Analyse

Der neueste Facebook-Skandal, aber sortiert

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Facebooks politische Skandale

Die politischen Missbrauchsskandale hängen eng mit den Datenskandalen zusammen. Wie oben schon erwähnt, versuchte die Firma Cambridge Analytica mit Daten, die sie auf Facebook abgeschöpft hatten, Donald Trump zum Sieg in der Präsidentschaftswahl zu verhelfen. Aber man braucht nicht unbedingt Zugang zu Nutzerdaten, um auf Facebook eine politische Kampagne zu fahren. Politische Akteure aus Russland beispielsweise schalteten einfach Anzeigen auf Facebook, um amerikanische Wähler zu beeinflussen. Bei politischen Kampagnen geht es aber nicht nur um Wahlen: Kürzlich musste Facebook sogar eingestehen, dass mit Hilfe der Plattform auch Ausschreitungen gegen die Rohingya in Myanmar angestachelt wurden, die manche Beobachter als Genozid bezeichnen.

Facebooks Management-Skandale

Facebook selbst scheint im Umgang mit all diesen verschiedenen Skandalen maßlos überfordert zu sein. Bevor auch nur ein Problem gelöst ist, brennt es schon wieder woanders: Erst gestern wurde bekannt, dass die russischen Polit-Meinungsmacher längst zu Instagram weitergezogen sind und dort Stimmung machen. Mark Zuckerberg, Facebook-Vize Sheryl Sandberg und andere Facebook-Topmanager scheinen unter dem Druck der Krisen besonders schlechte Entscheidungen zu fällen: Sicherheitsexperten wie Alex Stamos, die die Probleme intern ansprachen, wurden zurechtgewiesen. Um sich selbst in der Krise zu retten, heuerte Facebook die PR-Firma Definers an, damit auch Apple und Google an den Daten-Pranger gestellt werden.

Der jüngste Facebook-Skandal (Stand Mittwoch, der 19.12.2018, 17 Uhr)

Der jüngste Facebook-Skandal (Stand Mittwoch, der 19.12.2018, 17 Uhr), ist eine Mischung aus Kategorie 1 (Datenskandal) und Kategorie 3 (Management-Skandal): Die Tatsache, dass 150 Unternehmen Zugriff auf Daten wie die privaten Nachrichten der Nutzer hatten, ist klar ein Datenskandal. Wir wissen jetzt, dass Facebooks größte Partner bis vor kurzem noch viel mehr einsehen konnten als beispielsweise Cambridge Analytica.

Wir wissen aber auch, dass diesem Skandal katastrophale Entscheidungen vorausgegangen sind: Mark Zuckerberg behauptete immer wieder, Facebook würde die Nutzerdaten nicht verkaufen. Bisher wird Facebook zumindest nicht nachgewiesen, dass das gegen Geld passiert wäre. Aber die Partnerschaften mit bis zu 150 Unternehmen gehen in eine ähnliche Richtung: Facebook tauschte Daten gegen die Einbindung in Systeme wie Spotify, und damit gegen eine Chance auf neue Nutzer. Und jeder Nutzer bedeutet für Facebook höhere Werbeeinnahmen und dementsprechend auch mehr Geld.

Der jüngste Datenskandal ist auch ein Management-Skandal, weil Facebook schlicht mit dem Management der eigenen Plattform überfordert ist: Viele der Daten-Deals mit Dritten gehen zurück bis ins Jahr 2010. Und anscheinend hat das Facebook-Management schlicht den Überblick verloren: Die Zugriffsrechte von Yandex, dem russischen IT-Riesen, hatte Facebook eigentlich schon eingeschränkt. Dass Yandex trotzdem noch für Jahre auf sogenannte Nutzer-ID zugreifen konnte, dürfte Facebook selbst nicht klar gewesen sein. Auch Yahoo hatte noch Zugriffsrechte auf die Newsfeeds von Nutzern, obwohl Yahoo die entsprechende Funktion schon seit 2012 nicht mehr nutzt.

Ausgang: Offen

Ob aus dem jüngsten Skandal noch ein politischer (Kategorie 2) wird, bleibt abzuwarten. Bisher zumindest sagen die meisten Facebook-Partner, auch der russische IT-Riese Yandex, sie hätten gar nicht gewusst, dass sie Zugriff auf so viele private Nutzer-Daten hatten.

Mehr zum Thema:

[Anmerkung der Redaktion: Der Link zu Facebooks Reaktion auf die Vorwürfe wurde nachträglich hinzugefügt.]

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