News

Wie können Internetuser die Erdbebenüberwachung verbessern?

Im Falle eines Erdbebens nutzen viele Betroffene schnelle soziale Netzwerke.  (Foto: VitaM/Shutterstock)

Wenn die Erde bebt, greifen viele Menschen zum Handy – um Informationen zu bekommen, aber auch um ihre Erfahrungen zu teilen. Auf diese Weise können sie dazu beitragen, Erdbeben schneller zu lokalisieren.

Zugriffsdaten und Nachrichten von Internetnutzern helfen bei der Lokalisierung von Erdbeben. Kombinieren Experten diese Daten mit den Aufzeichnungen seismischer Stationen, können sie im Schnitt über eine Minute schneller mitteilen, wo ein Beben in etwa stattgefunden hat, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachmagazin Science Advances. Behörden und die Öffentlichkeit müssen schnellstmöglich wissen, wo die Erde bebte, um effektiv darauf reagieren zu können – etwa um Hilfsmaßnahmen zu organisieren.

Wie ein Erdbeben gemeldet wird

Erdbeben werden üblicherweise von seismischen Stationen erfasst, die es überall auf der Welt gibt. Das Deutsche Geo-Forschungs-Zentrum (GFZ) in Potsdam betreibt zum Beispiel einen Erdbeben-Monitoring-Dienst, der auf Daten von hundert eigenen seismischen Stationen des Netzwerks Geofon und von etwa 800 weiteren Stationen beruht. „Für die zuverlässige Lokalisierung eines Bebens benötigt man die Daten von mehreren Stationen“, erläutert Joachim Saul vom GFZ, der mit zwei weiteren GFZ-Forschern an der Studie beteiligt war. „Man muss ausschließen, dass es sich bei einem Signal nicht etwa nur um eine lokale Erschütterung gehandelt hat.“ Normalerweise dauert es etwa drei bis acht Minuten, bis aus den gelieferten Daten errechnet ist, wo ein Erdbeben in welcher Stärke stattgefunden hat.

Sind sich die Fachleute sicher, dass es ein Erbeben gegeben hat, veröffentlichen sie ihre Informationen und leiten sie auch an das European-Mediterranean Seismological Centre (EMSC) weiter. Dieses verbreitet die Informationen über die eigenen Website, eine App und via Twitter.

Erdbeben lassen sich über Internet-Zugriffe lokalisieren

Die Forscher unter Leitung von Robert Steed vom EMSC wollten nun prüfen, ob sich die Lokalisierung eines Bebens beschleunigen lässt, wenn man Daten aus dem Internet heranzieht. Sie nutzten dafür die Zugriffsdaten auf die EMSC-Website und dessen Erdbeben-App und durchforsteten zudem den Kurznachrichtendienst Twitter nach Tweets, die den Begriff Erdbeben – in 59 Sprachen – enthielten. Denn nach einem Beben greifen viele Menschen heute zum Handy, um in den sozialen Medien von ihrem Erlebten zu berichten und ihre Erfahrungen zu teilen.

Insgesamt analysierten die Forscher Daten zu mehr als 1.500 Erdbeben aus dem Zeitraum zwischen dem 1. Januar 2016 und dem 31. Dezember 2017. Die Auswertung ergab, dass sie bei der Lokalisierung mit Hilfe der Internetdaten durchschnittlich mehr als eine Minute schneller waren, als wenn sie nur die Daten der seismischen Stationen genutzt hätten.

„Die Ergebnisse sind spannend und auch für Geofon relevant, da sie die Reaktion von Menschen, die ein Erdbeben selbst verspürt haben, unmittelbar mit einbezieht“, sagt Joachim Saul vom GFZ. „Wir stehen aber erst am Anfang einer Entwicklung. Besonders die genaue Bestimmung der Erdbebenstärke bleibt eine Herausforderung.“ dpa

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.