häufig werbefinanziert sind, stellt sich bei den Regierungswebsites der EU-Mitgliedsstaaten natürlich die Frage, warum diese eigentlich werbefreien Angebote bisweilen so viele Tracker enthalten. Häufig werden die Werbetracker aber gar nicht bewusst integriert, sondern gelangen über Drittanbieter-Tools auf die Websites. So nutzt die irische Gesundheitsbehörde beispielsweise auf allen ihren Websites das Social-Sharing-Tool Sharethis.

Sharethis wiederum lädt ganze 25 weitere Werbetracker. Der irischen Behörde scheint das nicht bekannt zu sein. Die Cookie-Richtlinie der Websites verweist zwar auf den Cookie des Tools, nicht aber auf die damit ebenfalls eingeschleusten Werbetracker. Das ist problematisch, da irische Bürgerinnen und Bürger sich über die Seite naturgemäß vor allem über Dinge informieren dürften, die Rückschlüsse auf ihren eigenen Gesundheitszustand zulassen.

t3n meint:

Die Regierungsbehörden der EU-Mitgliedsstaaten sollten genauer darauf achten, welche Tracker sie vielleicht unbeabsichtigt in ihre Websites integrieren. In Deutschland wiederum müssen sich die Kommunen die Frage gefallen lassen, ob ihre werbefinanzierten und mit Trackern durchzogenen Städteportale wirklich im Interesse der Bürgerinnen und Bürger sind. Zumal die auch nur bedingt als Einnahmequelle dienen. Hamburg zahlte 2017 beispielsweise 2,7 Millionen Euro an den bisherigen Mehrheitseigner Axel Springer, um den eigenen Anteil an Hamburg.de auf 87 Prozent aufzustocken. Dabei schloss das Portal das Geschäftsjahr 2016 mit einem Verlust in Höhe von 73.000 Euro ab.

Kim Rixecker

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