Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Startups

„Fuck the maybes!“ oder: Wie Yeppt das Snapchat für Verabredungen werden will

Yeppt. (Bild: Screenshot/Shapeit)

Ein kleines Berliner Startup will WhatsApp, Doodle, Facebook und anderen Netzwerken Konkurrenz machen. Mit einer simplen wie genialen App: Yeppt. Das dreiköpfige Team setzt dabei auf etwas, wovon wir eigentlich schon mehr als genug haben: Zeitdruck – und könnte trotzdem erfolgreich sein.

Yeppt: „Fuck the maybes!“

Es ist, als würde man in eine schwarze Kiste hinein rufen: „Heute Abend Lust auf Kino?“ Eine Stunde, zwei Stunden, dann endlich die Lesebestätigung – aber keine Antwort. Dabei wäre es langsam an der Zeit, Karten zu reservieren. Nach drei Stunden stirbt der Plan. Die schwarze Kiste namens Messenger ist eine schwarze Kiste geblieben.

Situationen wie diese gibt es jeden Tag, tausendfach, millionenfach. Wo Menschen sich treffen, verabreden, etwas gemeinsam auf die Beine stellen wollen, braucht es Entscheidungen. Und es braucht eine Kommunikation, die Entscheidungen fördert. Genau die wollen Clemens Bachmair, Malik El Bay und Moritz von Hase bieten – mit Yeppt, einer App, die jetzt für iOS und Android gelauncht wurde. Ihr Motto: „Fuck the maybes!“

Yeppt – Das Snapchat für Verabredungen?

Das Yeppt-Team. (Foto: Axel Springer Plug & Play)
Das Yeppt-Team: Malik El Bay, Moritz von Hase und Clemens Bachmair.  (Foto: Axel Springer Plug & Play)

„Time pressure is used to engage the users to answer.“

Das Prinzip der App ist auf den ersten Blick denkbar einfach: Nutzer können ihren Kontakten eine Frage stellen, die sich mit ja oder nein beantworten lässt und sie mit einer Deadline versehen. Ein Beispiel wäre eben: „Heute Abend Lust auf Kino?“ Die Deadline: der späteste Zeitpunkt, zu dem ich Karten bestellen muss. Antwortet einer der Kontakte mit nein oder lässt die Deadline verstreichen, passiert gar nichts, antwortet er mit ja, landet er mit allen anderen „Ja-Sagern“ in einem Gruppenchat, um weiter planen zu können. Und für Nutzer, die kein Smartphone oder ein anderes Betriebssystem haben, gibt es eine Web-App, über die Yeppts zumindest beantwortet werden können.

Ähnelt der Chat derzeit klassischen Messengern, sind für Malik El Bay auch andere Szenarien denkbar, One-Touch-Funktionen etwa: „Geht es um ein Event, könnte ich durch das Swipen nach rechts beispielsweise auch gleich auf den Ticket-Shop weitergeleitet werden. Geht es um die Frage ‚Kannst Du mich zurückrufen?‘, könnte der Swipe den Anruf auslösen.“ Die Möglichkeiten scheinen unendlich. Doch auch mit den aktuellen Features wirkt Yeppt schon wie eine clevere Mischung aus Facebook-Events, WhatsApp und Doodle.

Während aber Gruppenchats wie bei WhatsApp für Termine den Nachteil haben, dass sie oft ins Leere laufen und immer wieder mit Nachrichten geflutet werden, die mit dem eigentlichen Termin nichts zu tun haben, bietet Yeppt zwei entscheidende Vorteile: die Deadline und die geschlossenen und damit perfekt zugeschnittenen Gruppen. Obwohl wir eigentlich schon genug Zeitdruck in unserem Alltag haben, scheint er genau hier die Lösung für ein Massenproblem zu sein: „Time pressure is used to engage the users to answer“, beschreiben die drei Yeppt-Gründer den USP ihrer App, die sie in den vergangenen drei Monaten im Startup-Accelerator von Axel Springer in Berlin entwickelt haben. „Yeppt ist das Snapchat für Verabredungen.“

58 Prozent der Zielgruppe haben Smartphones

Das ist die neue App von Foursquare: Swarm soll sich darum kümmern, das Nutzer ihre Freunde mithilfe von Foursquare-Daten finden. (Bild: TheVerge)
Die neue App von Foursquare: Mit Swarm sollen Nutzer ihre Freunde mit Foursquare-Daten finden. (Bild: TheVerge)

Doch nicht nur für die Nutzer dürfte Yeppt interessant sein, auch die Ideen für das Geschäftsmodell klingen schlüssig. Von perfekt auf eine Zielgruppe abgestimmter Werbung über Vorschläge passender Aktivitäten bis hin zu Event-Specials erscheinen etliche Monetarisierungsmodelle für diese App realistisch, auch Location-based Marketing könnte ein nächster logischer Schritt sein. Und dann würde Yeppt auch noch Foursquare ernsthaft Konkurrenz machen, die aus ähnlichen Erwägungen gerade erst ihre App aufgesplittet haben.

Ob es El Bay Angst macht, dass Yeppt damit gleich im Becken mehrerer großer Haie schwimmt? „Nein, aber es ist uns bewusst“, sagt er und fügt hinzu: „Wir wollten einfach in einer sehr hohen Liga mitspielen und haben die Herausforderung ganz bewusst gesucht.“ Zielgruppe von Yeppt sind dabei 18- bis 35-jährige, unternehmungslustige Menschen. 58 Prozent dieser Zielgruppe in Deutschland haben Smartphones, in den USA sind es sogar 78 Prozent – mit einer jährlichen Wachstumsrate von zehn Prozent. Und: Diese Gruppe gibt durchschnittlich 165 Euro für Freizeitaktivitäten pro Monat aus. Ein enormes Marktpotenzial.

Yeppt: Die ersten Schritte mit der App
Yeppt will Entscheidungen einfacher machen. (Screenshot: Yeppt-Apt)

1 von 8

Yeppt: Eine Startup-Geschichte mit Startschwierigkeiten

Gestartet sind die drei Yeppt-Gründer neben dem Studium mit einer App namens „flatastic“, einem WG-Tool mit Einkaufsliste und Abrechnungsfunktion. Das Projekt gibt es zwar noch, doch inzwischen kümmern sich andere um die mit knapp 15.000 Downloads durchaus erfolgreiche App. Nach einem Pitch beim Startup-Event „Venture Kick“ im schweizerischen Lausanne und 20.000 gewonnenen Schweizer Franken beginnt das Dreierteam im Juli 2013 jedoch, die Yeppt-Idee in die Tat umzusetzen und sich nach weiteren Investoren umzuschauen.

Ausgerechnet am Tag nach der Venture-Kick-Party klopft der Immoscout-Accelerator „You Is Now“ an und verabredet einen spontanen Skype-Termin. Das Problem: Im Trubel der Nacht haben Bachmair, El Bay und von Hase den Büroschlüssel verloren, und so müssen sie mitten in Bern auf der Hauptstraße mit „You Is Now“ skypen. Ein chaotisches Gespräch. „Am Schluss haben wir den Zuschlag nicht gekriegt, kein Wunder“, sagt El Bay. Doch aufgehalten hat das Yeppt nicht. Nach etlichen weiteren Ideen und Schritten folgt schließlich die Bewerbung für Axel Springer Plug & Play in Berlin, ein dreimonatiges Accelerator-Programm, in das Yeppt im Mai aufgenommen wurden. Seitdem nimmt das Startup endgültig Fahrt auf.

Yeppt scheint mit seiner Idee einen Nerv zu treffen

Yeppt soll Entscheidungen vereinfachen. (Bild: Yeppt)
Yeppt soll Entscheidungen vereinfachen. (Bild: Yeppt)

„Das wichtigste ist, dass wir die Early Adopter überzeugen und zeigen können, dass Yeppt einen echten Mehrwert bietet.“

Und mit dem App-Konzept könnte es für Yeppt weiter aufwärts gehen. In eigenen Umfragen haben vor allem 18- bis 25-Jährige angegeben, dass es oft nicht möglich sei, bei Gruppenchats mit zu vielen Beteiligten noch sinnvoll zu kommunizieren. Und Yeppt scheint mit seinem Lösungsweg für dieses Problem einen Nerv zu treffen: In der Closed-Beta-Phase wurden 85 Prozent aller „Yeppts“ innerhalb der Deadline beantwortet, 90 Prozent davon innerhalb der ersten 15 Minuten.

Auch auf der Business-Seite haben die drei Gründer einen klaren Plan: Mit der offenen API der App sollen Unternehmen Events bei Yeppt einstellen oder ein Yeppt-Widget auf Webseiten oder in Apps integrieren können. Ein Risiko für El Bay und seine Mitgründer: Yeppt ist eine Single-Use-App, eine App mit einem einzigen, klar definierten Zweck. Überfrachtet man eine solche Anwendung nach und nach mit immer mehr Zusatzfeatures – wie es schon bei etlichen erfolgreichen Apps passiert ist, verwässert sich der USP. Doch den Yeppt-Machern ist das durchaus bewusst. „Deshalb wissen wir schon heute, dass wir gar nicht mehr Funktionalitäten reinbringen wollen, sondern uns auf die eine Funktion konzentrieren und die richtig gut machen“, sagt El Bay.

Datenschutz: Bislang noch keine Verschlüsselung

„Am liebsten hätten wir ein Produkt, das auch Krisenreporter und Freiheitsaktivisten benutzen können.“

Ein weiteres Risiko: Bislang bietet Yeppt noch keine Verschlüsselung der Daten. Für die Speicherung nutzt Yeppt aktuell Amazon Web Services, um skalierbar zu bleiben, die Datenbank und der Server laufen über Amazon EC2, die Profilbilder werden auf Amazon S3 gespeichert. Aber: Bestehende Chats werden 24 Stunden nach Ablauf des Countdowns unwiderruflich gelöscht. Was den Schutz der Nutzerdaten angeht, sind El Bay und seine Mitstreiter jedoch sensibilisiert, nicht zuletzt durch Rummel um WhatsApp. „Am liebsten hätten wir ein Produkt, das auch Krisenreporter und Freiheitsaktivisten benutzen können, weil sie sicher sind, dass niemand die Nachrichten zurückverfolgen kann. Leider können wir das aufgrund unserer Ressourcen derzeit nicht gewährleisten“, räumt El Bay ein. „Aber wir werden Datenschutz und Datensicherheit in Zukunft noch mehr Aufmerksamkeit schenken. Schon beim Entwickeln haben wir immer darauf geachtet, dass die entsprechenden Mechanismen zu einem späteren Zeitpunkt leicht einzubinden sind. Hierfür haben wir uns auch von erfahrenen Programmierern im Bereich Verschlüsselung beraten lassen.“

Vor allem bei der Mobilfunknummer, die für die Anmeldung und den Kontaktabgleich gebraucht wird, dürften Nutzer kritisch sein. „Bei diesem Vorgang werden nicht gebrauchte Informationen wie die E-Mail-Adresse allerdings erst gar nicht an unseren Server übertragen“, so El Bay. „Auch das Adressbuch selbst wird niemals auf dem Server gespeichert, es wird nur nach existierenden Nutzern geschaut, im Anschluss werden die entgegengenommenen Daten direkt wieder verworfen. Und damit Yeppts auch über das Webinterface beantworten werden können, wird die Handynummer temporär gespeichert.“

Ein Wunschziel immerhin hat das Team: 10.000 aktive Nutzer Ende August, vielleicht Anfang September. „Das wichtigste ist, dass wir die Early Adopter überzeugen und zeigen können, dass Yeppt einen echten Mehrwert bietet“, sagt El Bay. Doch bei allen Eventualitäten und offenen Tasks, die auf Yeppt warten, eines ist sicher: Die App wird kostenlos bleiben. „Erst mal muss sich das Tool gegen die Konkurrenz etablieren“, sagt El Bay. „Wenn wir das nicht schaffen, hilft uns auch ein Euro pro Download nicht.“

yeppt
yeppt
Preis: Kostenlos
yeppt
yeppt
Entwickler: mcm.init UG
Preis: Kostenlos

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

18 Reaktionen
gast

das problem mit den handynummern könnte man doch so lösen das ein HASH-Wert erzeugt wird aus den telefonnummern die man im telefon hat. lösen andere Apps die wert auf Privatsphäre und co. legen bereits so.

Antworten
brobo

Die ist eigentlich gar nicht übel, aber ich hatte tatsächlich noch nie eine App auf dem Telefon, die so buggy war, wie diese. Die Zeit lässt sich nicht einstellen und hinzugefügte Kontakte verschwinden sofort wieder. Laut playstore bin ich nicht der einzige mit diesen Porblemen. Wie will man denn mit einer komplett dysfunktionalen App Early Adopter überzeugen können?

Antworten
netzsche

Ich habe mir das mal kurz auf Android angeschaut und einen Mini-Testbericht geschrieben. War leider nicht so überzeugend, wie ich es erwartet hab: http://timnatzschka.de/yeppt-yepp-nope/

Antworten
Fanmade

Die Idee finde ich klasse. Gab schon viel zu oft Probleme mit der Planung von diversen Aktivitäten weil einzelne einfach nicht oder zu spät geantwortet haben.
Die vielen Kritikpunkte kann ich allerdings alle nachvollziehen.
Es müsste ähnlich einfach sein wie einen Doodle zu erstellen und zu versenden, um auch die Leute die die App noch nicht haben zu erreichen.

Antworten
Florian Blaschke

Das ist es durchaus. Wer die App (noch) nicht hat, bekommt einen Link zur Web-App, wo er oder sie die gestellte Frage beantworten kann.

Antworten
Jannik

An sich eine super Idee! Aber um mich als Early-Adopter zu überzeugen sollte die App noch deutliche Fortschritte in Usability machen. So viele Funktionen hat die App noch nicht - da dürfen Abstürze einfach nicht drin sein.
Und wenn schon auf einen portablen Ansatz für iOS und Android gesetzt wird, dann aber bitte Gerätespezifika wie etwa Menü-Button bei Android beachten und bei iOS die "Zurück" Geste implementieren.

Während all meine Freunde die App noch nicht nutzen würde ich mir wünschen, direkt eine SMS/Whatsapp-Nachricht verschicken zu können an ausgewählte Freunde, um diese zur App einzuladen. Das würde auch den Nutzeranstieg beschleunigen.

Und eine Funktion den Account auch wieder löschen zu können sollte mittlerweile Standard sein.

Bitte unbedingt nachbessern - denn das Konzept ist super!

Antworten
cauboom

Vielen Dank für dein konstruktives Feedback. Wir werden versuchen das meiste bereits im nächsten Update umzusetzen.

Zu den Einladungen: Du kannst eine Yeppt-Frage an alle Kontakte in deinem Adressbuch senden. Haben diese die App noch nicht, so bekommen sie eine SMS mit der Frage geschickt und einem Web-Link, wo sie die Frage direkt beantworten können (sogar ohne die App zu haben).

Antworten
Matthias

Wie bereits gesagt wurde, als extra App mit grenzwertigem Nutzen, da man wohl kaum alle seine Freunde dazu überreden können wird.

Außerdem wieso muss heute für jede simple App ein StartUp gegründet werden? Das heißt doch nur, dass irgendwann jemand damit Geld verdienen will oder man darauf aus ist, von einem der Big Player gekauft zu werden. Wo sind die Entwickler, die so etwas hobbymäßig aufziehen und die Apps allen frei zur Verfügung stellen? Vor dem Smartphone Zeitalter gab es sowas massenhaft aber mittlerweile will jeder nur noch auf der Welle mitschwimmen (und die wenigsten schaffen es)

Antworten
Felix

Dich nach deinen Apps zu fragen wäre jetzt zynisch oder?

Antworten
Kation

Das Internet ist kein Raum, indem alles immer umsonst und für jeden verfügbar zur Verfügung steht. Das sollte endlich mal in den Köpfen der Menschen umgesetzt werden.
Von nur "hobbymäßig" kann kein Mensch mehr in der heutigen Zeit leben, deswegen ist es völlig in Ordnung und okay, wenn man mit einer Idee und viel Arbeit die man in diese Idee investiert, Geld verdienen möchte.

Antworten
Uwe

triggerYoo ist eine App die nicht zu einem StartUp gehört und nebenher entwickelt wird. Problem wie immer bei Hobbies. Es geht nur vorwärts wenn man Zeit hat. P.S. triggerYoo ist dem Yeppt ziemlich ähnlich. Verabreden wie mit Outlook nur statt Email gibt man die Kontakte an.

Antworten
Timon

Die Idee ist gut. Aber ich finde auch, dass sich das als eigenes Projekt und App kaum durchsetzen kann. Praktisch wäre es echt mal, wenn WhatsApp eine API hätte. Als Ergänzung dazu erachte ich das als sinnvoll. Aber nicht als eigene App für nur so einen kleinen Anwendungsfall, den ich persönlich vielleicht drei Mal im Monat Anspruch nehmen werde.

Antworten
Herbert Kk

Gute Idee für Leute die diese Chats und Messenger nutzen. ich persönlich finde in etwas entschärfter Form das selbe Grundproblem wie bei Whatsapp: Mobilnummern sind Privatsache gehören nicht ohne Not in amerikanische Clouds. Immerhin sind die Macher sich dessen bewusst, so dass man hier fast schon gratulieren möchte :)

Antworten
toli

Leider ist die Android-App weder für Nexus 4 noch Nexus 7 freigegeben.

Antworten
cauboom

Ich versuche gerade nachzuvollziehen, was da los ist…
Ich halte euch auf dem laufenden.

Antworten
cauboom

Es funktioniert alles wieder. Bitte schreibt mir eine Email (clemens[at]yeppt.com), falls es noch zu Problemen kommen sollte.

Antworten
ro

Leider mal wieder ein typisch deutsches Startup ohne Zukunftschancen. In drei Monaten hört man leider nichts mehr von ihnen.

Antworten
Florian Blaschke

Die Meinung kann man ja durchaus vertreten, aber spannend wäre zu wissen, warum du das glaubst ...

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.